Das unendliche Verzeichnis von Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben, deren Eröffnung sich wegen irgendwelcher behördlicher »Kleinigkeiten« um Wochen oder Monate verzögert, ist um einen Eintrag länger. Im Hochsommer wäre das »Paco Ribeira« eigentlich fertig gewesen. Im Oktober durfte man endlich starten. Das kleine Restaurant inmitten der schwer durchschaubaren Ansammlung von Hochhäusern und Glaspalästen auf der Donauplatte ist ein Ableger von Wiens bestem Spanier »Paco« am Alsergrund. »Ribeira« ist die spanische Entsprechung von Riviera, wobei man diesen Abschnitt des Donauufers schon sehr mögen muss, um derlei Assoziationen zu haben. Egal. Das exzellente Estrella Damm wird frisch gezapft. Wer auf Sangria steht, findet gleich drei Versionen der Mischkulanz. Die Sherrys stammen vom Topproduzenten Lustau, fast alle Weine gibt’s glasweise. Und wer hier was zu feiern hat, bekommt sogar »Mauro« von der Önologenlegende Mariano Garcia oder die wuchtige Priorat-Granate »Clos Mogador«. Beim Luxusprodukt iberischer Schinken – ganze 220 Stück verbraucht die »Paco«-Gruppe per annum – bleiben die feinsten Teile dem Haupthaus und der City-Bar »Reserva Ibérica« vorbehalten. Hier steht – nicht minder köstlich – »Paleta de bellota« vom Vorderschinken auf der Karte. Chorizo und Lomo sind auch vorrätig. Der Rest ist eine Art »Best-of« vom »Paco«. Überaus gute »Boquerones en vinagra« – marinierte Anchovis aus Kantabrien sauer mariniert. Patatas bravas schön scharf, Gambas al ajillo, saftiges »Secreto« – sprich Filet – vom iberischen Schwein vom Grill. In dieser windigen Ecke Wiens ist das »Paco Ribeira« eine der wenigen Oasen für zivilisierten Genuss.