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André Fu im »Waldorf Astoria Osaka«

André Fu im »Waldorf Astoria Osaka«
© Yutaro Yamaguchi

»Luxus bedeutet auch Komfort« – Stararchitekt André Fu im Interview

Reise
Interview
Japan

André Fu ist in der Hotellerie gefragter denn je. Seine Kreationen verbinden gekonnt Luxus mit entspannter Leichtigkeit, wie er es einmal mehr beim neuen Prestigeprojekt »Waldorf Astoria Osaka« beweist. Woher er seine Inspiration schöpft und warum ihn gerade die Wiener Kaffeehauskultur so fasziniert, verrät er im Gespräch mit Falstaff TRAVEL.

André Fu ist aktuell wohl einer der gefragtesten Interior-Designer und Architekten im asiatischen Raum. In Hongkong geboren, zog er mit 14 nach England, wo er Architektur an der University of Cambridge studierte, bevor er zurück nach Hongkong zog und sein Architektur- und Designstudio eröffnete. Neben dem »Capella Taipei« ist das im April eröffnete »Waldorf Astoria Osaka« eines seiner neuesten und spektakulärsten Projekte. Als erstes »Waldorf Astoria« in Japan zollt das Hotel dem ersten Haus der Marke in New York Tribut und präsentiert sich als gekonnter Mix aus japanischem Stil und Art-Déco-Design. Vom Konzept der einzelnen Räumlichkeiten bis zur Playlist im Café - hier steckt Fus Herzblut in jedem noch so kleinen Detail.

© Yutaro Yamaguchi

Was waren die Vision und das Konzept hinter diesem Projekt?

André Fu: Authentizität ist das A und O eines guten Designs. Aus der Geschichte von »Waldorf Astoria« findet man eine enge Verbindung zum Art-Déco-Stil. Man stelle sich nur das originale »Waldorf Astoria« in New York vor. Deshalb war es sehr wichtig für mich, dass ich hier eine authentische Verbindung herstellen kann und Art-Déco durch eine japanische Linse kreiere. Osaka ist dabei eine interessante Location. Hier findet man auf der einen Seite das Urbane, wie man es aus Tokio kennt – auf der anderen Seite ist man so schnell an Orten, die natürliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Diese Dualität macht die Stadt zu einer einzigartigen Destination und war perfekt für das Konzept. Es finden sich auch heute noch einige Häuser im Stil der 1920er und 1930er Jahre, und diese habe ich als Vorbild für diesen Stilmix genommen.

Wie würden Sie den Stil des Hotels beschreiben?

Gelassen, mutig, aber auch luxuriös. Man soll sich hier wie zu Hause und zu nichts gezwungen fühlen. Gäste gehen auf eine Reise - vom quirligen Urbanen in der »Peacock Alley« in die Ruhe der eigenen Suite.

Was ist Ihr Lieblingsort hier im Hotel?

(lacht) Kann ich auch zwei haben? »The Lantern« ist so ein starkes Konzept. Nach dem langen Gang der Arkade an einen perfekt symmetrischen, runden Ort zu kommen, bevor man in seiner eigenen Suite eine ganz andere Welt betritt.

Der zweite Ort ist die »Canes & Tales Bar«. Das Konzept ist weit weg von meinen üblichen Designs. Verspielt und eklektisch, symbolisiert es Osaka aus meiner Perspektive. Man findet in der Bar auch drei historische Karten der Stadt, die wir auf klassische Fliesen gedruckt haben.

©Hilton 2025

Zwei Orte, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Genau das macht das Haus aus. Es ist nicht von Kopf bis Fuß einheitlich und langweilig, es hat verschiedene Charakterzüge, die es zu etwas Besonderem machen.

Da fällt mir ein, eigentlich habe ich noch einen dritten Lieblingsort – »Peacock Alley«, das Café, in dem wir gerade sitzen. Es ist gemütlich und wirkt fast wie ein Wohnzimmer, in dem man sich wohl fühlen soll. Man ist hier und genießt die Sonne und die Aussicht und es ist fast wie in Österreich. Ich war letzten Winter das erste Mal in Wien und war so fasziniert von euren Kaffeehäusern. Für euch ist es Teil der Kultur, sich, egal zu welcher Uhrzeit, in ein Café zu setzen und Zeit mit Freunden oder allein zu verbringen. Und ihr bleibt auch eine lange Zeit in einem Café. In Asien geht man nicht einfach spontan in ein Lokal wie hier – man bucht im Vorhinein, weil es ein besonderer Anlass ist. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass »Peacock Alley« zum Wohnzimmer für die Leute in Osaka wird.

©Hilton 2025

Wie lange haben Sie für dieses Megaprojekt gearbeitet?

Acht Jahre. Als Hilton (Waldorf Astoria Hotels & Resorts ist eine Luxushotel- und Resortmarke von Hilton Worldwide – Anmerkung der Redaktion) für das Projekt an Bord holte, war das Gebäude noch nicht gebaut. COVID hat das Projekt noch zusätzlich erschwert und ich konnte erst vor knapp zweieinhalb Jahren das erste Mal die Räumlichkeiten betreten. Es war damals schon ein großer Moment, das erste Mal hier im künftigen »Peacock Alley« zu stehen und den Blick über die Stadt zu haben.

Was waren die Herausforderungen dabei?

Ich war sehr engagiert, da Hilton ein großer Name ist – und mit dem Vertrauen ging natürlich auch viel Verantwortung einher. Die vielen verschiedenen Räumlichkeiten und die Größe des Projekts waren designtechnisch herausfordernd. Wir reden hier nicht von einem kleinen Boutiquehotel mit 30 oder 40 Zimmern. Allein der Korridor ist 35 Meter lang und darf nicht leer sein. Das Gesamtkonzept muss einfach stimmen und Sinn ergeben. Ich habe mir sogar alle Sample-Playlists für die einzelnen Räume angehört und Feedback gegeben, damit auch die Hintergrundmusik zum jeweiligen Konzept passt. Das macht nicht jeder Designer oder Architekt, aber das ist mein Anspruch an mich selbst.

Was bedeutet »Luxus« für Sie persönlich?

Luxus bedeutet nicht nur teuer und exklusiv. Der schönste Raum fühlt sich leer an, wenn ihm die »Seele« und das Authentische fehlen. Oftmals sind es die kleinen Details, die einem Raum Leben einhauchen. Heutzutage sehnen sich die Leute nach Komfort auch außerhalb der eigenen vier Wände, deshalb darf Luxus nicht gekünstelt sein.

Welches ist Ihr Lieblingshotel?

Eines meiner Lieblingshotels ist das »Parco dei Principi« in Sorrent. Nicht, weil es Ultraluxus auf höchstem Niveau bietet. Es war eines der ersten Hotels von Gio Ponti und schon damals in den 50ern und 60ern hat er eine ganzheitliche holistische Experience geschaffen.

Ihre drei Travel Must-Haves?

Als visueller Mensch habe ich immer meine Kamera bei mir. Stift und Block und mein eigenes Kissen dürfen auch nicht fehlen.

Marie-Theres Auer
Autor
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