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Von der Straße in die Küche: Das Londoner Projekt »Home Kitchen«

Koch
London

Das Projekt soll Obdachlosen eine Zukunftsperspektive bieten.

Mitten im Londoner Viertel Primrose Hill hat kürzlich ein ungewöhnliches Restaurant seine Türen geöffnet: »Home Kitchen«, geleitet vom renommierten Michelin-Sternekoch Adam Simmonds. Es ist kein gewöhnliches Lokal: statt erfahrener Profiköche stehen hier Menschen in der Küche, die bis vor Kurzem obdachlos waren. Ziel des Projekts ist es, Menschen ohne festen Wohnsitz eine echte Chance zu bieten – nicht nur im Beruf, sondern auch für ein geregeltes Leben.

Gastronomie als Ausweg

Hinter dem Projekt steht Alex Brown, der auch die Londoner Suppenküche betreibt und mit dem Schicksal obdachloser Menschen bestens vertraut ist. Die Idee für das Restaurant entstand während der Pandemie, als viele der Hilfesuchenden begannen, nicht nur nach Essen, sondern auch nach Arbeit zu fragen. »Home Kitchen« ist Browns Antwort auf die Frage, wie obdachlose Menschen dauerhaft eine Perspektive finden können. Denn in London – wie in vielen Städten – ist es fast unmöglich, ohne festen Wohnsitz eine Anstellung zu finden.

Ein Sternekoch an der Seite

Um den neuen Mitarbeitern die Grundlagen der gehobenen Küche beizubringen, arbeitet das Projekt mit Adam Simmonds zusammen, der für seine Küche bereits einen Michelin-Stern erhielt. Simmonds hat die Speisekarte von »Home Kitchen« eigens so konzipiert, dass auch weniger geübte Köche sie bewältigen können. Das Ziel ist es, komplexe Aromen mit einfachen Rezepten zu vereinen, ohne die Neulinge zu überfordern. Die Küche bietet Menüs zu moderaten Preisen an, darunter ein Festpreis-Menü für 35 Pfund und ein Degustationsmenü für 65 Pfund.

Simmonds' persönlicher Einsatz für das Projekt

Simmonds selbst weiß, wie schnell man in eine schwierige Lebenslage geraten kann. Der 17-Stunden-Tag ist für den Starkoch zwar körperlich fordernd, aber er sieht sich in der Verantwortung: »Wir geben diesen Menschen eine zweite Chance,« sagt er gegenüber der New York Times. Denn auch er selbst kennt die Bedeutung von Neustarts – als ehemaliger Kokainabhängiger ist er nun zwar clean, aber er kann sich an eine Zeit erinnern, in der er seine Miete nicht bezahlen konnte und (glücklicherweise) von seiner Familie aufgenommen wurde.

Wie finanziert sich das Projekt?

Die Finanzierung von »Home Kitchen« ist solide aufgestellt. Das Projekt konnte durch Crowdfunding beeindruckende 350.000 Pfund sammeln. Weitere 210.000 Pfund stammen aus einem Fonds, der soziale Projekte unterstützt. Auch wenn das Restaurant aktuell auf Unterstützung angewiesen ist, ist das Ziel, langfristig eigenständig und gemeinnützig zu arbeiten.

Die Mitarbeiter von »Home Kitchen« arbeiten Vollzeit und erhalten einen Existenzlohn von 13,15 Pfund pro Stunde – genug, um sich über Wasser zu halten. Bei erfolgreicher Absolvierung der 90-tägigen Probezeit wird den neuen Köchen ein einjähriger Zertifizierungskurs am Westminster Kingsway College angeboten, der ihnen eine vollwertige Berufsausbildung sichert. Fahrtkostenzuschüsse und kostenlose Mahlzeiten während der Schicht runden das Unterstützungsangebot ab und tragen zur Stabilisierung des Alltags der Mitarbeiter bei.


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Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
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