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Pantelleria – Insel des Windes und des Weins

Pantelleria
Sizilien
Wein
Reise

Eine Insel wie kein anderer Ort im Mittelmeer: rau, grün, vom Wind geformt und vom Meer umschlossen. Pantelleria begeistert mit Terrassen voller Reben und Kapern, mit Häusern (Dammusi) aus Lavastein und Aussicht bis nach Afrika. Hier entsteht der Passito di Pantelleria – ein Wein, der die ganze Seele der Insel in sich trägt.

Pantelleria liegt näher an Afrika als an Sizilien – ein schwarzer Vulkanfelsen, geformt von Wind und Meer. Wer hier ankommt, erlebt Reduktion aufs Wesentliche: schwarzer Basalt, tiefblaues Meer, endloser Himmel. Dazu der Wind, der unablässig weht; mal kühl aus dem Norden, mal heiß aus dem Süden. Bent el Riah, Tochter des Windes, heißt die Insel treffenderweise im Arabischen. Der Scirocco aus der Sahara, fährt immer wieder sengend über die Terrassen – und doch überrascht die Insel mit sattem Grün. Auf jahrhundertealten Terrassen wachsen Wein, Oliven, Gemüse und die berühmten Kapern – ein Wunderwerk der Beharrlichkeit.
Ein Wunderwerk ist auch der »Giardino Pantesco«. Orangenbäume reagieren sehr empfindlich auf Wind und bilden dann kaum Früchte. Um die Bäume zu schützen, wurde ringsum bis auf eine Höhe von drei Metern eine mächtige Steinmauer errichtet. So kann Licht und Regen ins Innere, der Wind bleibt draußen. Der Eintritt erfolgt über eine kleine Tür, drinnen stehen ein bis zwei Orangenbäume, die sich hier voll ausbreiten können. Rund 400 solcher Gärten gibt es auf Pantelleria heute noch.

Angewiesen auf Regen

Über Jahrhunderte war Regen die einzige Wasserquelle der Insel. Die typischen Dammusi, kubische Steinhäuser mit weißen Tonnendächern, sammelten über ein raffiniertes System das wertvolle Nass in Zisternen. Heute sorgen Entsalzungsanlagen für Wasser, doch der Geist der Genügsamkeit prägt die Insel weiter. Bekannt wurde Pantelleria nicht zuletzt, weil Giorgio Armani seit Jahrzehnten in Gadir residiert. Ihm folgten viele andere Künstler, Schauspieler, Musiker – doch der Jetset-Charakter blieb der Insel fremd. Das ist wohltuend.

Weinbau als Weltkulturerbe

Das Herz der Insel schlägt in den Weinbergen. Rund 400 Hektar sind mit Zibibbo bestockt, einer aromatischen Spielart des Muskatellers. Die Rebstöcke wachsen nicht in Reihen, sondern ducken sich in kleine Mulden, geschützt vor dem Wind – die Vite ad alberello pantesco (Buschreben), seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe. Jeder Rebstock ist ein kleines Monument der Beharrlichkeit, gepflegt von Menschen, die in gebückter Haltung jede Arbeit per Hand verrichten. Maschinen wären hier fehl am Platz. Über 300 Weinbauern gibt es auf der Insel, die Grundstücke sind klein parzelliert. Die meisten von ihnen geben ihre Trauben an Betriebe weiter, die daraus Wein erzeugen. Von denen existieren ganze acht Stück auf Pantelleria.

Passito – Sonne im Glas

Die Lese erfolgt ab August in mehreren Durchgängen, nur die besten, leicht überreifen Trauben werden gelesen. Danach beginnt die Trocknung – teils noch traditionell unter freiem Himmel, teils in Trocknungstunneln, wo die Früchte kontrolliert vor Wind und Regen geschützt sind. Drei bis vier Wochen schrumpfen die Beeren, verlieren bis zu zwei Drittel ihres Gewichts, gewinnen an Süße, Duft und Komplexität. Am Ende werden die rosinierten Trauben dem gärenden Most mehrfach hinzugefügt – eine mühsame, wochenlange Prozedur, die von Anfang September bis Ende Oktober dauert. So entsteht der Passito di Pantelleria, ein Süßwein, der nicht satt macht, sondern fasziniert: Datteln, Aprikosen, kandierte Orangenschalen, Honig und Mandeln, doch immer durchzogen von einer salzigen, mineralischen Spannung, die ihn einzigartig macht.

Produzenten und Stile

Die Stile unterscheiden sich deutlich. Donnafugata setzt beim legndären Ben Ryé auf kürzere Trocknung und mehr Zugabe rosinierter Trauben – das Ergebnis ist frischer, blumiger, eleganter als viele andere Passiti. Eine Vertikale der Jahrgänge von 2021 bis 2008 zeigt die Vielfalt: vom vibrierend fruchtigen 2021 mit kandierten Zitrusnoten bis zum würzig-salzigen 2008 mit Anklängen von Tabak und Kapern. Salvatore Murana hingegen füllt gleich drei Passiti ab – vom duftigen „Mueggen“ bis zum hochkonzentrierten „Creato“. Pellegrino interpretiert die Tradition im größeren Maßstab, De Bartoli wiederum setzt mit seinem „Bukkuram“ auf kompromissloser Strenge. Allen gemeinsam ist: Ohne Sonne und Wind, ohne Handarbeit, wäre dieser Wein nicht denkbar.

Kapern – köstliche kleine Schätze

Wie der Wein sind auch die Kapern ein Symbol dieser Mühsal. Jede einzelne kleine Knospe wird im Morgengrauen gepflückt, da ist die Hitze noch erträglich. Bis ein ganzer Eimer gefüllt ist, vergeht endlose Zeit. In Salz konserviert, tragen sie das Aroma Pantellerias weit hinaus – ein würziger Gruß der Insel.

Fazit – Ein Element für sich

Pantelleria ist keine Insel für Eilige. Sie verlangt Hingabe, Geduld, Aufmerksamkeit. Doch wer früh am Morgen in warmen Quellen von Gadir taucht, wer abends in Scauri den Sonnenuntergang bestaunt und dabei einen Passito im Glas hält, versteht: Pantelleria ist nicht nur ein Ort. Pantelleria ist ein Element.


Adressen

WEIN

Donnafugata
Der Pantelleria-Ableger des bekannten Betriebes in Marsala. Mittlerweile der größte Weinbaubetrieb der Insel. Legendär ist der Passito “Ben Ryé”, der seit 1989 erzeugt wird.
Contrada Khamma fuori, 6
91017 Pantelleria (TP)

Salvatore Murana
Salvatore Muranas Betrieb liegt in Khamma, an der Ostküste. Er erzeugt neben mehreren köstlichen Passiti auch einen überzeugen trockenen Weißen aus Zibibbo: Gadir.
Salita Mueggen, 11
91017 Pantelleria (TP)

Marco De Bartoli
Auch Marco de Bartoli zählt zu den Wein-Pionieren auf Pantelleria. Bukkuram, so der Name des Weins und auch der Ortschaft, ist ein Wein voll Kraft und Feuer.
Via S. Michele
91017 Pantelleria (TP)

Weingut Pellegrino
Auch dies ein Ableger des bekannten Betriebes in Marsala. Die Cantina liegt am westlichen Ausgang des Hauptortes. Abends kann man hier bei einem Glas Passito die Sonne glühend Rot im Meer versinken sehen.
Contrada Cuddie Rosse
91017 Pantelleria (TP)

ESSEN

Il Principe e il Pirata
Zwischen Khamma und Punta Karace mit traumhafter Sicht aufs Meer. Die Familie Casano serviert hier allerlei vom Meer auf höchsten Genussniveau. Sehr empfehlenswert ist das Cous Cous di mare.
Località Punta Karace, 5
91017 Pantelleria (TP)

La Nicchia / Dispensa Pantesca
Zwei Lokale, die eigentlich eins sind. In der Dispensa werden Aperitivs getrunken, während man zuschaut, wie die Sonne als roter Ball versinkt. Im La Nicchia kann man dann fein Speisen.
Contrada Scauri Basso, Salita San Gaetano, 11
91017 Pantelleria (TP)

Trattoria Runcune
Etwas versteckt in der kleinen Ortschaft Khamma, das Weingut Donnafugata ist nur einen Steinwurf entfernt. Unter großen, schattenspendenden Bäume kann man herzhafte Gerichte der Insel genießen.
Via Roncone Pigna, 22
91017 Pantelleria (TP)

La Vela Restaurant
Rustikales aber sehr herzliches Lokal unmittelbar am Meer gelegen. Scheint abgelegen, abends jedoch gerammelt voll. Ohne Reservierung geht gar nichts.
Via dello Scalo, 31
91017 Scauri (TP)

SCHLAFEN

Pantelleria Dream Resort
Großzügiges Resort mit zwei Außenpools, Sonnenterrasse und knapp 40 traditionellen Dammuso-Steinhäusern, die locker im Gelände verteilt sich. Die Buchten von Gardir und Karace sind nicht weit. Das Restaurant Acquamore bietet feine Küche und ist auch für nicht Hotel-Gäste offen.
Via dei Mennuli, snc
91017 Pantelleria (TP)

Kirani Resort
Weitläufige Anlage unweit des Hauptortes, in der Nordwestecke der Insel. Gewohnt wird in traditionellen Steinhäusern. Von der etwas erhöhten Lage hat mein einen vorzüglichen Rundblick.
Via Palazzetto Errera
91017 Pantelleria (TP)


Othmar Kiem
Othmar Kiem
Direktor Falstaff Italien
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