Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Tödliche Verwechslung: Champagner-Prozess endet ohne Schuldigen

Champagner

Ein Toter und sieben Verletzte nach einem Glas Champagner: Das Landgericht Weiden hat den Angeklagten im MDMA-Prozess freigesprochen. Ihm konnte schlichtweg keine Schuld nachgewiesen werden.

Es war ein Vorfall, der das blinde Vertrauen in versiegelte Korken erschütterte: Im Februar 2022 verwandelte sich ein geselliger Abend in einem Weidener Restaurant in eine Tragödie, als eine Drei-Liter-Flasche Champagner die Runde machte. Doch statt edler Perlage enthielt das Glas eine tödliche Dosis flüssiges MDMA. Vier Jahre nach der Tat und Monate nach Prozessbeginn ist nun das Urteil gefallen: Freispruch für den angeklagten Niederländer.

Nach 21 Verhandlungstagen vor dem Landgericht Weiden steht fest, dass die Beweisaufnahme der Staatsanwaltschaft in sich zusammengebrochen ist. Dem 46-jährigen Mann, der als Logistiker eines internationalen Drogenrings angeklagt war, konnte eine unmittelbare Beteiligung am Vertrieb der tödlichen Flasche nicht nachgewiesen werden.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Strafkammer war vor allem die mangelnde Glaubwürdigkeit eines Hauptbelastungszeugens. Da kein zweifelsfreier Nachweis erbracht werden konnte, verlässt der Angeklagte den Gerichtssaal nicht nur als freier Mann, sondern hat zudem Anspruch auf eine Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft.

Unkontrollierbares Risiko

Der Fall wirft ein grelles Licht auf die Schattenseiten globaler Warenströme. Die präparierte Flasche, die ursprünglich in einem Lager im niederländischen Arnheim als Tarnung für den Schmuggel diente, war fälschlicherweise in den regulären Handel und schließlich in die Gastronomie gelangt. Äußerlich unversehrt und professionell verkorkt, war die Gefahr beim Einschenken nicht zu erkennen.

Acht Gäste tranken an jenem Abend von der hochkonzentrierten Ecstasy-Lösung. Für einen Gast endete der vermeintliche Luxus-Moment tödlich, die anderen überlebten nur dank sofortiger intensivmedizinischer Hilfe.

Während die Verteidigung von einem »Sieg des Rechtsstaats« spricht, bleibt die Frage, wer die Verantwortung für die tödliche Manipulation und das Inverkehrbringen der Flasche trägt, auch nach 40 Zeugenaussagen und drei Sachverständigengutachten unbeantwortet.


Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 12