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© Georg Roske

Künstler Paul Schrader: »Mein Sehnsuchtsort ist der kreative Flow«

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Der ehemalige Anwalt hat sich seinen Traum erfüllt und lebt heute als freischaffender Künstler. Mit großem Erfolg: Für seine Malereien werden mitunter schwindelerregende Summen bezahlt – und in den sozialen ­Medien feiert ihn eine riesige Fangemeinde. Aber wie reist jemand, der ständig nach Inspiration sucht?

Falstaff: Herr Schrader, wo liegt Ihr Sehnsuchtsort?

Paul Schrader: Ich bin nicht sicher, ob ich einen klassischen Sehnsuchtsort habe – wenn überhaupt, dann vielleicht mein Atelier. Aber eigentlich geht es mir weniger um den Ort selbst: Meine Sehnsucht richtet sich eher darauf, in einen ­kreativen Flow zu kommen.

Welcher war Ihr unvergesslichster Reisemoment?

Im Italien-Urlaub mit meiner Familie – ich muss ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein. Wir haben Pompeji besucht, die Stadt, die durch den Ausbruch des Vesuvs vor rund 2.000 Jahren zerstört wurde. Die getöteten ­Bewohner hinterließen Hohlräume in der Asche, so wie sie gefallen und erstickt waren. Die Abgüsse dieser Leerräume wirken, als wären die Toten seit damals in Schockstarre. Dadurch bekam ich zum ersten Mal eine Ahnung davon, wie schnell das Leben vorbei sein kann – selbst als Kind habe ich das gespürt.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie auf einer Reise ­gelernt haben?

Es kommt immer anders, als man denkt. 2022 war ich zwei Monate in New York, hatte ein Apartment ­gemietet, kannte niemanden und hatte ehrlich gesagt Angst vor der Einsamkeit. Aber das Gegenteil ist passiert: Schon am ersten Abend habe ich Leute kennengelernt – und war in all den Wochen kaum jemals allein. In New York reicht ein kurzer Blick und man ist Teil eines Gesprächs.

Farben, Feiern, Follower Schrader malt seine farbintensiven Großformate im Atelier in Hamburg, vermarktet sie über Instagram und inszeniert seine Ausstellungen am liebsten als Party – mit großem Erfolg.
© Jannis Brandt
Farben, Feiern, Follower Schrader malt seine farbintensiven Großformate im Atelier in Hamburg, vermarktet sie über Instagram und inszeniert seine Ausstellungen am liebsten als Party – mit großem Erfolg.

Welche Kultur inspiriert Sie am meisten?

Definitiv die amerikanische. Künstler wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat oder Cy Twombly haben mich stark geprägt – und das nicht nur ästhetisch: Ihre Art, Kunst und Öffentlichkeit zusammen zu denken, ihr Selbstbewusstsein, gerade auch in der Selbstvermarktung, faszinieren mich unheimlich.

Haben Sie ein Lieblingshotel?

Das »Hôtel Amour« in Nizza. Es ist kein luxuriöses Haus, aber unglaublich charmant. Das Hotel gibt es auch in Paris, früher war es ein ­Bordell – daher der Name. Ich mag, wie unkompliziert und entspannt es dort ist. Nizza bedeutet mir ohnehin viel: 2008 war ich für einen dreiwöchigen Sprachaustausch dort; seitdem hat die Stadt einen festen Platz in ­meinem Herzen.

Aktuell sind Sie auf den Malediven und haben dort ein Atelier bezogen – Urlaub oder Arbeit?

Ist ein Aufenthalt auf den Malediven nicht automatisch Urlaub? Spaß beiseite: Ich bin Teil des Artist-in-Residence-Programms im Luxushotel »Patina Maldives«. Ich male hier in ­einem offenen Atelier, während die Gäste mir dabei über die Schulter schauen können. Im Gegenzug darf ich in einem wirklich einzigartigen Ambiente arbeiten, auf ­einer der schönsten Inseln der Welt. Fairer Deal, oder?

Was darf in Ihrem Gepäck auf keinen Fall fehlen?

Definitiv meine Airpods. Die sind für mich die beste Form der Lärmabschottung. Außerdem bin ich ein ausgesprochen auditiver Mensch: Morgens höre ich Radio oder Podcasts, abends meistens Musik. Ohne geht’s ­eigentlich nicht.

Was ist Ihr perfektes Urlaubs-Outfit?

Oh, ganz schwieriges Thema! Ich habe immer eine Vorstellung davon, was am Strand toll aussieht – und dann ist es am Ende doch viel zu bunt, zu gewollt, und ich ziehe es nicht an. Das Problem ist: Man ist ja meist noch käsig weiß, wenn man ankommt. Aber eine Sache rettet mich immer: mein weißer Cordanzug von Brunello ­Cucinelli. Ein bisschen absurd für den Urlaub – aber ­genau deshalb funktioniert er.  


Sebastian Späth
Sebastian Späth
Chefredakteur
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