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Das Mischungsverhältnis eines Montgomery ist brachial: Seine ginlastige Seele von 15 Teilen Gin zu 1 Teil Wermut machen ihn zu einer der trockensten Martini-Varianten.

Das Mischungsverhältnis eines Montgomery ist brachial: Seine ginlastige Seele von 15 Teilen Gin zu 1 Teil Wermut machen ihn zu einer der trockensten Martini-Varianten.
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Von wegen vorsichtig: der Montgomery Cocktail

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Der »Montgomery« gehört zu den puristischsten und zugleich legendärsten Varianten des klassischen Martini. Seine Geschichte ist eng mit der Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts, literarischen Anekdoten und der Kultur eleganter Hotelbars verbunden.

Viel trockener und puristischer wird es in der Welt der Cocktails nicht mehr, denn der »Montgomery« treibt die Idee eines Dry Martinis wahrlich auf die Spitze.  Der Name des Drinks geht auf den britischen Feldmarschall Bernard Montgomery zurück, eine der bekanntesten Militärfiguren des Zweiten Weltkriegs. Montgomery war berühmt für seine vorsichtige und strategische Kriegsführung. Der Legende nach griff er nur dann an, wenn er seinen Gegnern zahlenmäßig deutlich überlegen war – angeblich erst bei einem Verhältnis von etwa 15 zu 1. Genau dieses Verhältnis inspirierte später Barkeeper und Cocktail-Enthusiasten. Die populärste Anekdote über den Drink stammt vom Schriftsteller Ernest Hemingway. Hemingway war ein großer Liebhaber trockener Martinis und soll die extrem ginlastige Mischung nach Montgomery benannt haben. Seine Idee: Ein Martini sollte ebenso »überlegen« sein wie Montgomerys Armee – also 15 Teile Gin zu nur 1 Teil trockenem Wermut. Dadurch entsteht ein Drink, der deutlich stärker und trockener ist als ein klassischer Martini, der meist im Verhältnis 5:1 oder 6:1 gemixt wird.

Von London bis Venedig

Entstanden ist der Montgomery Cocktail vermutlich in der gehobenen Barkultur Großbritanniens der 1940er- und 1950er-Jahre, besonders in den eleganten Hotelbars von London. Dort entwickelte sich der Martini zu einem Symbol für Stil, Disziplin und britischen Understatement-Luxus. Die Montgomery-Variante war dabei ein augenzwinkernder Insiderdrink für Gäste, die es besonders trocken mochten. Der wohl berühmteste Fan des Drinks, Ernest Hemingway, gastierte aber auch sehr gerne in der noch heute berühmten »Harry’s Bar« in Venedig, wo er zusammen mit dem Gründer der Bar, Guiseppe Cipriani, den ein oder anderen Drink genommen haben soll. Bis heute gehört der »Montgomery« zu den gesetzten Signature Drinks dieser Bar und wie kaum an einem anderen Ort, kann man ihn derart geschichtsträchtig genießen.

Die Zubereitung: schlicht, aber anspruchsvoll

Gemixt ist der Montgomery hingegen recht schnell, wenngleich es ein paar Feinheiten zu beachten gilt. Zunächst wird ein großes Rührglas mit Eis gefüllt, dann kommen etwa 75 ml Gin und 5 ml trockener Wermut hinzu. Der Drink wird gerührt – nicht geschüttelt – und anschließend in ein gut gekühltes Martiniglas abgeseiht. Als Garnitur dienen meist eine Zitronenzeste oder eine Olive. Am besten genießt man den »Montgomery« sehr kalt und langsam, denn aufgrund des sehr hohen Gin-Anteils entfalten sich dessen Botanicals besonders deutlich. Hochwertiger Gin ist deshalb entscheidend. Viele Kenner trinken ihn ohne Garnitur, um den puristischen Charakter zu bewahren. Überhaupt macht ihn diese Radikalität so besonders, denn der »Montgomery« ist kein gefälliger Aperitif, sondern ein Drink für Liebhaber klassischer, geradliniger, trockener und manchmal durchaus herausfordernder Cocktails. Er steht für eine Zeit, in der Cocktails weniger süß und spektakulär waren, dafür aber präzise, elegant und kompromisslos. Genau wie sein militärischer Namensgeber.


Alexander Thürer
Alexander Thürer
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