Südtirol traditionell: Familienhotels mit Geschichte
Kaum eine andere Region Europas verbindet landschaftliche Schönheit mit herzlicher Gastgeberkultur so wie Südtirol. Die hohe Kunst des Willkommens zeigt sich in kleinen Strukturen, familiär geführten Häusern und einer tief verwurzelten Tradition im Hotelwesen.
Marling ist der Name einer 3000-Einwohner-Gemeinde, malerisch an einem Hang über Meran gelegen und mit atemberaubendem Ausblick über die Stadt, das Etschtal und die Sarntaler Alpen. Im Herzen des Ortes steht seit dem fernen Jahr 1496 das heutige »Romantik Hotel Oberwirt«. »Eine Herberge war das Haus von Anfang an. Um 1600 taucht erstmals der Name ›Oberwirt‹ auf – zur Unterscheidung von einem tiefer gelegenen Gasthaus, dem ›Unterwirt‹«, erklärt Josef Waldner, dessen Familie den Betrieb seit 1749 führt.
Spätestens seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert ist Meran ein Anziehungspunkt für Reisende – vor allem für jene, die die damaligen Handelsrouten nutzten, um die Alpen zu überqueren. Einen bedeutenden Aufschwung erlebte die Region Mitte des 19. Jahrhunderts, als Meran zum Kurort wurde und die feine Gesellschaft aus ganz Europa anreiste.
Unter ihnen war auch die österreichische Kaiserin Elisabeth, die hier regelmäßig die Wintermonate verbrachte und der Stadt an der sonnigen Südseite der Alpen mit ihrem milden Klima zu Weltruhm verhalf. Grandhotels eröffneten, Aristokraten und reiche Kaufleute bauten elegante Villen – gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte die Region zu den beliebtesten Feriendestinationen Europas. »Es heißt, dass Kaiserin Sisi Stammgästin im ›Oberwirt‹ war und bei ihren Besuchen ihren Kaffee aus Wien mitbringen ließ. Denn der war damals ein Luxusgut und in Südtirol nicht erhältlich«, erzählt Waldner.
Inzwischen wird das Hotel zwar von seiner Tochter Barbara geleitet, doch zur Hand geht ihr der 75-jährige, groß gewachsene und rüstige Seniorchef nach wie vor. Dabei nimmt er sich aber auch immer mehr Zeit für seine Hobbys, zu denen das Züchten von Rosen und von Haflingerpferden zählt. Ganz nebenbei hat Waldner auch noch ein Weingut namens Eichenstein gegründet.
»In Marling baut meine Familie bereits seit 350 Jahren Wein an, im Jahr 2007 kam dann die Lage in Eichenstein auf 600 Höhenmetern und auf der anderen Seite des Tals dazu«, erzählt der Seniorchef, während er den Wagen über steile Straßen vorbei an der pittoresken Burg Katzenstein und durch dichte Wälder steuert.
Schließlich gelangt man auf eine Lichtung, zu einem puristisch und modern gestalteten Weingut. Gemeinsam mit dem Önologen Martin Pollinger produziert der Hotelier hier Chardonnay, Sauvignon, Riesling, Pinot und Vernatsch; das Ganze in sensationeller Lage und mit gewaltigem Ausblick – diesmal aus der anderen Richtung auf das Etschtal und auf Waldners Heimatort Marling. Dorthin geht es, mit einigen geöffneten Flaschen im Gepäck, zurück zum Mittagessen ins Restaurant des »Oberwirts«.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt, eingebettet zwischen Apfelplantagen, Weingärten, Zypressen und Palmen, das Fünf-Sterne-Resort »La Maiena«. Es fällt durch sein modernes Design, große Fensterfronten und seine mächtige Lobby auf: Vom rustikal-eleganten und intimen Ambiente des »Oberwirts« hebt man sich hier deutlich ab.
Geführt wird der Betrieb von Mathias Waldner, einem Neffen Sepp Waldners. »Im Jahr 1964 eröffnete mein Großvater Franz an dieser Stelle ein Restaurant mit Weinstube und angesagtem Nachtlokal, das Gäste aus ganz Südtirol und darüber hinaus anzog«, erzählt Mathias. »Als er dann den ›Oberwirt‹ an meinen Onkel Sepp übergab, übernahm mein Vater Hans das Lokal, das damals noch nach seiner Lage ›Nörder‹ hieß, und baute es zu einem Hotel aus.«
Im Jahr 2008 änderte man den Namen in »La Maiena«, der sich von einem alten Namen für Meran ableitet und deutlich südländischer und obendrein etwas freundlicher klingt als »Nörder«. Nach umfassenden Umbauarbeiten im Vorjahr zählt das 72-Zimmer-Haus heute zu den bedeutendsten Resorthotels in Südtirol – mit großzügigem Wellnessbereich, mehreren Indoor-, Outdoor- und Whirlpools, weitläufigen Ruheräumen und Sonnenterrassen und stets mit fantastischem Ausblick auf das Bergpanorama, die Stadt Meran und ihre prachtvolle historische Pferderennbahn.
Familienstarke Genießerhotels
Nur wenige Autominuten südlich von Marling liegt am Eingang zum Ultental das beschauliche Städtchen Lana. Hier eröffnete im Jahr 1980 Sieglinde Dissertori zwischen Weinreben, einem plätschernden Bach und der Kirche Heilig Kreuz das »Hotel Schwarzschmied«. Die Architektur ist gleichermaßen modern wie nüchtern, das Gebäude diskret eingebettet in seine Umgebung, sein Innenleben elegant, schlicht und sonnendurchflutet.
Zwölf Jahre ist es nun her, dass Sieglindes Sohn, der studierte Betriebswirt Klaus, seinen Job bei einer Hotelberatungsfirma kündigte und nach Lana zurückkehrte, um gemeinsam mit seiner Mutter den Betrieb zu führen. »Zuerst haben wir sukzessive vergrößert, die Zimmeranzahl von 25 auf 70 erhöht und dabei einen starken Fokus auf die Themen Gesundheit, Yoga und Nachhaltigkeit gerichtet«, erzählt Klaus Dissertori.
Einige Jahre später wurde dann eine dem Hotel gegenüberliegende Villa mit riesigem Gemüsegarten erworben und gleichfalls in ein Hotel, die exklusive »Villa Arnica«, mit zehn Zimmern umgestaltet. »Hier setzen wir etwas weniger auf Wellness und mehr auf nachhaltige Kulinarik«, sagt Dissertori – »verarbeitet wird ausschließlich Gemüse aus dem Hausgarten, und dazu Fleisch von Wild, das wir selbst jagen.«
Im Jahr 2017 hat man dann ein weiteres Haus in Lana eröffnet: das einige Hundert Meter weiter und mitten im Ortszentrum gelegene »1477 Reichhalter«, dessen Geschichte bis ins namensgebende Jahr 1477 zurückreicht. »In erster Linie ging es uns darum, den Dorfwirtshaus-Charakter des Lokals zu erhalten«, erklärt Dissertori, »also möglichst wenig zu verändern und vieles – wie den Charakter der Gaststuben mit den hölzernen Wandtäfelungen und Fußböden – zu bewahren.«
Außerdem wurde das Gebäude um eine Etage aufgestockt, um acht puristisch designte Fremdenzimmer zu schaffen, die dem Charakter des Hauses entsprechen. Die Rechnung ging auf: Schon beim Frühstück mischen sich in den Gaststuben Hotelgäste mit Einheimischen.
In der gehobenen Gastronomie des Vinschgaus gilt indessen das »Kuppelrain« als feste Größe: Seit 1988 empfangen Sonya Egger und Jörg Trafoier ihre Gäste in Kastelbell – mit feinsinniger Küche, warmherziger Gastlichkeit und einem Ort, der ebenso Charakter hat wie seine Gastgeber. Ein beliebtes Gasthaus war das von charmant gepflegten Gärten und Blumenbeeten umgebene Haus nahe dem kleinen Bahnhof schon zur Zeit der Donaumonarchie. Im Jahr 2001 erkochte sich Senior Jörg Trafoier erstmals einen Michelin-Stern. Inzwischen hat er sich aus der Küche zurückgezogen und das Zepter an Sohn Kevin übergeben.
Seitdem ist es dem Junior gelungen, den Stern jedes Jahr aufs Neue zu verteidigen, was angesichts der Präzision und der Fantasie, die er an den Tag legt, auch kaum verwundert. Wundervoll stimmig geraten etwa die knackigen Dinkel-Tortelli mit Auberginen, Paprikacreme und getrockneten Oliven; aber auch das zart geschmorte Lamm, das mit Spargel, Mangold, Wiesenkräutern und einem gleichermaßen delikaten wie entschlossen gewürzten Fond daherkommt. Für die Desserts ist Kevins Schwester Nathalie verantwortlich – so kunstvoll gestaltet sind die Pralinen, Fondants, Cremen und Törtchen der jungen Konditorin, das sie sich selbst in den Vitrinen Pariser Nobelpatisserien nicht zu verstecken bräuchten.
Zählt man nun auch noch die ausgezeichneten Weinempfehlungen von Mutter Sonya dazu, entsteht ein Gesamterlebnis, das weit über die kulinarische Qualität hinausreicht – sodass man sich als Gast im »Kuppelrain« beinahe wie ein Teil der Familie fühlt.
Die besten Adressen mit Family Power
Romantik Hotel Oberwirt (1)
Traditionshaus im eleganten Rustikal-Stil im Ortszentrum von Marling bei Meran mit vollständigem Wellnessbereich, äußerst empfehlenswertem Restaurant, top sortiertem Weinkeller und vielen Stammgästen.
oberwirt.com
Weingut Eichenstein (2)
Angesehenes und modern gestyltes Weingut in Bestlage und mit gewaltigem Ausblick, das von der »Oberwirt«-Familie Waldner betrieben wird. Angeschlossen sind zwei äußerst komfortable Chalets, die man mieten kann.
weingut.eichenstein.it
La Maiena (3)
Großes und modernes Fünf-Sterne-Hotel in toller Lage hoch über Meran; mit Garten, mehreren Pools und einem eindrucksvollen Wellnessbereich, der keine Wünsche offen lässt.
lamaiena.it
Hotel Schwarzschmied (4)
Modern und elegant designtes Vier-Sterne-Superior-Hotel mit besonders ausgearbeitetem Wellness-, Yoga- und Gesundheitsangebot; zwischen Weinreben und unweit des Ortszentrums von Lana gelegen.
schwarzschmied.com
Villa Arnica (5)
Exklusives Boutique-Retreat in einer Villa aus den 1920er-Jahren inmitten eines 3.000 Quadratmeter großen Gartens.
villaarnica.it
Trattoria Flora (6)
Atmosphärisches Restaurant in einem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert in Merans Laubengasse. Bis zum Jahr 1800 diente der Bau als Gefängnis – heute regiert der Genuss: von herrlicher hausgemachter Pasta und ebensolchen Gnocchi bis hin zu gegrilltem Oktopus.
trattoriaflora.it
1477 Reichhalter (7)
Äußerst ansprechendes Boutiquehotel ohne Kitsch und Überfluss im Ortszentrum von Lana. Angeschlossen ist ein sympathisches Dorfgasthaus mit stimmungsvollen Gaststuben, freundlichem Service und exzellenter Küche.
1477reichhalter.com
Restaurant Kuppelrain (8)
Hübsches, von der gesamten Familie Egger-Trafoier mit viel Liebe und Leidenschaft gestaltetes, dekoriertes und geführtes Haus: Vater Jörg kümmert sich um den Empfang, Mutter Sonya um die Weinbegleitung, Sohn Kevin ist Küchenchef und Tochter Katharina Patissière.
kuppelrain.com/it/ristorante