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Otto Gourmet: Auf den Spuren des guten Fleischs

Irland
Fleisch
Reise

Gutes Fleisch mit gutem Gewissen – geht das überhaupt? Stephan Otto von Otto Gourmet reist nach Irland und entdeckt, wie Nachhaltigkeit auf der Weide beginnt – und warum das für Verbraucher heute wichtiger ist denn je.

Stephan Otto und seine Brüder Wolfgang und Michael haben eine Mission: Sie wollen das beste Fleisch der Welt nach Deutschland bringen – nachhaltig, transparent und mit gutem Gewissen. Bei ihnen steht nämlich nicht nur das Produkt selbst im Fokus, sondern auch die Menschen dahinter – und die Prinzipien einer Landwirtschaft, die sich an Qualität, Nachhaltigkeit und Respekt vor Tier und Natur orientiert.

Zum 20-jährigen Jubiläum von Otto Gourmet führt Stephan Otto eine besondere Reise an: Gemeinsam mit Kunden und Kollegen reist er Anfang Mai nach Irland, zu den Quellen der Lebensmittel, die er und seine Brüder in Deutschland an Spitzenrestaurants und Feinschmecker liefern. Im Fokus der Reise: nachhaltige Landwirtschaft, Fleisch in höchster Qualität – und ein besonderer Meeresschatz.

Exklusive Austern

Denn das Otto-Sortiment umfasst nicht nur Fleisch: Auch exklusives Seafood hat seinen Platz im Portfolio gefunden – darunter eine Delikatesse, auf deren Entdeckung die Brüder besonders stolz sind. Denn erst durch Wolfgang Otto fanden die Austern der Carlingford Oyster Company ihren Weg nach Deutschland. Heute sind sie fester Bestandteil vieler Sterneküchen – exklusiv vertrieben von Otto Gourmet.

 

 

Michael, Stephan und Wolfgang Otto.
Foto bereitgestellt.
Michael, Stephan und Wolfgang Otto.

20 Jahre Otto Gourmet

Gegründet 2005 von den drei Brüdern Stephan, Wolfgang und Michael Otto, zählt Otto Gourmet heute zu den führenden Fleischspezialisten Deutschlands. Was mit einem Wagyu-Steak und einer Idee aus der Garage im rheinländischen Heinsberg begann, hat sich zu einer festen Größe in der Spitzengastronomie und bei anspruchsvollen Privatkunden entwickelt.

Der Anspruch: Genuss mit gutem Gewissen. Otto Gourmet arbeitet weltweit mit ausgewählten Züchtern zusammen, setzt auf artgerechte Tierhaltung, lückenlose Rückverfolgbarkeit und Partnerschaften auf Augenhöhe. Neben hochwertigem Fleisch gehören mittlerweile auch Fisch, Seafood und exklusive Genussprodukte zum Sortiment.

2025 feiert das Unternehmen sein 20-jähriges Bestehen – mit Jubiläumspaketen, Sommerfesten und einer kulinarischen Reise durch zwei Jahrzehnte Fleischleidenschaft.

Für Bruder Stephan ist es der erste Besuch im Land der immergrünen Wiesen – und er hat Glück, dass gerade Ebbe herrscht. So kann er nämlich hautnah miterleben, wie »ihre« Austern auf den Bänken vor der Ostküste mit Blick auf Nordirland wachsen. Mit Gummistiefeln gewappnet führt Kian Louët-Feisser ihn durch seinen »Kühlschrank«, wie er die vorderen Austernbänke nennt – und vorbei an seinem Vater, Peter Louët-Feisser, heute 86, der vor rund 50 Jahren anfing, hier Austern zu züchten. Heute kümmert sich der Rentner nur noch um Dinge, die ihm Spaß machen – das eigentliche Geschäft hat er schon vor Jahren an seinen Sohn und dessen Frau abgegeben.

»Die Gezeiten sind unser Boss«

Drei Millionen Austern – etwa 300 Tonnen – werden jedes Jahr auf den rund 30 Kilometern Austernbänken gezüchtet. Nachhaltigkeit steht dabei im Mittelpunkt: von Pflege bis zur Ernte.

 

»Die Gezeiten sind unser Boss«, sagt Kian. Wo er Otto nun durch das Watt führt, bedecken normalerweise fünf Meter Wasser die Muscheln. In drei Jahren wachsen die Austern von einem Gramm auf rund 150 Gramm – langsam, natürlich und mit möglichst wenig Eingriffen. Kriterien, die für Otto Gourmet entscheidend waren, um die Carlingford-Austern in ihr Programm aufzunehmen.

Das Geheimnis: Gras

Von der Küste geht es ins Grüne Herz Irlands – und damit zum eigentlichen Kerngeschäft von Otto Gourmet: hochwertiges Fleisch von Tieren aus verantwortungsvoller Haltung. Irland ist dafür ein idealer Ort. Rund 60 Prozent der Landesfläche dienen als Weideland, sieben Millionen Rinder leben hier – bei nur fünf Millionen Einwohnern. Die Landwirtschaft ist geprägt von kleinen, familiengeführten Betrieben. Und von Gras: Dank des milden Klimas wächst es nahezu ganzjährig – ein natürlicher Vorteil, der sich in der Fleischqualität widerspiegelt. Etwa 50.000 Landwirte nehmen zudem am Qualitätssicherungsprogramm von Bord Bia teil. Die halbstaatliche Handelsagentur, die dem irischen Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, fördert seit 1994 die Vermittlung und Vermarktung irischer Nahrungsmittel, Getränke und landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Sie versteht sich als Bindeglied zwischen irischen Erzeugern und den internationalen Märkten.

Einer dieser Betriebe gehört Ivor Deverell aus Tullamore. »Mein Großvater bekam zur Hochzeit zwei Hereford-Kühe geschenkt – so fing alles an«, erzählt er. Heute hält er mit seiner Familie rund 500 Hereford-Rinder auf 200 Hektar. Fast ihr ganzes Leben verbringen die Tiere auf der Weide. »Je länger sie draußen sind, desto besser für Tierwohl, Klima und Fleischqualität«, sagt er, während er Stephan Otto die Rinder auf der Weide zeigt.

Nachhaltige Weidewirtschaft

Deverell ist Teil der »Irish Hereford Prime«, einer der größten von Landwirten geführten Erzeugergemeinschaften Europas. Wie viele seiner Kollegen nimmt er am »Sustainable Beef and Lamb Assurance Scheme« (SBLAS) von Bord Bia teil, das Betriebe regelmäßig nach Umwelt- und Tierschutzkriterien überprüft.

Ivor Deverell
© Hereford & More
Ivor Deverell

 

Besonders interessiert sich Stephan Otto auf der Reise für die Frage, wie nachhaltige Weidewirtschaft konkret funktioniert – und wie Rinderhaltung zum Klimaschutz beitragen kann. »In der öffentlichen Debatte wird oft zu stark vereinfacht. Eine Kuh wird allein auf ihren Methanausstoß reduziert, ohne das Haltungssystem zu betrachten, das an anderer Stelle vielleicht sogar Kohlenstoff speichert«, erklärt er. Als Vorbild nennt er eine Farm im US-Bundesstaat Georgia, die durch regeneratives Weidemanagement und klugen Gülleeinsatz mehr CO₂ im Boden bindet, als sie emittiert.

Beitrag zum Klimaschutz

Auch Deverell arbeitet daran: Mit der sogenannten »Low Emission Slurry Spreading«-Technik – einer besonders emissionsarmen Gülleausbringung – sorgt er dafür, dass weniger Ammoniak in die Luft gelangt und gleichzeitig mehr Nährstoffe im Boden bleiben. Das Ergebnis: gesünderes Pflanzenwachstum, weniger Düngereinsatz – und ein spürbarer Beitrag zum Klimaschutz.

»Unsere Hauptaufgabe ist, nicht das zu ruinieren, was der Bauer in zwei Jahren aufgebaut hat«

 

Doch nicht nur die Landwirtschaft trägt Verantwortung. Ein wichtiger Partner der irischen Landwirte ist die ABP Food Group, einer der größten Rindfleischverarbeiter Europas. An sieben Standorten in Irland wird hier geschlachtet, verarbeitet – und zunehmend nachhaltig gewirtschaftet: mit eigenen Biogasanlagen, Wasseraufbereitung und dem Ziel, jedes Tier nahezu vollständig zu verwerten.

»Unsere Hauptaufgabe ist, nicht das zu ruinieren, was der Bauer in zwei Jahren aufgebaut hat«, erklärt Richard O’Sullivan, Vertriebsleiter der Region. »All das, was durch Haltung, Fütterung und Zucht verbessert wurde, darf auf dem letzten Meter nicht verloren gehen.«

Eine Mission

Für O’Sullivan steht dabei auch die Rückverfolgbarkeit im Fokus: Jedes Tier lässt sich über einen Code lückenlos bis zum Herkunftsbetrieb zurückverfolgen. Das schafft Vertrauen – und macht Qualität messbar. Nachhaltigkeit, Effizienz und Genuss sollen kein Widerspruch sein, sondern sich gegenseitig bedingen.

»Gemeinsam mit allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette wollen wir daran arbeiten, unseren Kindern einen gesunden Planeten zu hinterlassen – und unseren Kunden Genuss mit gutem Gewissen zu ermöglichen«, sagt Stephan Otto. »Nachhaltiges Wirtschaften, eine transparente Herkunft und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen treiben uns täglich an. Und genau das können wir hier erleben«, findet er. Mit diesem Verständnis und den gewonnenen Einblicken im Gepäck kehrt er zurück nach Deutschland, um seinen Kunden noch besser vermitteln zu können, was gutes Fleisch am Ende ausmacht.


 

Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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