Schwimmende Paläste: Premium- und Luxuskreuzfahrten
Premium- und Luxuskreuzfahrten boomen. Viele Reedereien haben Angebote für anspruchsvolle Reisende. Das wirkt wie eine Rückbesinnung, denn der Ursprung aller Kreuzfahrten liegt in den «Schwimmenden Palästen», die bis in die 1950er-Jahre die Kontinente verbanden.
Grosse Kreuzfahrthäfen haben mit exklusivem Luxus eigentlich wenig zu tun. Am Einschiffungstag wimmelt es am Terminal AA in Miami – dem grössten Kreuzfahrtterminal der Welt – von Taxis, Reisecars, Koffern, Passagieren und Angestellten, die einem den Weg weisen. Hektik aber kommt keine auf. Erst recht nicht für uns, die in einer Klasse reisen, die schon am Terminal Exklusivrechte geniesst. Eine feierliche Aufbruchstimmung ist spürbar, auch wenn es nur vier Tage in die Bahamas vor der Küste und nicht über den Atlantik nach Europa geht.
Als Reisende in der Premiumklasse MSC Yacht Club müssen wir nur das entsprechende Schild finden und schon sind wir in den Händen von Butler Anthony, der uns die Koffer abnimmt, mit einem Glas Schaumwein versorgt und dann auf das Schiff bringt. Auch an Bord lesen er und seine Kollegen uns alle erdenklichen Wünsche von den Augen ab: von Reservierungen in Restaurants und Shows über die Versorgung mit allem Nötigen in der luxuriösen Kabine oder dem Bügeln der Hemden. «All good, Mr. Ben?», werde ich auf dieser Reise immer wieder gefragt. Aber so was von! Ganz so, wie man sich die Reise in einem schwimmenden Palast eben vorstellt.
Ein Schiff im Schiff
Unser Schiff, die «MSC Seascape», ist ein waschechter Ozeanriese: 339 Meter lang, 76 Meter hoch, und mit einer maximalen Passagierzahl von 5877 Reisenden gehört sie zu den grössten Schiffen der Reederei. Der «MSC Yacht Club» ist mit gläsernen Schiebetüren vom Rest des Schiffs abgetrennt, wir öffnen diese mit unseren Armbändern, respektive Kreuzfahrtkarten, die uns auch die Lifte prioritär nutzen, im Casino spielen oder auf dem ganzen Schiff in Bars einkehren lassen.
Der «MSC Yacht Club» ist ein sogenanntes Schiff-im-Schiff-Konzept. Auf der «MSC Seascape» umfasst der Bereich 131 Kabinen, die Platz für maximal 400 bis 450 Menschen bieten. Diese verteilen sich auf den fast 2000 Quadratmetern Aussenbereich, der Top Sail Lounge, dem eigenen Restaurant und natürlich dem Rest des Megaschiffs mehr als gut. Nur die ruhige Stimmung im Yacht-Club-Bereich ist mit der im Casino oder dem grossen Kinderpool-Bereich ein paar Decks tiefer nicht zu vergleichen. Und das ist ganz gut so.
Vergleichbar sind der Service und das Konzept des «MSC Yacht Club» etwa mit dem «The Haven by Norwegian», der mit ähnlichen Annehmlichkeiten aufwartet – wobei er auf dem neuesten Schiff der Flotte, der «Norwegian Aqua», besonders luxuriös ausfällt. Insbesondere die Grösse der Kabinen beeindruckt, wobei man bei der grössten, der Premier Owner’s Suite von Kabine eigentlich nicht mehr sprechen kann. 195 Quadratmeter misst sie und umfasst drei separate Schlafzimmer mit je einem eigenen Bad, einem Wohn- und Essbereich und natürlich einem grosszügigen Balkon samt Whirlpool, gepolsterten Sonnenliegen und vielem mehr. Zu den Highlights des öffentlichen Bereichs von The Haven auf der «Norwegian Aqua» gehört sicherlich der Infinitypool ganz am Heck des Schiffs – ein absoluter Traum, nicht nur für Instagrammer.
Kleine Schiffe, grosser Komfort
Premium- und Luxuskreuzfahrten boomen. Während die Schiff-in-Schiff-Konzepte trotz vieler luxuriösen Annehmlichkeiten dem Premiumbereich zugeordnet werden, wird als Luxussegment das Geschäft mit kleineren Schiffen angesehen. Der Vorteil des Schiff-in-Schiff-Konzepts ist, dass einem die Annehmlichkeiten des grossen Schiffs wie Casino, Spezialitätenrestaurants und Shows wie jedem anderen Passagier auch zur Verfügung stehen – und natürlich kann man auch den Buffetbereich, der allen Gästen der grossen Kreuzfahrtschiffe zur Verfügung steht, in Anspruch nehmen. Das fällt uns zwar nicht leicht, der «MSC Yacht Club» verfügt schliesslich über ein eigenes, bedientes À-la-carte-Restaurant. Einen Besuch in einem Spezialitätenrestaurant planen wir aber ein – unterhaltsam wie köstlich fiel der Besuch im «Kaito Teppanyaki» im Bauch des Schiffs aus, wo der Koch klassisch nur für die Gäste an seiner Station grilliert – und für Unterhaltung sorgt. Samt Singen, Tanzen und Omelett-Weitwurf. Dass man sich dabei im Bauch eines Megaschiffs befindet, vergisst man spätestens beim zweiten Glas Champagner.
Elf Restaurants und rund 15 Bars gibt es auf der «MSC Seascape», diese ausufernde Vielfalt bieten kleinere Schiffe natürlich nicht. Für den Erfolg ist dies aber auch nicht nötig, die Zahlen sprechen für sich: 2010 gab es weltweit 28 kleinere Luxus-Kreuzfahrtschiffe, 2025 gibt es rund 100 – und viele weitere sind angekündigt. Zu den prominentesten Schiffen in diesem Exklusivbereich gehört sicherlich die «MS Europa 2». Mit einer Maximalbelegung von 514 Passagieren ist sie im Vergleich zu den vorher erwähnten Ozeanriesen ganz klar im Boutiquebereich anzusiedeln. Wie kein anderes Schiff steht sie für Luxus, exzellente Gastronomie, grosse Privatsphäre und kompromisslose Qualität bei Service und Ausstattung. Die Kabinen sind allesamt Suiten mit eigener Veranda.
Die Stimmung an Bord dieses Genussdampfers ist locker, elegant und ungezwungen – so wie man es sich auch im Drei-Sterne-Restaurant wünscht. Apropos Gourmetrestaurant: Die «MS Europa 2» bietet davon gleich sieben Stück – vom Hauptrestaurant «Weltmeere» mit internationaler Gourmetküche über das italienische «Serenissima» bis zum japanischen «Sakura». Besonders ist auch die Weinauswahl, die als die beste auf einem Kreuzfahrtschiff gilt. 550 Etiketten stehen zur Wahl, darunter besonders viele Champagner und Raritäten. So gibt es etwa Krug Grand Cuvée oder Dom Pérignon glasweise und Flaschen umgerechnet ab 30 bis 5600 Franken.
Weinauswahl von Welt
Auch auf der «MSC Seascape» fliessen die Getränke reichlich – in unserem Aufenthalt ist ein Premium-Getränkepaket mit 15 alkoholischen Getränken pro Tag inbegriffen und Flaschenweine können wir kostenpflichtig dazubestellen; auch eine Champagnerbar mit den wichtigsten Etiketten gibt es. Im Wine Cellar mit Weinbar treffen wir auf den serbischen Sommelier Nebojša. Je nachdem, wo auf der Welt sich das Schiff befindet, ist die Weinauswahl unterschiedlich, erklärt er uns. In den USA habe er im Spitzenbereich eher die Klassiker dabei, anderes werde nicht nachgefragt: Insignia von Joseph Phelps oder Caymus aus den USA sehen wir, Tignanello und Sassicaia aus Italien. Teuerster Wein auf der Karte: Château Haut-Brion 2014 für 1300 US-Dollar.
Der «MSC Yacht Club» ist, was Luxus betrifft, noch nicht das Ende der Fahnenstange bei MSC: Das Luxussegment der Reederei existiert seit 2021 und heisst «Explora Journeys». Die Flotte aus derzeit sechs und bald sieben kleineren Schiffen mit je etwas mehr als 450 Kabinen bietet wie die «MS Europa 2» Luxus für anspruchsvolle Gäste bei einem Verhältnis von Gast zu Gastgeber von annähernd 1 zu 1. Die auch aus der Spitzenhotellerie bekannte Kennzahl spielt auch im Kreuzfahrtbereich eine wichtige Rolle. Das Yacht-inspirierte Erlebnis zeichnet sich durch grosszügige Suiten, exzellente Kulinarik, einzigartige Routen und viel Privatsphäre aus. Die Highlights sind gezielt auf Entschleunigung, individuelles Erleben und ein stilvolles Ambiente ausgelegt. Wer Party, Wasserrutschen oder Casino sucht, ist auf den grossen Schiffen also sicher besser bedient.
Nicht nur der Weg ist das Ziel
Bei aller Strahlkraft der Schiffe darf natürlich nicht vergessen werden, dass nicht nur die Annehmlichkeiten auf ebendiesen eine Kreuzfahrt zum Erlebnis machen: Ebenso eine grosse Rolle spielen die angefahrenen Ziele. Unsere Fahrt im «MSC Yacht Club» der «MSC Seascape» bringt uns auf Ocean Cay MSC Marine Reserve – die MSC-Privatinsel in den Bahamas, die für das Anlegen eines so grossen Schiffs wie der «MSC Seascape« eingerichtet ist und dabei Karibikfeeling de luxe bietet – samt Transport- und Butlerservice für die Yacht-Club-Gäste am eigenen Strandabschnitt. Einen kleinen, wenig frequentierten Hafen aber wird ein Schiff dieser Grösse nie ansteuern können. So setzt man etwa bei «Explora Journeys» auf längere Liegezeiten in den Häfen und steuert auch weniger stark frequentierte Reiseziele an – im Mittelmeer etwa Bozcaada in der Türkei, Rovinj in Kroatien oder Port Santo Stefano auf der Halbinsel Monte Argentario in Italien.
Wenn das Schiff im Hafen liegt – egal, ob im Mittelmeer oder in der Karibik –, wird es für die Reisenden zum Hotel, im besten Fall zum Luxushotel! Es ist eigentlich verwunderlich, dass Hotelmarken wie «Four Seasons» oder «Ritz-Carlton» nicht schon viel früher in den Bereich eingestiegen sind. Die Ritz-Carlton Yacht Collection ging 2022 mit ihren Boutique-Schiffen an den Start, die das Beste aus Luxushotellerie und maritimem Reisen vereinen. Mit der 2022 eingeschifften «Evrima» – 298 Gäste – und der 2023 folgenden «Ilma» – 448 Gäste – setzte die Marke auf intime Atmosphäre statt Massentourismus. Man wirbt etwa mit dem höchsten Platz-Verhältnis pro Gast auf See allgemein und der ebenfalls herausrangenden Crew-to-Guest-Ratio von fast 1 zu 1.
Dank ihrer schlanken Dimensionen erreichen diese yachtartigen Kreuzfahrtschiffe auch abgelegene Buchten und versteckte Häfen. Und auch kulinarisch bleiben hier keine Wünsche offen: Bei der «Ritz-Carlton Yacht Collection» etwa zeichnet unter anderem Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld vom «Ritz-Carlton Wolfsburg» für das Tasting-Menu im «S.E.A.» auf der «Evira» verantwortlich. 2025 komplettierte die «Luminara» die Flotte von «Ritz-Carlton Cruises» und erschliesst neue Destinationen von Alaska bis zu den Seychellen. Im Mai 2026 folgen dann die ersten Alaska- und Kanada-Routen der Reederei. Bei all der geballten Leistung darf die Preisfrage natürlich schon einmal gestellt werden. Sieben Nächte in der Karibik beginnen bei ca. 6300 Franken pro Person – bei einer theoretischen 1-zu-1-Betreuung also gar nicht so abgehoben. Eine ähnliche Reise – mit populärer Route – kostet im «MSC Yacht Club» etwa die Hälfte davon, die Angebote in «The Haven by Norwegian» liegen irgendwo dazwischen.
Die Zeit auf der «MSC Seascape» ging für uns schnell vorbei. Rückblickend gehörte zu den Highlights längst nicht nur das kulinarische Angebot oder die Landgänge, sondern ganz einfach auch die nächtliche Fahrt bei offener Balkontür. Wie ruhig ein Schiff dieser Grösse über den weiten Ozean gleiten kann, ist wirklich beeindruckend.
Der letzte Ocean Liner
Das Gefühl der endlosen Weite lässt sich auf alle Schiffsreisen übertragen. Auch die Gäste der «Mauretania», quasi die Urmutter aller schwimmenden Paläste, dürften dies schon durchlebt haben. Der Transatlantikdampfer «Mauretania» galt ab 1907 als grösstes und luxuriösestes Schiff seiner Zeit und formte den Ruf der Reederei, die bis heute als Pionierin der Luxusseefahrt gilt: die 1839 gegründete britische Gesellschaft Cunard Lines, heute eine Marke der britisch-US-amerikanischen Carnival Corporation & plc, des grössten Kreuzfahrtunernehmens der Welt.
Das heutige Flaggschiff der Cunard-Flotte ist die 2004 getaufte «Queen Mary 2», die sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch durch die Gepflogenheiten an Bord an die Transatlantikliner des frühen 20. Jahrhunderts erinnert. Und tatsächlich befährt sie auch heute noch als einziger verbliebener Ocean Liner der Welt die legendäre, siebentägige Transatlantikroute von Southampton nach New York City. Mit ihrem britisch-royalen Charakter verkörpert die «Queen Mary 2» den Glamour klassischer Seereisen in Reinform. Betritt man das Schiff, taucht man in die Nostalgie vergangener Zeiten ein – mit schimmernden Marmorböden, edlen Hölzern, Art-déco-Elementen und kristallenen Kronleuchtern, die der Bezeichnung «Schwimmender Palast» alle Ehre machen. Hier spürt man die über 180-jährige Tradition der Reederei – und wandelt damit auch auf den Spuren der modernen Luxuskreuzfahrtgeschichte, die heute so lebendig ist wie vor 100 Jahren.
Die 5 luxuriösesten Kreuzfahrtschiffe 2025
«Seven Seas Grandeur»
Regent Seven Seas Cruises
Auf dem 2023 in Betrieb genommenen Ultra-Luxus-Schiff «Seven Seas Grandeur» befindet sich die wohl grösste und teuerste Suite auf See: 11.000 US-Dollar kostet eine Nacht in der Regent Suite. Diese misst 412 Quadratmeter mit eigenem Spa, Sauna, Dampfbad und einem 200.000-Dollar-Bett von Hästens. Mit nur 746 Gästen und einem Gast-Crew-Verhältnis von nahezu 1:1 definiert dieses Schiff Ultra-Luxus neu.
«MS Europa 2»
Hapag-Lloyd Cruises
Die Legende unter den Luxuskreuzern stach 2013 erstmals in See. Mit maximal 500 Gästen und 370 Crewmitgliedern bietet sie ein erstklassiges Gast-Crew-Verhältnis. Alle Suiten haben private Veranden von 35 Quadratmetern und mehr. Sieben Gourmetrestaurants und eine unvergleichliche Weinauswahl sorgen für kulinarische Exzellenz.
«Explora II»
Explora Journeys
Die «Explora II» von Explora Journeys bietet sechs Gourmetrestaurants, zwölf Bars und ein 700 Quadratmeter grosses Spa. Das Schiff verzichtet vollständig auf Einwegplastik, ist Rina-Dolphin-zertifiziert und setzt neue Nachhaltigkeitsstandards. Die Owner’s Residence misst 280 Quadratmeter und verfügt über einen Infinitypool auf dem Balkon.
«Luminara»
Ritz-Carlton Yacht Collection
Die neue Superyacht «Luminara» der Ritz-Carlton Yacht Collection setzt neue Massstäbe: 226 Suiten mit privaten Terrassen und aussergewöhnlich grosszügigem Raumangebot, darunter zwei neue Oberkategorien mit über 90 Quadratmeter Wohlfühlambiente. Fünf Restaurants, sieben Bars und ein erlesener Weinkeller versprechen Genussmomente auf höchstem Niveau.
«Seabourn Pursuit»
Seabourn
264 Gäste fasst das Ultra-Luxus-Expeditionsschiff «Seabourn Pursuit». Das Schiff wurde für abenteuerliche Erkundungen abgelegener Destinationen konzipiert, verzichtet dabei aber nicht auf luxuriöse Eleganz. Neben acht Gourmetrestaurants führt das nach PC6-Polarklasse-Standards gebaute Schiff auch zwei U-Boote, Schlauchboote und Kajaks mit.