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© Feichtl

Alte Zünfte neu entdeckt: Die besten Handwerksbetriebe aus der Steiermark

Steiermark

Vom Messerschmieden über feinste Grazer Spitzen bis hin zum unvergleichlichen Klang eines Klapotetz. Echte Handarbeit feiert in der Steiermark eine Renaissance und verschönert den Alltag auf vielerlei Arten. Ein Besuch bei den Meisterhänden.

Klappern im Wind

Erich und Stefan Silberschneider

Was klappert da hoch über den Weinreben? In der Südsteiermark ist es der Klapotetz, ein Windrad mit acht Rädern, das durch das Klappern die Vögel vertreiben soll. Aufgestellt wird es traditionell zu Jakobi am 25. Juli bis zu Allerheiligen oder Martini im November. Traditionell werden sie aus verschiedenen Hölzern gefertigt. Die meisten haben einen Meter Durchmesser und einen Birkenbuschen als Windfahne und optischen Hingucker. Einer der wenigen, der noch die Kunst das Klapotetzbauens beherrscht, ist Erich Silberschneider aus Leutschach. Er hat das Handwerk von seinem Onkel erlernt und holt das Holz aus dem eigenen Wald. In seiner Werkstatt baut er den Klapotetz ausschließlich auf Bestellung aus Akazie, Esche, Fichte, Birne, Vogelkirsche, Birke und Apfelholz zusammen. Das unterschiedliche Holz sorgt für den typischen Klang. »Eigentlich ist das die Hymne unserer Region«, sagt Silberschneider. Die Südsteiermark ohne Klapotetze ist für ihn einfach unvorstellbar. 
klapotetzhof.at

Kein alter Hut

Hutmacherei Leithner

Regen oder Schnee, wer mit einem echten Ausseer Hut aus dem Haus geht, braucht keinen Regenmantel. Seit Jahrhunderten schützt der typisch schwarze Hut mit dem grünen Seidenband seine Träger. Was einst im Salzkammergut eine funktionelle Bekleidung war, ist heute zu einem modischen Statement geworden, eng verwurzelt mit der Region und ihren Traditionen. Er passt zur Tracht genauso wie zur Designerkleidung. In der »Hutmacherei Leithner« in Bad Aussee wird das kulturelle Erbe nach wie vor als Handwerk gepflegt. Bis so ein Hut entsteht, sind viele kleine Schritte notwendig: vom Eindampfen über das Plattieren, Trocknen, Ausformen, Zurechtschneiden, Abnähen, Bügeln, Bürsten, Ausstaffieren bis hin zum individuellen Anpassen an den Träger. Dadurch schmiegt sich der Hut perfekt an den Kopf und ist bequem zu tragen. Gefertigt wird der Hut aus Haarfilz und mit einem Bart von Gams, Hirsch oder Dachs geschmückt. Bereits Erzherzog Johann von Österreich schwörte auf die zeitlose Eleganz des einzigartigen Hutes.
ausseer-hut.at

© Jürgen Radspieler

Faszinierende Fingerfertigkeit

Emma de Ro

Drehen. Kreuzen. Verknüpfen. Verschlingen. Außenstehenden wird ganz schwindlig, wenn sie auf das Fadenwirrwarr und die Holzspulen der Klöpplerinnen schauen. Die Handwerkerinnen hingegen sind tiefenentspannt, wenn Zentimeter für Zentimeter ein neues Muster entsteht. Die Herstellung von Spitze mit der Hand gehört zu den ältesten Handwerksarbeiten und wurde speziell unter der Regentschaft Maria Theresias gefördert. Dafür, dass diese alte Spitzenkunst nicht verloren geht, sorgt in der Steiermark ein eigener Verein, der Kongresse und Kurse ausrichtet. Auch die gebürtige Grazerin Emma de Ro setzt sich für das fast vergessene Handwerk ein. Ihr fiel zufällig eine Handschrift über die Grazer Spitze in die Hände und sie entwickelte diese weiter. Während beim klassischen Klöppeln weißes Garn verwendet wird, arbeitet de Ro für die Grazer Spitze mit vielen bunten Farben. Schließlich ist die steirische Landeshauptstadt genauso farbenfroh und vielfältig wie die verschiedenen raffinierten Muster der Klöppelfrauen. Tipp: Anfängerkurse organisiert der Klöppel-Verein laufend.
kloeppel-verein.at

© Steiermark Tourismus / Harry Schiffer

Hochburg der Messerschmiede

Christoph Feichtl

Funkenflug in Fürstenfeld. Lange war Christoph Feichtl als Riegersburger Burgschmied bekannt. Vor über einem Jahr hat er seine eigene Schmiede namens »Kalderum Klingenkunst« in Rittschein aufgebaut und ist damit mehr als glücklich. In der Schmiede veranstaltet er regelmäßig Messerschmiedekurse und arbeitet mit anderen Handwerksbegeisterten zusammen. »Ich bin spezialisiert auf hochwertige Kochmesser, die viel aushalten und mit denen Köche beim Schneiden keinen Widerstand spüren«, erzählt der Messerschmied. »Seit ich ein Kind bin, ist für mich das Schmieden von Messern das Allerschönste und jedes fertige Messer erfüllt mich mit Stolz. Das Handwerk ist so vielseitig, man kann immer noch etwas dazulernen und sich im Detail verlieren.« Er ist einer der wenigen Messerschmieder weltweit, die Titan mit Stahl kombinieren. Und Johann Lafer hat sich so ein Messer gekauft. Aber auch wenn man sein Messer beim Kurs selbst schmiedet, ist es in der Küche ein toller Begleiter. Damit man lange Freude daran hat, sollte ein handgeschmiedetes Messer niemals in den Geschirrspüler. Stattdessen immer sauber und trocken halten. Wie das Schleifen zu Hause richtig funktioniert, verrät er beim Hämmern und Biegen in seiner Schmiede.
schmiedekurs.at, kalderum.com

Klangvolles Holz

Pankraz Schadler

Die Liebe zum Holz und die Liebe zur Musik – beides hat Pankraz Schadler aus Kirchbach miteinander verbunden. Vor 20 Jahren hat er mit dem Bauen von Hackbrettern angefangen und dabei von Beginn an intensiv mit Musiklehrern zusammengearbeitet. Heute haben seine chromatischen und diatonischen Hackbretter, dazu gehört auch das steirische Hackbrett, hohe klangliche Qualität. Jedes Stück ist ein Unikat mit kunstvollen Einlegearbeiten aus Wurzelholz, Schnitzereien oder aufwendiger Bauernmalerei. Für ein einfaches Modell braucht der gelernte Tischler rund 25 Stunden und arbeitet dabei mit Fichte und Ahorn. »Aktuell bin ich ausgebucht, Musiker müssen gut ein Jahr auf ihre Bestellung warten«, verrät der Hackbretterbauer. Schließlich macht er auch noch Service und Reparaturen. »Es ist eine genaue Arbeit, aber wenn sie fertig ist, leuchten die Augen der Kunden«, erzählt Schadler begeistert. Ganz besonders viel Freude machen ihm die speziellen Kinder-Hackbretter. »Damit können Kinder schon mit sechs Jahren spielerisch mit dem Hackbrettspielen beginnen.«
hackbrettl.at

Feuer gefangen fürs Handwerk

Felix Diemling

Felix Diemling aus Lannach ist ebenfalls ein junger steirischer Messerschmied. Bei ihm sprang der Funke 2013 bei einem Messerschmiedekurs über. »Ich habe schon als Kind mit Messern gearbeitet und war sofort fasziniert vom Messer schmieden.« Heute schmiedet er neben seinem Studium Küchenmesser. Je nachdem, wie aufwendig das Modell ist, braucht Diemling mehrere Tage für ein Messer. Dann liegt es gut in der Hand und der Schwerpunkt der Klinge ist perfekt ausgerichtet. Imker lieben seine handgeschmiedeten Stockmeißel, die er nach individuellen Wünschen anfertigt. Bei der Arbeit im Bienenstock ist ein Stockmeißel ein unverzichtbares Werkzeug und ein Exemplar aus einer steirischen Schmiede ist äußerst langlebig. 
felix-diemling.com

Klingen aus Gold

Tobias Hangler

Vom Amboss an die Uni: Tobias Hangler packte 2006 die Leidenschaft fürs Schmiedehandwerk. Und er wollte es ganz genau wissen. Wie reagiert Metall? Welche Innovationen sind möglich? Er studierte Metallurgie an der Montanuniversität und verbindet heute in seiner eigenen Schmiede alte Handwerkskunst mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Mit seinen Klingen strebt er nach Perfektion. So hat er zum Beispiel gemeinsam mit anderen einen Hochleistungsstahl speziell für handgeschmiedete Kochmesser entwickelt. Noch einmal eines drauf setzt er mit einem Verbund aus Gold und Stahl. Edel und exklusiv. Ein hochwertiges Messer für alle, die sich auch Luxus in die Küche holen möchten. Handgemacht und einzigartig aus der Steiermark.
messerschmiede-hangler.at

Wachs in ihren Händen

Ulrike Schriebl-Hiris

Warmes Licht, ein lieblicher Duft und ganz viel Geborgenheit: eine Bienenwachskerze verleiht einem Raum eine ganz besondere Atmosphäre. Das weiß auch Ulrike Schriebl-Hiris vom »Honigparadies« in Graz. Seit 2009 führt sie das Traditionsgeschäft, in dem seit 1951 Bienenwachskerzen mit der Hand gemacht werden. Dafür wird heimisches Bienenwachs verwendet. »Bienenwachs ist ein absolut natürliches und nachhaltiges Material. Beim Verbrennen entstehen keine giftigen Stoffe, ganz im Gegenteil. Bienenwachs hat sehr viele positive Eigenschaften auf die Gesundheit«, erzählt die Kerzenmacherin. Obwohl das Kerzengießen einfach aussieht, ist es das nicht. Jedes Bienenwachs ist anders und hat eine unterschiedliche Menge an Pollen in sich. Für das perfekte Brennverhalten hat Schriebl-Hiris jahrelang experimentiert und sich ein großes Fachwissen angeeignet. »Bienenwachs ist nie gleich, es hat irgendwie ein Eigenleben. Das macht die Arbeit mit dem Naturprodukt so schön und spannend.« Auf Wunsch verziert sie Kerzen auch individuell.
honigparadies.at

Foto beigestellt

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Anita Arneitz
Autor
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