Derart öffentlichkeitswirksam per Hilferufen in Medien und Social Media-Posts werden selten Nachfolger für ein Gasthaus gesucht. Die Wirte des »Stafler« boten im Juwel mit prächtiger Schank Marke »Bretschneider« Südtiroler Küche. Die letztlich doch gefundenen neuen Betreiber fanden »Zum Bretschneider« als Namen geradezu aufgelegt. Jürgen Sattler und Klaus Silberbauer kennt man als Patron und Restaurantleiter von der chicen »Sattlerei« in Wien zwei, die 2024 nach wirtschaftlichen Turbulenzen verschied. Hier im tiefsten Meidling wollen die zwei mit günstigem Mittagstisch die Locals bei der Stange halten. Aber sich zugleich in die kleine feine Liste jener Beisln eintragen, die den Wiener Rezeptkanon pflegen und dazu das weinaffine Publikum ansprechen. Zu ersterem: auf der mit Wortwitz geschriebenen Karte finden sich etwa ein »Bretschneider Brettl« mit zartschmelzendem Speck und Hauswürstel, Kalbszungensulz, Altwiener Backfleisch »klassisch vom Siedefleisch« oder ein »Andauer Beuschl“«, bei dem eine Art Beipacktext avisiert, es handle sich um »ein Familienrezept nur mit Herz & Zunge in sämiger Einbrenn« – also nicht Wiener Bauart. Eine Empfehlung, aber ganz anders als gewohnt. Die auffällige Fleischqualität erklärt sich durch Höllerschmid als Generallieferanten. Nur dem sehr kompakten Somlauer Nockerl täte eine Überarbeitung gut. Das Gebräu stammt aus Weitra, Zwettl, Augustiner Edelstoff gibt’s auch noch. Und dann – die Weinkarte. Vier Seiten toll selektionierte Österreicher und ebenso viele mit Deutschen, Burgundern, Bordeaux und Champagne – allesamt mit Vorstadtkalkulation. Wien hat ein neues altes gutes Wirtshaus.