Ein Jahrhundert Ruinart
2023 wurden im Keller von Paul Bocuse 18 Flaschen Ruinart Brut Millésimé 1926 entdeckt. Der damalige Kellermeister des Hauses, Frédéric Panaïotis, holte die Flaschen in die legendären Crayères nach Reims zurück. Nach seinem unerwarteten Tod im vergangenen Jahr lud nun seine Nachfolgerin Caroline Fiot zu einer denkwürdigen Verkostung in die Maison Ruinart ein.
2023 entdeckte Maxime Valery, Sommelier des Restaurants Bocuse in Lyon, bei einem Kellerputz 18 Flaschen Ruinart Brut Millésimé 1926 – den Geburtsjahrgang der Kochlegende Paul Bocuse. Man kann sich nur ausmalen, wie der damalige Kellermeister Frédéric Panaïotis reagierte, als er von dem Fund erfuhr. Er holte die Flaschen persönlich in die legendären Crayères nach Reims zurück und begann, eine Verkostung zu planen, die sich über ein ganzes Jahrhundert spannen sollte. Nach seinem unerwarteten Tod Mitte 2025 fiel diese Ehre seiner Nachfolgerin Caroline Fiot zu. «Ich weiss nicht, wie Frédéric es gemacht hätte», sagte sie sichtlich gerührt, «aber ich habe mich entschieden, es auf meine Weise zu tun.»
Fiot führte durch eine Vertikalverkostung von acht Jahrgängen – zwischen 2016 und 1926 –, gespickt mit Anekdoten aus der Geschichte des Hauses, der Champagne und der Welt. Viele der älteren Jahrgänge wurden noch am Morgen des Anlasses von Hand degorgiert. «Ich entdecke die Weine genauso wie ihr», sagte Fiot – und das war keine Koketterie: Einige der Flaschen hatte sie selbst erst kurz zuvor in vergessenen Kellerwinkeln aufgespürt. «Ich habe regelrecht Archäologie im Keller betrieben – mit Codes auf den Etiketten und dem Archivteam haben wir die Schätze gefunden.»
70-jähriges Highlight
Den stärksten Eindruck hinterliess der 1956er: ein Jahrgang, der unter widrigsten Bedingungen entstand – Fröste bis minus 30 Grad, Botrytis während der Ernte. Im Glas überraschte er mit einer Lebendigkeit, die niemand erwartet hatte. 1956 war Ruinart offizieller Champagner des Filmfestivals von Cannes – die Schauspielerin Kim Novak wurde in jenem Jahr mit einer Flasche fotografiert. Glamour und Grazie, die der Wein im Glas noch immer ausstrahlt.
Den Abschluss bildete der 1926er. «Es war ein gutes Jahr, aber kein grosses», hatte Kellermeister Maurice Hazart seinerzeit lapidar notiert. Das Jahr selbst war alles andere als unhistorisch: Paul Bocuse kam zur Welt, in der Champagne wurden nach den Verheerungen des Ersten Weltkriegs erstmals die Grenzen der Appellation festgelegt, bei Ruinart übernahm Gérard Ruinart de Brimont die Präsidentschaft von seiner Mutter Charlotte. Hundert Jahre später landete dieser Champagner im Glas – das Prickeln war verschwunden, doch es blieb ein Duft von kandierten Früchten, Aprikose und eine Frische, die alle Erwartungen übertraf. «Extraordinaire», war sich die Verkosterrunde einig.
51100 Reims
Frankreich