amfAR-Gala in Salzburg: Gery Keszler im Gespräch mit Wolfgang Rosam
Gery Keszlers unbedingter Wille, eine tödliche Krankheit aufzuhalten, ist auch nach dem Ende des legendären »Life Ball« nicht versiegt. Nun nimmt er sich wieder Großem an und bietet der schillernden »amfAR Gala« bei den Salzburger Festspielen eine Bühne. Im Gespräch mit Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam verrät er, was die Gäste erwartet.
Zum Finale der Festspiele erwartet Salzburg eine besondere Premiere: Am Abend des 24. August, wenn der »Jedermann« auf dem Domplatz die Unausweichlichkeit des Todes ereilt, wird auf dem angrenzenden Residenzplatz dem Leben ein Denkmal gesetzt: Der »Life Ball«-Initiator und »Life+«-Obmann Gery Keszler wird einmal mehr im Kampf gegen das Sterben zu einem medialen Happening laden, denn: Der Kampf gegen HIV/Aids ist noch nicht vorbei und die Gesellschaft gefordert.
Anders als beim »Life Ball« im intimeren Rahmen, dafür mit umso mehr Glamour, feiert die »amfAR-Gala« ihr Österreich-Debüt. Die illustre Abendgesellschaft – nur 400 Gäste können teilnehmen – erwartet ein Spektakel mit Botschaft, garniert mit Kunst, Kulinarik und Wein. Falstaff kuratiert ein vinophiles »Best of Austria«: »Unsere Falstaff-Winzerfreunde Willy Bründlmayer, Erich Scheiblhofer, die Domäne Wachau und Gerhard Kracher bringen insgesamt 900 Flaschen feinster Weine und Sekte ein. Das ist ein wunderbarer Beitrag der besten heimischen Weinmacher von internationalem Rang«, so Herausgeber Wolfgang Rosam. Wie er der »amfAR-Gala« eine Salzburger Note verleiht und Glamour mit Tiefgang schaffen will, erzählt Gery Keszler im Gespräch.
WOLFGANG ROSAM: Ich freue mich sehr, dass Falstaff Teil deines nächsten großen Projekts, der »amfAR Gala« in Salzburg, sein darf. Werfen wir aber zunächst einen Blick zurück: Vor 33 Jahren hast du den »Life Ball« erfunden. Erzähl uns von den Anfängen und den Highlights.
GERY KESZLER: Es war eine der wichtigsten Bewegungen in den frühen 90er-Jahren gegen ein absolut tabuisiertes Thema: HIV/Aids. In meinem Umfeld hat es uns sehr betroffen gemacht, weil ständig ein junger Mensch gestorben ist. Insgesamt gab es 26 »Life Bälle«, aber begonnen hat alles mit einem Thermofaxgerät und einem Telefon auf vier Quadratmetern. Am Tag vor dem ersten »Life Ball« hatte ich nur 150 Karten verkauft. Gäste wie eine Helena Christensen oder Debbie Harry sind gekommen, Thierry Mugler hat die Modenschau gemacht. Zehn Minuten vor Beginn haben sich dann plötzlich Tausende Menschen gestaut. Es war eine Inszenierung, wie sie Wien noch nicht gesehen hat. Von Anfang an war die wichtigste Mission, das Leben zu feiern – gegen das Sterben.
ROSAM: Der »Life Ball« hat den Fokus auf Wien verstärkt. Wenn man sich heute darüber freut, dass Wien als eine der lebenswertesten Städte der Welt gilt, dann spielt das auch eine Rolle. Jetzt steht ein neues Großevent vor der Tür: die »amfAR Gala« erstmals in Österreich. Was war der Beweggrund?
KESZLER: Die »amfAR Foundation« ist noch älter als der »Life Ball«, sie wurde von Elizabeth Taylor und Dr. Mathilde Krim gegründet. Heuer feiern wir 20-jähriges Jubiläum der Zusammenarbeit. Kevin Frost (CEO »amfAR«, Anm. d. Red) hat mich bei meiner Geburtstagsfeier in Salzburg gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Event auszurollen. Es hat mich gereizt, denn Salzburg ist ein außergewöhnlicher Rahmen, um so etwas zu machen. 400 Personen wird es möglich sein, dabei zu sein – es ist eine sehr privilegierte Geschichte. Die Voraussetzung ist, dass man es sich leisten kann. Was ich sicher nicht möchte, ist in Zeiten wie diesen ein Fundraising-Event zu machen, das einfach nur unterhält. Es ist wichtig, aktuelle Themen einzubauen.
Darüber hinaus geht es mir auch um meine persönliche Verbeugung vor Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal.
ROSAM: Was ist die Botschaft?
KESZLER: Es müsste kein Mensch mehr sterben. Die Krankheit ist noch immer nicht besiegt, aber man ist auf der Zielgeraden. Es gibt immer wieder neue, faszinierende Errungenschaften.
Wir haben also ein Kommunikations- und Akzeptanzproblem.
KESZLER: Die Welt ist groß, die Probleme sind oftmals sehr weit weg. Was unsere
Organisation jetzt sehr belastet, ist, dass die neue US-Regierung Budgets für Hilfsprogramme teilweise komplett gekürzt hat.
ROSAM: Wohin wird der Erlös der amfAR Gala fließen? Hast du ein konkretes Projekt im Auge?
KESZLER: 50 Prozent der Einnahmen gehen in unsere Organisation, die auch international ausschüttet, weil es dort wirklich ums Überleben geht. Der andere Teil wird, wie immer bei »amfAR«, für die Forschung verwendet.
ROSAM: Worauf dürfen sich die Gäste freuen?
KESZLER: Es beginnt sehr öffentlich. Der Red Carpet, ähnlich wie beim »Life Ball«, ist ein Medienspektakel. Unmittelbar davor ist auf dem Domplatz der »Jedermann« gestorben und daneben, auf dem Residenzplatz, beginnen wir mit dem Einlass auf den Red Carpet. Es ist ein Black-Tie-Event mit wunderschönen Roben. Bevor man Platz nimmt für das Dinner, begegnet man sich im Hof, wo Exponate ausgestellt sind, die dann zur Auktion kommen. Beispielsweise ein von Elie Saab gestalteter MINI Cooper. Vivienne Westwoods Witwer Andreas Kronthaler hat historische Festspielkostüme reinterpretiert, welche als Lot versteigert werden. Sehen und gesehen werden spielen eine große Rolle. Die Leute werden auf einen außergewöhnlichen Abend im Carabinierisaal eingestimmt, mit Essen der Extraklasse von Dahlman Catering und »Best of Austria«-Weinen von Falstaff. Das Spektakulärste bei einer »amfAR Gala« ist die Auktion, geleitet von Simon de Pury – dem sicherlich besten Auktionator weltweit. Das Ganze ist wie ein Rodeo, gespickt mit Persönlichkeiten, Models, Stars und Künstlern, die Patronanz stehen.
ROSAM: Also die Welt kann einmal wieder auf Salzburg schauen – und das nicht nur auf die Festspiele und den »Jedermann«.
KESZLER: Es wird eine Salzburger Variante der »amfAR Gala«. Ich habe mich gefragt: Wie kann ich die globale Situation – voller Autokraten, Kriege und der Belastung unseres Planeten – in das Entertainment integrieren? In unserer Wohlstandsgesellschaft wird das meiner Meinung nach viel zu leicht genommen. Hofmannsthal mit dem »Jedermann« und die Libretti für Richard Strauss helfen mir sehr. Es ist eine Tischgesellschaft in der Tischgesellschaft. Ich stelle mir die Frage: Was passiert mit den Leuten, nachdem Jedermann gestorben ist? Der »Mammon« ist zwar negativ behaftet, aber letztlich hat das Geld keinen Willen. Und wenn man eine Münze schmeißt, weiß man nicht, auf welcher Seite sie aufschlagen wird. Es entscheidet der Mensch, ob er Werke damit schafft oder ob er es verprasst.
ROSAM: Am Ende dieses »Jedermann« kann man ein gutes Werk tun, mehrere sogar. Es geht ganz einfach: Man kauft einen Tisch oder man spendet. Es ist auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir immer noch haben und in Zukunft noch viel stärker haben sollten. In diesem Sinne: alles Gute und viel Erfolg!
Ein exklusiver Gästekreis von 400 Personen wird am 24. August an der »amfAR Gala« teilnehmen – zunächst in der Salzburger Residenz und im Anschluss im Schloss Leopoldskron, wo die Afterparty stattfindet. Das Team von »Life+« und Obmann Gery Keszler inszenieren den Abend als szenische Abendgesellschaft, in Anlehnung an die Festspielväter Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss.
Highlight einer jeden »amfAR Gala« ist die Auktion, bei der zeitgenössische Kunst, Erlebnisse oder besondere Stücke unter den Hammer kommen, beispielsweise ein MINI Cooper S, der von Designer Elie Saab gestaltet wurde, historische Kostüme der Salzburger Festspiele wurden von Andreas Kronthaler für das Label Vivienne Westwood neu interpretiert und werden als Lot versteigert. Auch unter den Hammer kommt ein Sisi Stern von A.E. Köchert Juweliere, für welchen 5,87ct Altschliffdiamanten, originalgetreu nach historischem Vorbild, in mit Silber doubliertem Gold verarbeitet wurden. Als musikalische Höhepunkte erklingen die originale Costa-Violine und das Clavichord Mozarts. Mit dem Galadinner wurde der Münchener Star-Caterer Ulrich Dahlmann betraut. Es trägt die Handschrift des »Creative Culinary Chef« Yannic Stockhausen. Falstaff kuratiert die Weinbegleitung unter dem Motto »Best of Austria«.
Alle Infos unter lifeplus.org/aktuelle-events