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Ode ans Fondue: Ein Topf voll heißem Glück

Meinung
Herbst
Fondue

Haben Sie Angst vor der dunklen Jahreszeit? Dann machen Sie’s wie unser Autor: Für den brennt immer ein Licht – unter dem Fondue-Topf.

Oh weh, der Herbst. Kaum scheint das Licht etwas fahler durch die sich verfärbenden Blätter der Bäume, bricht hierzulande die große Panik aus. Der Sommer ist vorbei, was soll jetzt werden? In Zeitungen finden sich dann Artikel, die anraten, wie man die heiße Jahreszeit rüber in die kalte rettet. Zum Beispiel durch sonnige Lektüre, den Besuch einer Therme, wo man auch im Herbst unter Palmen plantschen kann, oder mit Tomatenmarmelade. Das sind gute Ratschläge, wem würde eine sonnige Lektüre schon schaden?

Einfach alles wird besser, wenn der Käse im Topf schmilzt.

Aber wenn ich diese Artikel lese, dann mit einer starken Irritation. Das liegt daran, dass ich keine Angst vor der dunklen Jahreszeit habe. Denn für mich brennt immer ein Licht. Und zwar aus einem Petroleum-Förmchen, um mein Käsefondue zu erhitzen.

Und wenn Sie sich jetzt fragen: Jetzt schon, ist es im Oktober nicht viel zu früh für Fondue? Darauf frage ich: Ist diese Frage nicht etwas blöd? Einfach alles wird besser, wenn der Käse im Topf schmilzt.

Ein Glück, das man teilt

Eigentlich ist es egal, welche Mischung es ist. Fribourger Vacherin, Hochmoor, Schönholzer, wenn es kräftiger sein soll. William Wyssmüller, Maître Fromager und CEO von Les Fondues Wyssmüller empfiehlt dem Falstaff eine Auswahl an gut gereiftem Hart- und Halbhartkäse. Meistens lasse ich mir an der Käsetheke Empfehlungen geben. Dazu ein schönes Glas Wein. Was will man mehr?

 

Das Fondue ist nicht bloß ein Topf voll heißem Glück, es ist ein Glück, das man teilt. Alleine käme ich nie auf die Idee, ein Kilo Käse zu schmelzen. Aber wenn man gemeinsam um das Caquelon sitzt und versucht, so viel Käse wie möglich auf seinem Brotstück Richtung Mund zu befördern, entsteht automatisch eine warme Intimität. Wo hat man das sonst, dass man sich einen großen Topf teilt, aus dem man gemeinsam ohne den Umweg über einen Teller isst? Wer gemeinsam Fondue isst, der vertraut sich. Und der vertraut sich einander auch an: Achten Sie mal darauf, Gespräche über flüssigem Käse haben eine andere Qualität. Möglicherweise ist das Fondue also das Äquivalent zur Sauna. Man begegnet sich unmittelbar, man lernt sich schon mal neu kennen, wenn man versehentlich das Brot vom Spieß des Gegenübers schiebt.

Dem Käserausch hingeben

Und am Ende hat man auch etwas geschafft. Wenn langsam der Boden erahnbar wird, die köstliche Käsekruste, die sich dort bildet. Kenner holen dann ein Ei, das sie hineinschlagen, um auch den letzten Rest des Käses genießen zu können.

Man kann als Mensch wohl kaum einen Zustand erreichen, der glücklicher ist.

Das Käsefondue hat nichts zu tun mit trendigen Ernährungsempfehlungen. Wer es sich versauen möchte – und zu solchen geistigen Verrenkungen nach brachialen Mengen Käse überhaupt noch fähig ist – der zählt Kalorien zusammen, vielleicht denkt er auch über all die Fette nach, die in dem Zeug stecken, und erst das Salz! Aber nein, hier geht es um Genuss, um Gemeinschaft, um einen Moment, der einfach für sich stehen darf, ohne dass moralische Gedanken dazwischen funken müssen.

Und wenn man dann ganz träge vom Käse beisammen sitzt, die Gesprächspausen immer länger werden, sich eine wohlige Schwere in einem breit macht, dann kann man sich zufrieden zurücklehnen und sich dem Käserausch hingeben, wohl wissend, dass man als Mensch wohl kaum einen Zustand erreichen kann, der glücklicher ist als dieser.

 

 


Moritz Hackl
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