Willkommen an Bord: Das wird den 1%-Reisenden in Privatjets serviert
Für die Ultra-Vermögenden zählt der Privatjet zu ihrem gängigen Fortbewegungsmittel, wenn es ums Reisen geht. Doch was wird eigentlich auf 12.000 Metern Höhe serviert?
Während die meisten Flugreisenden an lauwarmen Pastaoptionen und Mini-Snacks gewöhnt sind, zeigt sich im Privatjet ein anderes Bild. Über den Wolken findet an Bord regelrecht ein kulinarischer Höhenflug statt. Obwohl die Zielgruppe begrenzt ist, ist die Branche nicht zu unterschätzen. Der weltweite Markt für hochwertiges In-Flight-Catering lag 2023 bei über 20 Milliarden Dollar und soll bis 2030 auf rund 27 Milliarden wachsen. Nun stellt sich die Frage, was trotz begrenzter Bordküchen und technischer Herausforderungen den Passagieren neben dem obligatorischen Glas Champagner serviert wird.
Ein Rundflug durch die Privatjet-Küchen
Der rote Faden der Branche lautet: Menüs sollen die Destination spürbar machen. Reiseanbieter »Safrans du Monde« setzt beispielsweise auf das sogenannte »Air Cruises«-Konzept: fliegende Rundreisen über mehrere Kontinente. Spitzenkoch Paul Caussé entwickelt dafür vier verschiedene Menüs pro Flug, darunter Fusion-Gerichte, die Abflug- und Ankunftsland verbinden. Der Anspruch: technische Sorgfalt und gleichzeitig genug Flexibilität, um auf Reiserouten und Zutaten einzugehen.
»TCS World Travel« widmet sich ebenfalls lokalen Zutaten – selbst dann, wenn diese aus abgelegenen Regionen stammen. Das ist logistisch anspruchsvoll, aber für viele der Gäste ein zentrales Qualitätsmerkmal. Trotz aller Finesse haben die Bordmenüs des Anbieters immer auch eine bodenständige Komponente. »TCS« setzt bewusst auf eine Mischung aus Champagner und Kaviar und einfachen Gerichten wie Grilled Cheese – Hauptsache, die Gäste fühlen sich an Bord wohl.
Den Sternen-(Küchen) nah
»VistaJet« geht einen anderen Weg und arbeitet mit renommierten Restaurantmarken wie »Beefbar« zusammen. Wer in Paris, Mailand oder Nizza startet, bekommt Signature-Gerichte serviert, für die man am Boden lange Wartezeiten in Kauf nehmen müsste.
In den USA kooperiert der Charter-Service »Schubach Aviation« mit dem Restaurant »Waverly«, um Gerichte zu schaffen, die den physikalischen Bedingungen an Bord angepasst sind.
Wellness trotz Höhenmeter
Ein wachsender Teil des Marktes beschäftigt sich nicht nur mit Genuss, sondern ebenfalls mit Gesundheit. »Latitude 33 Aviation« arbeitet zum Beispiel mit dem berühmten »Golden Door«-Resort zusammen. Neben Hautpflegekits an Bord erhalten Gäste Menüs, die auf entzündungshemmende Zutaten setzen – als Gegenmaßnahme zu den Belastungen des Fliegens wie Druckunterschiede oder Wassereinlagerungen.
Auch »Aero« in Los Angeles zeigt, wie sich Luxus mit Lifestyle verbinden lässt. Statt opulenter Klassiker gibt es saisonale Gerichte in Zusammenarbeit mit dem Bio-Kultsupermarkt »Erewhon«, dem besonders Stars und Gesundheitsfanatiker verfallen sind. Das Konzept stellt somit gesunde Leichtigkeit statt Überfluss in den Vordergrund, die perfekt auf die Zielgruppe aus Hollywood abgestimmt ist.
Die Privatjet-Gastronomie beweist, dass Menüs längst kein Beiwerk sind, sondern Bestandteil des Gesamterlebnisses – und Ausdruck einer wachsenden Nachfrage nach Qualität, Regionalität und Individualisierung.