SAINT FARAH
Man spürt, wenn ein Koch dort ankommt, wo seine Teller hinwollten: weg von fremden Konzepten, hin zu einer Küche aus Bauchgefühl, Erinnerungen und Eigenakzenten. Bei Nadav Kundel ist dies der Fall. Nach Jahren in Berlins Nachtgastronomie kocht er in seinem ersten eigenen Laden »Saint Farah« so, wie er selbst isst, denkt und träumt. Gemeinsam mit seinem Cousin Gil Azrielan hat der Küchenchef ein zeitgeistiges Restaurant geschaffen. Der Einfluss der Orte, die ihn geprägt haben – Tel Aviv, Berlin, ein bisschen London – ist spürbar, doch nie als Kopie. Vielmehr als Verdichtung: einfach nur lecker die dreifach frittierten Fries in Sambal-Buttersauce. Die Mezze setzen einen klaren, modernen Ton: Minigurken in Parmesan-Miso-Caesar mit Zitrus und Chili-Samen-Crumble. Ein leicht fermentierter Kohlrabi mit Haselnussmilch-Vinaigrette, eine vegane Pilz-Paté, die mit Umami-Wellen auftrumpft. Besonders gelungen. »Farahs gegrillter Mangold« – die zeitgenössische Variation eines Gerichts seiner Großmutter mit Lammhack im Mangoldblatt, gegrillt wie Bun Cha und serviert mit Rote-Bete-Ketchup. Genau in diesem Zusammenspiel aus Erinnerung und Gegenwart liegt die Kraft des Saint Farah. Auch die Hauptgerichte – von Miesmuscheln auf Pitabrot und im dichten Fond aus Reiswein, Butter, Speck und Chili-Crisp bis hin zu Pilzen in Ajo-Blanco-Sauce mit Sumach – tragen diese Handschrift: warm, modern, selbstbewusst. Das Saint Farah ist kein weiterer Levante-Abklatsch mit Großmutter-Legende, sondern das erste wirklich eigene Kapitel eines Kochs, der lange für andere arbeitete. Nun, da er sich selbst treu ist, wirkt alles wie selbstverständlich.