Droht bald ein Mindestaufenthalt für Urlaube mit dem Flugzeug?
Um Massentourismus entgegenzuwirken, fährt die Reiseagentur »Evaneos« eine neue Strategie: Sie bietet keine Städtetrips per Flugzeug mehr unter 5 Tage an.
Schnell mal nach Paris, zwei Nächte Barcelona oder ein Wochenend-Trip nach Athen? Was lange Zeit als charmante Auszeit vom Alltag galt, gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der Klimadebatte. Denn feststeht: Tourismus ist ein schwerwiegender Faktor in der Klimabilanz. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 im Fachmagazin Nature verursacht der weltweite Tourismus inzwischen fast neun Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen, Tendenz steigend.
Während viele Anbieter also mit Last-Minute-Deals und lukrativen Kurztrips werben, wagt eine französische Reiseagentur ein anderes Vorgehen – und stellt kurzerhand neue Spielregeln für Urlauber auf. »Evaneos« heißt der Vorreiter, der das Reisen zwar nicht ganz verbietet, aber zumindest ausdehnt: Städtetrips per Flugzeug unter fünf Tagen sind ab sofort gestrichen. Ziel ist es, dem Massentourismus entgegenzuwirken.
»Überall, wo zu viele Menschen unterwegs sind, verschlechtert sich die Lebensqualität für die Einheimischen – und damit auch das touristische Erlebnis«, erklärt Laurent de Chorivit, Co-CEO von »Evaneos«.
Klasse statt Masse?
Die Annahme hinter der Idee ist, dass Menschen, die länger bleiben, bewusster und seltener reisen. Durch die Mindestaufenthaltsregel soll die Zahl der kurzen und häufigen Trips reduziert werden, was nicht nur den CO₂-Ausstoß pro Reisetag senkt, sondern auch die ständige Fluktuation in beliebten Städten eindämmt. Weniger Check-ins, weniger Airport-Transfers, weniger Gedränge am Fotospot.
Und noch ein positiver Nebeneffekt soll dadurch entstehen: Längere Reisen ermöglichen es, nicht nur eine Stadt, sondern gleich eine ganze Region zu erkunden. Wer nicht nur zwei Tage in Amsterdam verbringt, sondern fünf oder mehr, hat vielleicht auch Luft für einen Abstecher nach Utrecht oder Rotterdam – Städte, die viel zu bieten haben, aber im Schatten der klassischen Touristenmagneten stehen. So kann der Besucherfluss entzerrt und der Druck auf überlastete Hotspots gezielt reduziert werden.
Kein Angebot für beliebte Ziele
Der Übertourismus ist kein neues Phänomen – aber eines, das zunehmend Druck auf die beliebtesten Reiseziele ausübt. »Evaneos« veröffentlichte 2024 erstmals einen eigenen Übertourismus-Index, der besonders betroffene Orte auflistet. Griechenland landet wenig überraschend auf Platz sechs. Deswegen wird Mykonos und Santorini von der Agentur in der Hochsaison Juli und August komplett aus dem Programm genommen.
Stattdessen werden alternative Ziele auf den Kykladen beworben – weniger überlaufen, mindestens genauso charmant. Und auch wenn Mallorca und Kreta nicht explizit im Index auftauchen, ist klar, dass die Hotspots längst unter Beobachtung stehen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner Mallorcas sprechen sich ohnehin seit Jahren offen für eine Tourismusbegrenzung aus.
Vorreiter auf Alleingang
Es soll nicht ums Verbieten, sondern ums Verändern und Umdenken gehen. »Evaneos« ist bislang die einzige Agentur, die selbstständig Regeln für Mindestaufenthalte aufstellt – andere Anbieter zögern noch, Politik und Gesetzgeber ohnehin. Aber der Druck wächst. Und mit ihm die Erwartung, dass Reisen nicht nur schön, sondern auch sinnvoll gestaltet wird. Die Frage bleibt also, ob Anbieter in anderen Ländern wie Deutschland oder Österreich irgendwann nachziehen.
In der Zwischenzeit dürfen sich die Kurzurlauber selbst fragen, ob sie den nächsten Trip gegebenenfalls in die Länge ziehen wollen. Denn seien wir ehrlich: Wer hat je gesagt, dass man Paris an einem Wochenende erlebt hat?