»Addiert« wird in diesem höchst ungewöhnlichen neuen Restaurant so einiges. Da wäre mal das Betreiberpaar Jungyun Kim und Jaeho Jung, das sich seine eheliche Addition in die Trauringe eingravieren ließ. Dann die Idee, österreichische und europäische Elemente mit der Küchen-tradition Koreas zu vermählen. Ein wenig Japan zählt auch noch dazu, kennt man
solche Theken-Restaurants mit Omakase – sprich mit definierter Menüfolge – doch primär aus dem fernöstlichen Inselstaat. Hier im Ein-Raum-Lokal am Wiener Franz-Josefs-Kai läuft das so ab: Maximal acht Gäste sitzen am L-förmigen Tisch um die Küche, das Menü zu neun Gängen kommt auf 170 Euro. Punkt 19 Uhr geht’s für alle los. Erfahrungen sammelten Kim und Jung im Zuge ihres »Asiana Prjkt«, ausgehend vom Asia-Markt »Asiana« tauchten die zwei immer wieder mit Pop-ups auf, etwa im »Café Kandl« oder am Weingut Neumeister in Straden. Nach Jahren der gastronomischen Wanderschaft wollte man stationär werden. Für die Beschaffung von Küchenutensilien und allerlei sonst war es hilfreich, dass Jungyun Kim bei der Wiener Station von »Korean Air« werkt und viele Flüge lang kofferweise Dinge importieren konnte. Ihr Mann, der fast lautlos und scheinbar tiefenentspannt die aufwendig komponierten Gänge fabriziert, addierte seine Erfahrungen u. a. im »Steirereck« oder dem Drei-Sterner »Mingles« in Seoul. Wer auf den schweren und harten Vollholzsesseln Platz genommen hat, wird mit einer Speisenfolge von durchdachter Leichtigkeit belohnt. Auf einen gaumenreinigenden Reiskrustentee folgt ein Wachtelei auf Meeresalgen mit Farnspitzen und Perillaöl. Dann taucht erstmals landestypische Schärfe und Intensität auf: Rohe Makrele von erster Güte kommt mit Sancho-Würze, Sesamöl und Gurke. Aufregend gut: ein Chorizo-Donut mit der fermentierten scharfen Gochujang-Würzpaste und Korianderblüten. Das berühmte Korean Barbecue gibt’s in Gestalt von Schwein mit mildem weißem Baek-Kimchi, Knoblauchstängeln und Knollenziest. Eine Getränkefolge kann man um 69 Euro zubuchen, da kommen etwa Gläser von Champagne Philipponnat, den Kellerkünstlern oder Christian Tschida. Die Weinkarte ist (noch) recht klein, aber mit Grips zusammengestellt. Darauf Weine von Envinate aus Teneriffa, die tollen reifen Riojas von López de Heredia oder für größere Budgets Domaine de Chevalier oder Chardonnay von DuMol. Nicht verpassen sollte man ein Glas vom Reiswein Song I Ju, dem Shiitake und Angelikawurzel sein markantes Aroma verleihen.