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Beim traditionellen Törggelen werden hauptsächlich regionale Spezialitäten und hausgemachte Kost aufgetischt.

Beim traditionellen Törggelen werden hauptsächlich regionale Spezialitäten und hausgemachte Kost aufgetischt.
© IDM Südtirol-Alto Adige

Das Törggelen: Wie ein uralter Brauch den Südtiroler Herbst zum Fest macht

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Herbst
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Heurigen

Wenn im Herbst die Trauben gepresst und die Kastanien reif sind, beginnt in Südtirol eine besondere Zeit: das Törggelen. Der jahrhundertealte Brauch lädt Einheimische und Gäste in Buschenschänke und Bauernhöfe ein. Doch was macht seinen Reiz aus?

Was genau bei einem »echten« Törggelen angeboten und aufgetischt gehört, ist in Südtirol ein viel besprochenes Thema. Karin Kofler Frei interessiert die Frage indessen überhaupt nicht: »Echt oder ›falsch‹ und was da genau serviert wird, ist doch völlig egal«, sagt die Bäuerin. »Wichtig ist beim Törggelen nur eins: nämlich die Geselligkeit.« Kofler Frei ist Bäuerin am sogenannten »Bauer am Stein«, einem Südtiroler Bauernhof in der Ortschaft Völlan auf 600 Meter Höhe, hoch über der Marktgemeinde Lana gelegen und im gesamten Etschtal bekannt als eine der beliebtesten Destinationen zum Törggelen.

Darunter versteht man die Südtiroler Tradition alle ­Jahre zur Herbstzeit, wenn die Kastanien reif und die ­Trauben gepresst sind, auf das eine oder andere Glas des noch jungen beziehungsweise noch nicht einmal durch­gegorenen Weins in den Höfen der Region einzukehren. ­Seinen Namen bezieht das Törggelen von der Weinpresse, die im lokalen Dialekt »Torggl« genannt wird, was wiederum vom Lateinischen »torculus« abstammt. Damit sind wir auch schon beim Ursprung des Brauchs, der einst in den Weinkellereien rund um die Weinpresse stattfand.

Essen im Zauber der Geselligkeit

Genau wie in allen anderen Gebieten der Habsburgermonarchie erfuhr das Brauchtum im Jahr 1784 eine Art Formalisierung, als Kaiser Joseph II. ein Dekret erließ, das es den Winzern ganz offiziell gestattete, ihren eigenen Wein und Traubensaft direkt an Gäste zu verkaufen. ­Damit war der Grundstein gelegt für das, was man in ­Österreich meist »Heuriger« und in Südtirol »Buschenschank« oder »Hofschank« nennt.

»Ursprünglich gab es beim Törggelen nur die gerösteten Kastanien und dazu ›Suser‹ und ›Nuier‹«, sagt Kofler Frei. Die letzten beiden Begriffe stehen für Süßmost und für teilweise gegorenen Traubenmost, der in Österreich als »Sturm« und in Teilen Deutschlands als »Federweißer« bekannt ist. Später habe sich vor ­allem das Speisenangebot deutlich ausgeweitet, meint die Bäuerin – und so werde heutzutage ein gesamtes, durchaus herzhaftes Menü serviert.

»Zum Einstieg gibt es eine Suppe, bei uns allerdings gleich drei verschiedene zur Auswahl, nämlich eine aus gerösteten Kastanien, eine Kürbis- und eine sogenannte Saure Suppe aus Rindermagen. Dazu hausgebackenes Brot, das mein Schwiegervater im Holzofen bäckt«, erzählt Kofler Frei. Speisekarten gibt’s beim Törggelen keine – gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Wobei wichtig sei, betont die Wirtin, dass das alles in Töpfen und auf Platten serviert werde, und nicht in einzelnen Portionen – sonst wäre der Zauber der Geselligkeit dahin.

Aus Kofler Freis Küche schaut man durchs Fenster in Richtung Berghang. Vom Gastraum und der Terrasse aus eröffnet sich ­indessen ein schwindelerregender Blick in die andere Richtung – über Weinberge und Kirchtürme, über das gesamte Etschtal, die Ortschaft Lana und die Kurstadt Meran bis hin zu den Sarntaler Alpen. An der Wand hängt prominent eine Urkunde, auf der zu lesen ist, dass Karin Kofler Frei im Jahr 2023 zur »Südtiroler Bäuerin des Jahres« ernannt wurde.

Vergeben wird die Auszeichnung vom Landesbäuerinnenrat des Südtiroler Bauernbunds an Frauen, die »die Landwirtschaft des Hofs aktiv und innovativ mitgestalten«. Der Titel bescherte der gelernten Kindergärtnerin Präsenz in den regionalen Medien und dem Hof Bekanntheit in ganz Südtirol.

Kofler Frei will aber lieber über das Törggelen-Menü sprechen: »Nach den Suppen gibt’s dann die Schlachtplatte – die besteht bei uns aus Sauerkraut, das wir selbst einmachen, Knödeln und allerhand frischem und geselchtem Schweinefleisch sowie Würsten, die wir alle hier am Hof erzeugen«, erklärt die Wirtin. Fix dabei sind auch die »Tirtlen«, ein lokales, meistens gefülltes Schmalzgebäck aus ­Weizen- und Roggenmehl, sowie »Erdäpfelblattlen«, die gleichfalls frittiert werden, jedoch nicht gefüllt sind und aus Kartoffelteig bestehen. Danach gibt’s diverse Südtiroler Krapfen mit hausgemachter Marmelade – und ganz zum Schluss auch noch die Kastanien.

Kostbares aus eigener Produktion

Ähnlich verhält es sich auch am »Rauthof« der Familie Fieg auf der anderen Seite des Talkessels, in ähnlicher Höhe und ebenfalls mit umwerfendem Ausblick. Im Unterschied zu den üblichen geräucherten beziehungsweise geselchten Schweinefleischprodukten wie Kamin­wurzen, Hauswurst und Speck wird hier auch einiges angeboten, das man eher mit südlicheren Gefilden in Verbindung bringt: Luftgetrocknetes (also nicht Geräuchertes) wie ­Salami, Soppressa (eine Art Salami mit gröberem Brät), Lardo und Coppa sowie Cotechino, eine Schwartenwurst, die lange gekocht werden muss.

»Das kommt daher, dass schon mein Großvater sehr gute Beziehungen zu den italienischsprachigen Zuwanderern hatte, die sich in den 20er-Jahren im Dorf Sinich ansiedelten«, erzählt Martina Fieg. »Er handelte mit ihnen, tauschte etwa Schnaps gegen Salami und Ähnliches – bis sie ihn schließlich einluden, beim Schlachten und Verwursten des Schweins mitzumachen. Später hat sich mein Vater noch intensiver mit der Veredelungskultur der Italiener beschäftigt und sie nach eigenem Geschmack leicht ver­ändert. Seitdem erzeugen wir auch diese Spezialitäten.«

Die Gäste schätzten es jedenfalls sehr, sagt Fieg, dass man am »Rauthof« zu Blauburgunder, Gewürz­traminer, Goldmuskateller, Lagrein und Vernatsch auch die im Keller luftgetrockneten italienischen Salumi genießen kann.

Auch Obst und Gemüse wird am »Rauthof« angebaut – Birnen, Äpfel, Heidel- und Johannisbeeren, ­Marillen, Pfirsiche, Quitten und Zwetschgen für Marme­laden, Säfte und Sirupe; dazu Rotkraut, Chilischoten, Karotten, Kartoffeln, Kürbis, Lauch, Melan­zani, Salat, Tomaten, Zucchini, Zwiebeln und Weißkohl für das eigene Sauerkraut. Und natürlich ­Kastanien.

»Als Buschenschank dürfen wir sechs Monate im Jahr offen halten«, sagt Martina Fieg, »die teilen wir auf drei Monate im Frühjahr und drei im Herbst zum ­Törggelen auf.« Normalerweise beginne die Zeit des Törggelens Anfang Oktober, aber da heißt es, flexibel zu sein, denn bisweilen ist der Wein noch nicht fertig oder seien die Kastanien noch nicht reif.

Auch unten im Tal wird das Törggelen zelebriert. Eine etwas unkonventionelle, aber nichtsdestoweniger äußerst beliebte Variante veranstaltet das Lokal »Pfefferlechner Buschenschank und Hausbrauerei« im Zentrum von Lana. »Eine Buschenschank sind wir in Wahrheit heute nicht mehr«, gesteht Juniorchef Max Laimer, »aber unser Törggelen war von jeher sehr beliebt, die Tradition hat sich bewahrt und im Herbst kommen Gäste von überall her, darunter auch viele Firmen aus Lana, Meran und Umgebung, die hier feiern.«

Hauptattraktion des Lokals ist erwartungsgemäß das exzellente, vor Ort gebraute und dementsprechend frische Bier, aber auch die rustikal eingerichteten Stuben und der von Bäumen beschattete ­Garten. In einer Schauküche werden die Knödel gerollt und die Schlachtplatten angerichtet. Gäbe es da nicht den Wein, der nach wie vor von der Familie angebaut, gekeltert und im Herbst hier als »Suser« und »Nuier« ausgeschenkt wird, wäre das »Pfefferlechner« wohl einfach ein Braulokal mit Biergarten und keine Südtiroler Buschenschank mit Törggelen. Doch das scheint die zahlreichen Gäste nicht zu kümmern. Vermutlich sind auch sie – genau wie Karin Kofler Frei vom »Bauer am Stein« – der Auffassung, dass das Wichtigste beim Törggelen etwas anderes ist: nämlich die Geselligkeit

 

Best-of Törggelen

Hotel-Tipps

Das Wanda (1)
Ein stilvolles Boutiquehotel für Erwachsene, das mit viel Liebe zum Detail geführt wird. Mit nur zwölf Suiten und sechs Apartments bietet das Haus eine persönliche, entspannte Atmosphäre – ergänzt durch ein serviertes Frühstück mit regionalen Produkten, einem mediterranen Garten mit Pool sowie einem kleinen, feinen Spa-Bereich. Ein Rückzugsort für alle, die Ruhe, Stil und Authentizität schätzen.
das-wanda.com

Naturhotel Saalerwirt (2)
Natur- und Yogahotel in idyllischer Alleinlage. Es bietet ein modernes Badehaus mit Naturpool, tägliche Yogastunden mit Panoramablick und eine nachhaltige regionale Küche. Der Fokus liegt auf Achtsamkeit, Entschleunigung und naturnaher Erholung – ideal für Gäste, die Körper und Geist in Einklang bringen möchten.
saalerwirt.com

Hotel Bad Ratzes (3)
Malerisch im Natur­park Schlern-Rosengarten gelegen blickt das Haus auf eine lange Geschichte als Kurstätte mit heilenden Quellen zurück. Heute kombiniert das Hotel moderne Wellnessangebote, kreative regionale Küche und ein vielfältiges Kultur­programm mit herzlicher Familienfreundlichkeit. Die besondere Verbindung von Natur, Geschichte und gelebter Gastfreundschaft macht das »Bad Ratzes« perfekt für eine erholsame Aus­zeit.
badratzes.it

Buschenschänken

Bauer am Stein (1)
Stattlicher Hof in spektakulärer Lage mit schwindelerregender Terrasse und tollem Ausblick. Karin Kofler Frei war »Südtiroler Bäuerin des Jahres 2023« und ist spezialisiert auf Gerichte mit Ziegenfleisch aus hauseigener Zucht.

Rauthof (2)
Buschenschank hoch über Meran mit spektakulärem Blick über das gesamte Tal. Familie Fieg erzeugt erstklassige Wurst- und Schinkenwaren, darunter Geräuchertes wie Speck und Kaminwurzen genauso wie ­italienisch anmutendes Luftgetrocknetes wie Salami und Lardo.

Pfefferlechner Buschenschank und Hausbrauerei (3)
Imposanter Betrieb im Zentrum von Lana mit verwinkelten Stuben, weitläufigem Gastgarten und hauseigenem Bier. Im Herbst wird zum Törggelen auch Wein aus eigener Erzeugung ausgeschenkt. Kinder freuen sich über Spielplätze und den Streichelzoo.
pfefferlechner.it

Weingut Röck (4)
In der urigen Bauernstube des Weinguts »Röck« wird Törggelen nach alter Familientradition zelebriert: mit haus­gemachten Klassikern wie Erdäpfelblattlen, Schlutzkrapfen und geräucherter Hauswurst. Dazu fließen Naturwein und selbst Gebrannter; authentischer geht’s kaum. Tipp: veganes oder vegetarisches Törggelen-Menü auf Vorbestellung!
roeck.bz

Winklerhof (5)
Törggelen wird hier seit Jahrhunderten gelebt – mit hausgemachten Spezialitäten, hofeigenem Wein und frischem Speck aus eigener Produktion. Wer das Eisacktal authentisch erleben möchte, genießt hier nicht nur kulinarische Vielfalt, sondern auch malerische Wanderwege direkt zum Hof.
winklerhof.eu

Glangerhof (6)
Ein über 600 Jahre altes Bauernhaus hoch über dem Eisacktal auf 1.000 Metern, mit urigen Stuben, Panoramaterrasse und lebendiger Gastlichkeit. Hier genießt man traditionelle Spezialitäten und selbst gemachte Weine. Wer möchte, kann im hofeigenen Museum sogar in die Geschichte des Hauses und der Region eintauchen – authentisch, familiär und mit Blick auf die Dolomiten.
glangerhof.com

Buschenschank »Pfefferlechner« – Seinen Durst löschen kann man hier mit hauseigenem Bier.
Foto bereitgestellt
Buschenschank »Pfefferlechner« – Seinen Durst löschen kann man hier mit hauseigenem Bier.

 

Georges Desrues
Autor
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