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»Looksmaxxing«: Wenn Selbstoptimierung gefährlich wird

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Immer mehr, vor allem junge Männer, greifen zu drastischen Mitteln, um ihr Aussehen zu »optimieren«. Experten warnen vor den Folgen für Körper und Psyche.

Was als Skincare- und Fitness-Trend auf TikTok begann, hat sich zu einer Bewegung mit ernsten gesundheitlichen Risiken entwickelt. Der Begriff »Looksmaxxing« stammt ursprünglich aus Bodybuilding- und Incel-Foren und beschreibt den Versuch, das eigene Aussehen mit allen verfügbaren Mitteln zu maximieren. Über TikTok und Instagram ist die Praxis inzwischen im Mainstream angekommen. Dabei wird häufig zwischen »Softmaxxing« – etwa Hautpflege, Styling oder Sport – und »Hardmaxxing« unterschieden, worunter chirurgische Eingriffe bis hin zu Methoden zur Veränderung der Knochenstruktur fallen.

Was genau ist Mewing?

Die vielleicht bekannteste Softmaxxing-Übung ist das sogenannte »Mewing«. Benannt ist die Technik nach dem britischen Zahnarzt John Mew, der sie gemeinsam mit seinem Sohn Mike Mew im Rahmen einer Methode namens »Orthotropics« entwickelte, wie die American Association of Orthodontists (AAO) darlegt. Die Übung selbst ist simpel: Die Zunge wird flach an den gesamten Gaumen gepresst, die Lippen bleiben geschlossen, die Zähne berühren sich leicht oder liegen minimal auseinander. Diese Haltung soll dauerhaft, im Idealfall den ganzen Tag über und auch im Schlaf, eingenommen werden. Die dahinterstehende Theorie besagt, dass dieser Zungendruck die Kieferentwicklung beeinflusst und so zu einer markanteren, schmaleren Kieferlinie führen soll.

Was die Forschung tatsächlich zeigt

An belastbaren wissenschaftlichen Belegen mangelt es deutlich: Die AAO betont, dass es kaum Evidenz für die versprochene Kieferformung gebe, da Gesichtsstruktur von einem komplexen Zusammenspiel aus Genetik, Knochenwachstum und Muskelentwicklung abhänge. Auch die Cleveland Clinic kommt laut der dort zitierten Ärztin Dr. Clayton zu dem Schluss, dass keines der mit Mewing verbundenen Versprechen durch Forschung gestützt wird.

Bemerkenswert ist zudem, dass sowohl John Mew (2017) als auch sein Sohn Mike Mew (2024) vom britischen General Dental Council aus dem Zahnärzteregister gestrichen wurden. Wie die britische Nachrichten-Website »The Independent« berichtet, stufte das zuständige Gremium Mike Mew nach einer siebenjährigen Untersuchung als »Risiko für die öffentliche Sicherheit« ein, da er Behandlungen ohne wissenschaftliche Evidenzgrundlage durchgeführt habe. Auslöser war unter anderem der Fall eines sechsjährigen Patienten, der während der Behandlung »anfallsähnliche Episoden« erlitten haben soll. Zudem warnt die AAO davor, bei tatsächlichen Kiefer- oder Bissproblemen auf Mewing statt auf eine fachärztliche Abklärung zu setzen.

Hardmaxxing als Extrem

Am äußeren Rand der Bewegung findet sich schließlich das »Hardmaxxing«: Von chirurgischen Eingriffen bis zu selbst durchgeführten, gesundheitsgefährdenden Methoden zur Veränderung der Gesichtsknochen. Diese Praktiken betreffen zwar nur einen kleinen, dafür umso radikaleren Teil der Szene, sorgen aber für die mediale Aufmerksamkeit, die dem Trend insgesamt zuteilwird. Wie eine in The Conversation veröffentlichte Analyse einer Mental-Health-Expertin zeigt, ähneln solche extremen Verhaltensweisen in ihrer Struktur Symptomen von Essstörungen und der körperdysmorphen Störung – ein Hinweis darauf, dass hinter dem vermeintlichen Beauty-Trend oft mehr steckt als der Wunsch nach einem gepflegten Äußeren.

Für Eltern, Pädagog:innen bedeutet das: Looksmaxxing sollte nicht als kurioser Internet-Trend abgetan werden, sondern als ernstzunehmendes Warnsignal für psychische Belastung.


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