Trend »Glow Juice«: Das steckt wirklich dahinter
Auf TikTok kursiert gerade ein simpler Drink aus Kokoswasser, Karottensaft und etwas Zitrone, der angeblich für strahlende Sommerhaut sorgen soll. Wir haben überprüft, was wirklich dran ist!
Ein Glas Kokoswasser, ein Schuss frisch gepresster Karottensaft, etwas Zitrone – fertig ist der Drink, der gerade unter dem Namen »Glow Juice«, »Skincare-Drink« oder »Bare Face Summer Drink« durch Instagram und TikTok geht. Die Idee dahinter: Wer ihn regelmäßig trinkt, soll auch ohne Make-up einen gesunden, strahlenden Teint bekommen. Doch hält der Trend wirklich, was er verspricht?
Mit Karotten zum Sommer-Teint?
Der wissenschaftlich interessanteste Teil des Trends betrifft die Karotten. Beta-Carotin, der Pflanzenstoff, der Karotten ihre orange Farbe verleiht, lagert sich bei regelmäßigem Verzehr messbar in der Haut ein und verändert deren Farbton in Richtung Gelb. Mehrere Studien einer Forschungsgruppe der University of St Andrews haben gezeigt, dass Menschen diese leicht gelblich-orange Hautfärbung tatsächlich als gesünder und attraktiver wahrnehmen als einen reinen Bräunungston. Laut einer weiteren Studie lässt sich bereits ein moderater Anstieg des Obst- und Gemüsekonsums um etwa zwei Portionen täglich in der Hautfarbe objektiv nachweisen.
Wer es mit dem Karottensaft übertreibt, riskiert jedoch eine sogenannte Karotinämie: eine gelb-orange Verfärbung vor allem an Handflächen und Fußsohlen, die durch überschüssiges Beta-Carotin im Blut entsteht. Sie gilt als harmlos und bildet sich zurück, sobald weniger Beta-Carotin aufgenommen wird, ist aber ein Hinweis darauf, dass »viel hilft viel« hier nicht gilt. Ernährungsempfehlungen bewegen sich meist im Bereich von 100 bis 200 Millilitern reinem Karottensaft täglich. Außerdem ist zu bedenken, dass Karottensaft naturgemäß recht zuckerhaltig ist, da beim Pressen ein Großteil der Ballaststoffe verloren geht, die den Zuckeranstieg im Blut sonst abbremsen würden.
Kokoswasser: Wundermittel für die Haut?
Kokoswasser wird im Trend vor allem als Feuchtigkeitsspender für die Haut »von innen« beworben. Was tatsächlich belegt ist: Kokoswasser enthält vergleichsweise viel Kalium, Natrium, Magnesium und Kalzium und eignet sich dadurch als natürliche Flüssigkeitsquelle. Mehrere kontrollierte Studien haben gezeigt, dass Kokoswasser nach sportlicher Belastung ähnlich gut rehydriert wie klassische Elektrolytgetränke oder sogar normales Wasser. Ein direkter, eigenständiger Effekt auf das Hautbild ist damit aber nicht automatisch verbunden – gute Flüssigkeitsversorgung wirkt sich generell positiv auf die Haut aus, unabhängig davon, ob die Flüssigkeit aus Kokoswasser oder aus Leitungswasser stammt.
Zitrone: Geschmack und ein bisschen Vitamin C
Die Zitrone im Drink liefert vor allem Geschmack und etwas Vitamin C, das an der körpereigenen Kollagenbildung beteiligt ist. Ein signifikanter, eigenständiger Hauteffekt durch die kleine Menge Zitronensaft in einem Glas Saft lässt sich aus der aktuellen Studienlage aber nicht ableiten, dafür wäre die Dosis in der Regel zu gering.
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Foto beigetselltFazit zum »Glow Juice«
Der Trend ist in seinem Kern nicht unseriös: Sowohl der Karotten-Effekt auf die Hautfarbe als auch der Hydratationseffekt von Kokoswasser sind wissenschaftlich dokumentiert. Wer den Drink regelmäßig über mehrere Wochen trinkt, kann tatsächlich mit einer sichtbar wärmeren, gesünder wirkenden Hautfarbe rechnen. Wichtig ist aber die Erwartungshaltung: Der Effekt braucht Zeit und Konsistenz, er ersetzt keine Hautpflege oder ausgewogene Ernährung, er ist in erster Linie eine optische Veränderung der Hautfarbe und sollte in Maßen genossen werden, schon allein wegen des Zuckergehalts von Karottensaft.
Rezept zum Selbermachen: »Bare Face Summer Drink«
Zutaten für 1 Glas:
- 150 ml Kokoswasser
- 80 ml frisch gepresster Karottensaft
- 1 TL frisch gepresster Zitronensaft
- 3 Eiswürfel
- Karottengrün oder Minzblätter zum Garnieren
Zubereitung:
- Etwa 2 mittelgroße Bio-Karotten waschen, schälen und im Entsafter oder Mixer zu Saft verarbeiten. Bei Verwendung eines Mixers den Saft anschließend durch ein feines Sieb oder Tuch passieren.
- Eine halbe Zitrone auspressen, davon 1 Teelöffel abmessen.
- Die Eiswürfel in ein hohes Glas geben. Kokoswasser, den frischen Karottensaft und den Zitronensaft darübergießen und kurz umrühren.
Tipp: Am besten frisch zubereiten und zügig trinken, da Karottensaft schnell an Nährstoffen verliert und binnen weniger Stunden zu oxidieren beginnt. Für mehr Süße kann ein kleines Stück Ingwer mitgepresst werden – das verändert allerdings den Geschmack deutlich und ist nicht Teil des Original-Trends.