»Fair kann verdammt gut schmecken!« TIME ehrt »Tony’s Chocolonely«
Der Tag der Schokolade ist eine gute Gelegenheit, den Lieblingssnack neu zu betrachten. Klar, Schokolade soll schmecken – aber sie kann auch fairer sein. Unternehmen wie »Tony’s Chocolonely« versuchen, Alternativen aufzuzeigen.
Am 7. Juli ist Tag der Schokolade – ein Anlass zum Genießen, aber auch zum Nachdenken. Denn die süße Versuchung hat eine bittere Kehrseite: Ausbeutung, Kinderarbeit und Armut sind noch immer Teil der Kakaoindustrie. »Tony’s Chocolonely« will das ändern – und wurde nun vom TIME Magazine als eines der 100 einflussreichsten Unternehmen der Welt ausgezeichnet. Ein Gespräch mit Marketingchefin Line Dillon über Verantwortung, Ausbeutung – und gute Schokolade.
Falstaff: Frau Dillon, Glückwunsch zur TIME100-Auszeichnung. Was bedeutet das für Sie?
Line Dillon: Danke! Es ist ein starkes Signal – nicht nur für uns als Firma, sondern für das Thema, das wir vertreten: faire Bedingungen im Kakaoanbau. Es geht uns nicht darum, als Marke im Rampenlicht zu stehen, sondern darum, dass sich wirklich etwas ändert. Die Auszeichnung zeigt: Diese Themen bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
Heute ist Tag der Schokolade. Was sagen Sie Menschen, die einfach nur genießen wollen – ohne sich Gedanken zu machen?
Genuss ist völlig in Ordnung. Wir alle lieben Schokolade, sonst wären wir nicht in diesem Job. Aber wer öfter zur Tafel greift, sollte wissen, dass Kakaoanbau oft mit Armut, Kinderarbeit und unfairer Bezahlung verbunden ist. Es geht nicht um Verzicht, sondern um bewusstere Entscheidungen. Schon kleine Veränderungen machen langfristig einen Unterschied.
Was läuft Ihrer Meinung nach schief in der Branche?
Viele Bäuerinnen und Bauern, vor allem in Westafrika, leben unter der Armutsgrenze. Sie verdienen zu wenig für ihre harte Arbeit. Kinderarbeit ist in manchen Regionen leider immer noch Alltag. Die Preise auf dem Weltmarkt schwanken stark – und am Ende bleibt bei den Produzent:innen oft kaum etwas hängen.
Was macht »Tony’s« anders?
Wir zahlen bewusst höhere Preise, arbeiten langfristig mit Kooperativen zusammen und setzen auf eine Lieferkette, die man nachvollziehen kann. Über 20.000 Farmer:innen sind Teil unseres Netzwerks. Und: Wir haben unser Modell »Tony’s Open Chain« so aufgebaut, dass andere Unternehmen es übernehmen können. Denn wir wissen, dass wir allein die Branche nicht verändern werden.
Gibt es schon Unternehmen, die sich angeschlossen haben?
Ja, inzwischen sind es 20 Unternehmen, die unser Modell nutzen – von großen Marken wie »Ben & Jerry’s« bis zu Einzelhändlern. Das zeigt, dass es machbar ist. Und es macht Hoffnung, dass sich mehr bewegen kann.
Ihre Kampagnen sind oft auffällig – mit starken Farben oder provokanten Slogans. Warum dieser Weg?
Weil das Thema oft untergeht. Viele Menschen wissen gar nicht, woher ihr Kakao kommt. Wenn wir mit Humor oder Überraschung Aufmerksamkeit erzeugen, dann nicht aus Marketing-Gründen, sondern weil es hilft, ein schwieriges Thema in den Alltag zu bringen.
Was würden Sie sagen: Macht fair produzierte Schokolade wirklich einen Unterschied?
Ja, und zwar ganz konkret. Wenn ein Unternehmen höhere Preise zahlt, können Kinder zur Schule gehen statt zu arbeiten. Familien können von ihrer Arbeit leben, ohne sich zu verschulden. Schokolade ist ein alltägliches Produkt – aber die Frage ist: Für wen ist sie süß, und für wen bleibt sie bitter?
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wir wollen, dass noch mehr Unternehmen mitmachen – damit faire Schokolade zur Normalität wird. Außerdem brauchen wir klare gesetzliche Regeln, damit nicht nur die machen, die wollen, sondern alle, die müssen. Und natürlich wollen wir weiter wachsen, ohne unsere Werte aufzugeben.
Und zum Schluss: Gibt es eine Sorte, die für Sie persönlich besonders symbolisch ist?
Karamell-Meersalz. Das ist unsere beliebteste Sorte – süß, salzig, ein bisschen unerwartet. Sie steht gut für das, was wir tun: zeigen, dass man auch mit Haltung richtig gute Schokolade machen kann.