Falstaff Restaurantguide 2025: Die besten Wiener Beisl
Beisl, aber in hip: Mit Fingerspitzengefühl und Verve entstaubt Julian Lechner Wirtshauslieblinge wie Backfleisch und Innereien, während Simon Schubert dazu immer genau die richtige Flasche parat hat.
Seit Jahrzehnten wird im urigen Gasthausambiente der authentischen Wirtshausküche gehuldigt. Beste Grundprodukte bilden die Basis, geliebte Klassiker von Krautfleckerl bis Beuschel das Ergebnis.
Unter der Ägide von Martin Pichlmaier und dank verfeinerter Gerichte von Roman Artner erlebt der Herkner eine echte Blütezeit. Traumhafter, begrünter Innengarten. Tipp: Vier- oder Fünf-Gänge-Menüs. Tolle Weine!
110 Jahre Tradition können nur wenige Gasthäuser vermelden. Familie Pruscha führt ihr gemütliches und uriges Lokal mit sehr persönlicher Note. Tolle Weinauswahl! Tipp: Nur Bares ist hier Wahres.
Das »Stern« in Simmering mag auf den ersten Blick so aussehen wie ein durchschnittliches Wiener Gasthaus. Doch normal ist hier schlicht gar nichts. Es beginnt schon beim Blick in den Kühlschrank beim Entrée, wo bei den Speisen über die Gasse stets ein Feldhasen-Chili vorrätig ist. Die Spur führt zum ebenso jagd- wie weinverrückten Patron Christian Werner. Zweiter Leidenschaft ist eine Weinkarte mit fast 700 Positionen zu verdanken. Falsch – zwei Weinkarten, je eine für Rot und Weiß. Anderswo hält man Prosecco zum Apéro für das Höchste der Gefühle, hier darf es auch mal Roederer Cristal glasweise zu einem räsonablen Tarif sein. Und nach dem Abgang von Peter Zinter ins Donnerskirchner »Gogosch« die nächste Ungewöhnlichkeit: Der neue Mann am Herd heißt Armin Hagenhenrich und stammt aus Münster. Das ungewöhnliche österreichisch-deutsche Lokal »Die Botschaft« in Kopenhagen hat er konzipiert, im kultigen Berliner »Clärchens Ballhaus« kochte er auch. Jetzt sollte es Wien sein: »Stand schon immer auf meiner Liste. Hier kann man noch was bewegen.« Die Speisekarte will er kleiner machen, um präziser zu werden. Das schmeckt dann so. Wenn Patron Werner 200 Fasane beisammen hat, macht Hagenhenrich daraus 15 Liter Consommé, dazu Dotter und Sherry – schlicht genial. Auch neu: »Bio-Kalbszungensalat« dezent asiatisch mariniert mit Frisée. Neuerdings fix im »Tasting-Menü« (6 Gänge zu freundlichen 95 Euro): Hirn gebacken in herrlich französischer Kaisergranat-Bisque. Und kürzlich auf Facebook avisiert: Schweinsfuß »Pierre Koffmann« – ein legendäres Gericht des Franzosen aus seinem ehemaligen Drei-Sterner in London Knightsbridge. Hagenhenrich hat sichtlich noch allerhand vor.
Der Meixner ist auch nach der geglückten Neuübernahme durch Janette und Alexander Civic geblieben, was er schon immer war: eine Gastwirtschaft für Alle und alle Fälle. Top: die Kutteln und die Weinauswahl.
Gelebte Wirtshauskultur mit Wiener Seele: exzellente Küche, lässige Beisl-Stimmung und eine Gastgeberin mit Schmäh. Hier zählt Herzlichkeit – bei Schnitzel und Bier fühlt sich alles einfach richtig an.
Derart öffentlichkeitswirksam per Hilferufen in Medien und Social Media-Posts werden selten Nachfolger für ein Gasthaus gesucht. Die Wirte des »Stafler« boten im Juwel mit prächtiger Schank Marke »Bretschneider« Südtiroler Küche. Die letztlich doch gefundenen neuen Betreiber fanden »Zum Bretschneider« als Namen geradezu aufgelegt. Jürgen Sattler und Klaus Silberbauer kennt man als Patron und Restaurantleiter von der chicen »Sattlerei« in Wien zwei, die 2024 nach wirtschaftlichen Turbulenzen verschied. Hier im tiefsten Meidling wollen die zwei mit günstigem Mittagstisch die Locals bei der Stange halten. Aber sich zugleich in die kleine feine Liste jener Beisln eintragen, die den Wiener Rezeptkanon pflegen und dazu das weinaffine Publikum ansprechen. Zu ersterem: auf der mit Wortwitz geschriebenen Karte finden sich etwa ein »Bretschneider Brettl« mit zartschmelzendem Speck und Hauswürstel, Kalbszungensulz, Altwiener Backfleisch »klassisch vom Siedefleisch« oder ein »Andauer Beuschl“«, bei dem eine Art Beipacktext avisiert, es handle sich um »ein Familienrezept nur mit Herz & Zunge in sämiger Einbrenn« – also nicht Wiener Bauart. Eine Empfehlung, aber ganz anders als gewohnt. Die auffällige Fleischqualität erklärt sich durch Höllerschmid als Generallieferanten. Nur dem sehr kompakten Somlauer Nockerl täte eine Überarbeitung gut. Das Gebräu stammt aus Weitra, Zwettl, Augustiner Edelstoff gibt’s auch noch. Und dann – die Weinkarte. Vier Seiten toll selektionierte Österreicher und ebenso viele mit Deutschen, Burgundern, Bordeaux und Champagne – allesamt mit Vorstadtkalkulation. Wien hat ein neues altes gutes Wirtshaus.
Urige Gasträume, schattiger Gastgarten. Michael Kantor und Team führen die Gastwirtschaft mit Sinn für Tradition und sanfte Innovation. Spezialitäten: Backhendl, Kalbsleber, Fischsuppe. Tolle Weinauswahl.
Grüne Lamperien, intime Holzlogen – sieht aus, als wäre es schon immer da. Dabei wurde das Gasthaus erst 2011 neu eröffnet. Wiener Schnitzel, Kalbsleber, Kaiserschmarrn – alle Klassiker sind da.
Seit jeher trifft man sich im Wiener Beisl-Urgestein zum Plaudern, Philosophieren und Schmausen: Das Schnitzel ist legendär. Dass es Trumer vom Fass gibt, macht das Heimgehen noch ein bissl schwerer.
Gehört auch zum Figlmüller-Imperium, ist aber nicht ganz so überlaufen wie die zwei Schweinsschnitzel-Filialen ums Eck. Hier bekommt man alternativ das Original vom Kalb und allerlei andere Klassiker.