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Die meditative Schönheit der Marken ist gerade für Genussbiker ein Reiseziel, das entdeckt werden sollte.

Die meditative Schönheit der Marken ist gerade für Genussbiker ein Reiseziel, das entdeckt werden sollte.
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Marken: die schönste Nebenstrasse Italiens

Reise
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Italien

In der oft übersehenen Schwester der Toskana locken traumhafte Küsten, sanfte Hügellandschaften – und als Belohnung: ausgezeichnete Weine. Zwischen Rebstöcken und Renaissancekunst finden sich zahlreiche Routen für Radfahrer – von fordernd bis federleicht.

Ganz Italien durchradeln – in einem Urlaub! In den Marken kein Problem, denn diese Region, so sagen viele, sei wie Italien im Miniaturformat. Geografisch liegen die Marken in der Mitte der italienischen Ostküste – gewissermaßen an der Wade des Stiefels.

Und starke Waden braucht man auch, wenn man hier radeln will. Im Westen heben sich die Berge bis weit über 2.000 Meter, im Osten lockt die Adriaküste mit von Cafés gesäumten Promenaden und weißen Stränden. Dazwischen liegen sanfte Hügel, gespickt mit Zypressen, mittelalterlichen Dörfern, Weinreben und Olivenhainen.

Mit dem Rad also geht es auf und ab, doch es lohnt sich, denn es warten spektakuläre Aussichten, Gastfreundschaft und Gaumenfreuden. Die Marken verfügen über ein gut ausgebautes Radnetz. Viele Agenturen bieten teils geführte, mehrtägige Touren an. Man kann sich aber auch einfach in eines der vielen Agriturismi einmieten und die Gegend mit ihren vielen Kultur- und Naturschätzen auf eigene Faust erkunden.

Zu den bekanntesten Attraktionen gehören die Grotten von Frasassi, die sich über 30 Kilometer durch das Berginnere winden und zu den spektakulärsten Tropfsteinhöhlen Europas zählen. Schon die erste Halle ist so gewaltig, dass darin der Mailänder Dom bequem unterkäme.

Im Südwesten erstreckt sich der Nationalpark Monti Sibillini mit seinen über 2.000 Meter hohen Gipfeln – eine majestätische Bergwelt, rund 70 Kilometer von den Grotten von Frasassi entfernt. Nördlich, nur etwa zwei Radelstunden entfernt, liegt die spektakuläre Furlo-Schlucht – ein wildromantisches Durchbruchstal, das als »Grand Canyon Italiens« gilt.

Und dazwischen, wie ein kulinarisches Versprechen, befindet sich das kleine Städtchen Acqualagna: Italiens unbekannte Trüffelhauptstadt, wo das ganze Jahr über Knollen ausgebuddelt, gehandelt und frisch auf die Teller gebracht werden – nur 45 Kilometer entfernt und über sanft geschwungene Hügelrouten gut erreichbar.

Raffaels Heimat

Kulturschätze entdeckt man in Urbino, der Geburtsstadt des Renaissancemalers Raffael – Schöpfer solch unvergänglicher Meisterwerke wie der »Sixtinischen Madonna« oder der »Schule von Athen«. In den eleganten Palazzi der Stadt spürt man noch heute den Geist der Hochrenaissance, als Urbino unter dem kunstsinnigen Herzog Federico da Montefeltro zu einem Zentrum der Humanisten und Maler wurde.

Ein UNESCO-geschütztes Renaissancejuwel mit prächtig erhaltenen Bauten und Museen, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft. Exponiert auf einem Hügel liegt die Basilika von Loreto, die neben Lourdes als bedeutendster Wallfahrtsort Europas gilt. Auffallend ist die hohe Dichte an historischen Theatern: Um die 70 gibt es in der gesamten Region. Prachtvolle, von großen Architekten gestaltete Kleinode, versteckt in den engen Straßen geruhsamer Dörfer.

Für viele sind die Marken noch immer ein blinder Fleck auf der sonst gut erschlossenen Landkarte Italiens – und dementsprechend geruhsam geht es hier zu. »Die Marchigiani machen nicht viel Aufhebens um sich«, meint Barbara Cruciani, die gemeinsam mit ihrem Mann Luca das Weingut Casa Lucciola führt. Auch dort führt seit Kurzem ein Radweg vorbei: Ein 30 Kilometer langer Rundweg durch die Weinberge rund um Matelica.

Urbino, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, ist Anziehungspunkt für Reisen-de mit Faible für Kunst und Kultur.
© Shutterstock
Urbino, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, ist Anziehungspunkt für Reisen-de mit Faible für Kunst und Kultur.
Wer in den Marken radelt, fährt nicht nur durch eine herrliche Landschaft, sondern findet auch zahlreiche Kulturschätze.
© Katjana Lacatena / carolineseidler
Wer in den Marken radelt, fährt nicht nur durch eine herrliche Landschaft, sondern findet auch zahlreiche Kulturschätze.

Weinhandwerk mit Herz

Die Weinlandschaft der Marken ist so vielfältig wie die Region selbst. Elf DOP-geschützte Weine werden hier erzeugt: Nach Blumen und roten Beeren duftet der tiefrote Lacrima di Morro d’Alba. Im Süden entstehen der strohgelbe, würzige Pecorino und der fruchtige Rosso Piceno. Am bekanntesten aber ist der Verdicchio, der auch beim Ehepaar Cruciani wächst.

Ihre Casa Lucciola ist eines von 17 unabhängigen, nach traditionellen Methoden arbeitenden Weingütern, die sich vor zwei Jahren als Vignaioli delle Marche zusammengeschlossen haben. Das Ziel: die Region und ihre (unentdeckten) Schätze auch international bekannter zu machen. Luca Lucciola hat das Land von seinen Eltern geerbt. Vor knapp zehn Jahren hat der Familienvater, der davor nichts mit Weinbau zu tun hatte, die ersten Reben gepflanzt: keine rationale Entscheidung, wie er sagt, sondern eine, die er »mit dem Herzen« getroffen hat.

Es ist eine Geschichte, wie man sie in den Marken häufig hört: L’amore per il territorio. Kleine Betriebe, mit Leidenschaft und Herzblut geführt. Federico Pesaresi, dessen Reben am Monte Conero mit Blick auf das türkisblaue Meer wachsen, lädt im Sommer zu Dinner und Musik in seine Weinberge hoch oben über den weißen Klippen.

Winzer Massimo Palmieri – gebürtiger Pugliesi, der sich erst ins Weinhandwerk und dann in die Marken verliebte – empfängt seine Gäste mit solch einer Ruhe und Leidenschaft, dass man es ihm sofort nachtun will: ein verfallenes Landgut kaufen und sich als Weinmacher niederlassen. In seiner »Tenuta San Marcello«, die er gemeinsam mit seiner Frau führt, kann man die müden Radelbeine am Pool mit Weitblick entspannen und den hungrigen Magen mit regionaler Slow-Food-Küche füllen.

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Strand aus Samt

Wem die Hügel im Hinterland zu sportlich sind, der hält sich an die Küste, wo der knapp 800 Kilometer lange Rundweg »Strade di Marca« entlangführt. Im Süden liegt Grottammare mit seinen eleganten Jugendstil-Villen und der belebten Strandpromenade. Inmitten des Naturschutzgebiets am Monte Conero lockt der Badeort Portonovo, eingerahmt von glasklarem Wasser und wilder Natur.

Im Norden öffnet sich Ancona, die Haupt- und Hafenstadt der Marken – ein Ort voller Kunst und Geschichte: romanische Kirchen, antike Ausgrabungen, venezianische Palazzi und ein archäologisches Museum, das bis in die Zeit der Picener zurückführt.

Eineinhalb Radelstunden entfernt liegt Senigallia, das schon Mitte des 19. Jahrhunderts zum beliebten Badeort aufstieg. Die hiesige, 13 Kilometer lange Spiaggia di Velluto – der »Strand aus Samt« – verdankt ihren Namen dem besonders feinen Sand, der sich unter den Füßen weich wie Stoff anfühlt. Und auch kulinarisch darf man in Senigallia stolz sein: Die Stadt – mit nicht einmal 50.000 Einwohnern – kann gleich fünf Michelin-Sterne vorweisen.

Auch rustikale Genüsse fehlen nicht. Eines der bekanntesten Gerichte sind die »Olive all’ascolana«: mit Fleisch oder Fisch gefüllte, panierte und frittierte Oliven. Suchtpotenzial: hoch. Perfekt für hungrige Radfahrer.

Entlang der Küste führt dieser Rundweg zu lebendigen Badeorten und geschichtsreichen Hafenstädten.
© Katjana Lacatena / carolineseidler
Entlang der Küste führt dieser Rundweg zu lebendigen Badeorten und geschichtsreichen Hafenstädten.

 

Erschienen in
Falstaff TRAVEL Magazin 03/2025

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Verena Carola Mayer
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