Im Berliner Umland lässt sich kulinarisch viel entdecken – etwa im »Strelitzia«, dem stilvoll-eleganten Restaurant des neu eröffneten »Schlosshotels Neustrelitz«. Küchenchef Thorsten Räth, seit über drei Jahrzehnten eine feste Größe der mecklenburgischen Gastroszene, beweist eindrucksvoll, dass große Küche keine Großstadt braucht.
Sein kompromissloser Fokus liegt auf der Qualität der Zutaten – bevorzugt aus der Region: Gemüse aus der Biogärtnerei Watzkendorf, Fisch aus der Müritz. Gerichte wie zweierlei gebackener Aal mit Maränenkaviar oder Boddenzander mit Speck und Zwiebeln erzählen kulinarische Geschichten – ohne falsche Nostalgie. Auch beim Fleisch bleibt Räth seiner Linie treu: Prignitzer Landhähnchen mit Müritzer-Käse-Ragout oder Steak von der norddeutschen Färse sind bodenständig, durchdacht und fein abgestimmt. Auch
im Dessert zeigt sich Räths Handschrift: Der Mecklenburger Baumkuchen, eine Schokoladentarte aus Eichelmehl mit Fichtensirup und Eichelkaffeeeis ist eine Reinterpretation eines regionalen Klassikers mit unerwarteten Zutaten. Noch setzt
das »Strelitzia« auf à la carte, doch ein Menükonzept ist in Arbeit – und dürfte Neustrelitz auf der Landkarte ambitionierter Feinschmecker platzieren. In einer Gastro-Szene, die oft laut sein will, geht Räth bewusst leise – und setzt auf echtes Handwerk: konzentriert, substanzvoll, ohne Chichi. Lediglich im Service fehlt es mitunter an Präzision – freundlich, aber nicht immer souverän. Die Weinkarte bietet faire Preise, wirkt aber etwas unentschlossen und hat noch viel
Raum zum Wachsen.