»Nobu« Hoteldirektor verrät: Warum jetzt alle nach Warschau sollten
Warschau? Nur was für Nostalgiker? Von wegen. Stefan Bauer, General Manager des »Nobu«, erklärt im Interview den Hype um die polnische Hauptstadt – und gibt Insider-Tipps für den nächsten Städtetrip.
Falstaff: Herr Bauer, Sie leben seit rund fünf Jahren in Polen – die meiste Zeit davon in Warschau. 2023 wurde die Stadt zum besten Reiseziel Europas gekürt, kürzlich folgte die Auszeichnung als »Best Destination in New Europe«. Was macht Warschau derzeit so attraktiv? Gab es einen Wendepunkt?
Stefan Bauer: Warschau hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert – nicht zuletzt durch den EU-Beitritt vor 20 Jahren. Die Stadt ist jetzt moderner, weltoffener und internationaler – und sie hat ihre eigene, ganz besondere Identität entwickelt. Besonders in der Kulturszene merkt man das deutlich: Das neu eröffnete Museum für Moderne Kunst, direkt neben dem Kulturpalast, ist ein Paradebeispiel dafür. Kulturell, kulinarisch und wirtschaftlich befindet sich Warschau im Aufbruch – und das alles zu Preisen, die im europäischen Vergleich günstig sind. Das macht die Stadt für viele gerade besonders attraktiv.
Warschau ist deshalb auch für viele junge Reisende spannend. Wie steht es um das Nachtleben – abseits von Oper und Hochkultur?
Entlang der Weichsel reiht sich ein moderner Club an den nächsten – viele mit mehreren Etagen und Supper-Club-Konzepten, bei denen man zuerst stilvoll diniert und anschließend bis in den Morgen tanzt. Die Szene ist jung, urban und unglaublich lebendig – perfekt für alle, die das Nachtleben suchen. Ein echtes Highlight ist der Jassmine Club im Nobu Hotel: ein preisgekrönter Jazzclub, der zu den besten in Polen zählt und regelmäßig internationale Größen auf die Bühne holt. Und auch die Barszene kann sich sehen lassen – mit stimmigem Design, kreativen Konzepten und Mixology auf Weltklasse-Niveau.
Auch kulinarisch wurde Warschau lange unterschätzt – bis jetzt. Erst seit 2023 gibt es eine eigenständige Landesausgabe des Guide Michelin für Polen. Was erwartet Reisende auf dem Teller?
Die polnische Küche ist stark von den Nachbarn geprägt – Österreich-Ungarn, die Ukraine oder auch Tschechien haben ihre Spuren hinterlassen. Typisch sind Pierogi in allen Variationen, Hering mit Wodka oder Kaviar – Klassiker, die gerne auch neu interpretiert werden. Gleichzeitig hat sich eine moderne Szene entwickelt: mit kreativen Foodcourts, stylischen Foodtrucks und ambitionierter Fine-Dining-Küche. Allein in Warschau listet der Guide Michelin 20 Adressen, zwei davon mit Stern, sechs mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet.
Auch das »Nobu Restaurant« hebt die Kulinarik in Warschau auf ein neues Niveau. Was macht es besonders?
Das Nobu ist das einzige internationale Fine-Dining-Restaurant dieser Art in Polen. Es ist ein Treffpunkt für Food-Liebhaber und bietet regelmäßig Events wie Dinner mit internationalen Gastköchen oder Wein- und Champagner-Abende. Wir arbeiten außerdem mit lokalen Produzenten zusammen, darunter eine Wasabi-Farm – eine der wenigen außerhalb Japans – und eine Kaviar-Farm, rund zweieinhalb Stunden von Warschau entfernt, die viele Spitzenrestaurants in der ganzen Welt beliefert.
Abseits des »Nobu« – welche kulinarischen Hotspots in Warschau empfehlen Sie?
Ein echter Geheimtipp ist Le Braci, der beste Italiener der Stadt – sowohl kulinarisch als auch in Sachen Weinkarte und Architektur. Für echtes Boulangerie-Feeling lohnt sich ein Besuch bei Piekarnia Aromat, die mit ihren charmanten kleinen Cafés begeistern – hier gibt’s oft morgens schon Warteschlangen. Und wer israelische Küche liebt, kommt an Joel nicht vorbei – ein kreatives Sharing-Konzept à la Ottolenghi.
Für Reisende, die zum ersten Mal in Warschau sind – mit welchen Sehenswürdigkeiten sollten sie starten?
Ein Muss für Erstbesucher ist der Kulturpalast im Stadtzentrum, besonders abends, wenn er erleuchtet ist. Als Geschenk von Stalin ist er ein faszinierendes Relikt der Vergangenheit und bietet einen tollen Blick auf die Warschauer Skyline. Als zweiten Tipp empfehle ich den Łazienki-Park, der eng mit Chopin verbunden ist. Dort finden Sie sein Denkmal und im Sommer gibt es täglich Open-Air-Konzerte. Ganz in der Nähe liegt der Belweder – ein historischer Palast, der bis 1989 als Residenz polnischer Präsidenten diente – der perfekte Ausgangspunkt für eine Stadterkundung.
Diese Orte finden sich wohl in jedem Reiseführer. Welche Geheimtipps haben Sie für Reisende, die Warschau abseits der ausgetretenen Touristenpfade entdecken möchten?
Ein Geheimtipp ist definitiv Praga, auf der anderen Seite der Weichsel. Dieser Bezirk galt lange als gefährlich, hat sich aber in den letzten Jahren zu einem kreativen Hotspot entwickelt. Hier findet man noch viele Gebäude aus der kommunistischen Ära, die der Gegend einen einzigartigen Charme verleihen. Inzwischen hat sich eine lebendige Kunst- und Kulturszene etabliert, und die Restaurants bieten authentische kulinarische Erlebnisse abseits des Mainstreams. Ein weiterer Tipp ist der Stadtteil Wilanów, wo sich das Schloss von König Sobieski befindet – eine kleine, aber feine Sommerresidenz im Grünen, die zwar auch ein Meisterwerk barocker Architektur ist, aber keinesfalls an Versailles herankommt, wie manch Reiseführer behauptet.