Ein »O« und ein »Y« leuchten sanft über der Tür: »Oy«. Der Ausruf wird in verschiedensten Sprachen unterschiedlich genutzt, vermittelt aber stets eine Emotion – so erklärt Küchenchef Robin Yeoman die Namensgebung. Gemeinsam mit Gastgeber Joscha Rozsa hat er in diesem Sommer die stadtbekannte »Williams«-Bar in Unterbilk übernommen – und daraus einen lässigen Ort für verdammt gute Küche geschaffen. Zugegeben: Das Interieur lässt die hohe Kochkunst nicht auf Anhieb erahnen. Rustikales Holzmobiliar, unverputzte Backsteinwände, Papierservietten – mehr Kneipe als Fine Dining. Doch ein Blick auf die Karte genügt, um zu erkennen: Hier verfolgt der Koch große Ambitionen. Als Entree bestellen wir Austern mit Nuoc Cham, einer vietnamesischen süßsauren Dipsauce aus Fischsauce, Knoblauch, Limettensaft, Chili und Essig. Hier dient sie als feine Festgarderobe für die frischen Muscheln, ummantelt mit Feigenblattöl und garniert mit Forellenkaviar. Der gegrillte Oktopus als Hauptgang kommt mit ungewohnten libanesischen Anleihen daher: auf Hummus, begleitet von Spiralpaprika, Rosinen und knusprigem Fladenbrot. Eine Kombination aus Schlotzigkeit und Knusprigkeit, aus Cremigkeit und Würze – genau jene Balance, die man sich von einem orientalisch inspirierten Gericht wünscht. Ungewöhnlich ist auch der Markknochen – lässig halbiert, im Ofen geschmort und mit Rotgarnelen, knuspriger Panatura und Schnittlauch veredelt. Dazu ein frischer Petersiliensalat, der die opulente Fülle elegant abfedert. Die Weinkarte, bislang rund hundert Positionen stark – dazu etwa 25 im offenen Ausschank –, setzt ihren Schwerpunkt auf Deutschland, Österreich und Frankreich und befindet sich insgesamt noch im Aufbau.