Daniela Auerbach: »Das eigene Kreativpotenzial sollte man leben«
Von vorne zu beginnen darf auch leicht sein, und es darf Neues zum Vorschein bringen. So erging es der studierten Juristin und Betriebswirtin Daniela Auerbach, als sie 2020 einen Raum in ihrer Heimatstadt Bad Ischl für sich eroberte und zur Galerie umfunktionierte. »Am Fluss« fungiert seither als Inkubator für Design, Kunsthandwerk und zeitgenössischer Kunst in einer Region, die dem Brauchtum nach wie vor stark verpflichtet ist. LIVING sprach mit der Gründerin und Kuratorin.
Bad Ischl ist ein Ort, bei dem mehr als anderswo im Salzkammergut die Perspektive auf die Vergangenheit gerichtet scheint, verbrachte doch Kaiser Franz Josef I. 62 Sommer seines Lebens in der dortigen Kaiservilla, seiner Sommerresidenz, die bis heute die Hauptsehenswürdigkeit des Ortes darstellt. Die Architektur der alpinen Sommerfrische ist im Städtchen trotz diverser Bausünden noch immer deutlich sichtbar. Die Villen mit ihren kunstvoll verzierten Holzveranden sind längst in ganzjährig bewohnte Mehrparteienhäuser umgewandelt und erzählen doch mit ihrer Patina aus vergangener Zeit. Der Traunfluss, eskortiert von einem resedagrünen, antiken Eisengeländer, bahnt sich klar wie eh und je seinen Weg durch die idyllische Kurstadt und ausgerechnet an der Stelle, wo der Ausblick auf den Bad Ischler Hausberg, der Katrin, besonders pittoresk ausfällt, befindet sich ein Raum, der nunmehr als Galerie »Am Fluss« mit zeitgenössischer Kunst, Design und Handwerkskunst von deren Gründerin und Kuratorin Daniela Auerbach bespielt wird.
Vom Impuls zur Umsetzung
Dass es so kam, ist einer glücklichen Fügung zu verdanken, denn während der Pandemiezeit 2020 verbrachte die Wahlwienerin und Unternehmensberaterin Daniela Auerbach vermehrt Zeit in dem Ort ihrer Kindheit. Bei einem Spaziergang entlang der Bad Ischler Esplanade fiel ihr auf, dass ein Geschäftslokal, das lange als Schneiderei gedient hatte, nunmehr verwaist war. Schon lange schlummerte in ihr der Wunsch, die eigene Affinität zu Kunst, Kultur und Lebensart stärker zu leben und mit anderen auf inspirierende Weise zu teilen. Mittlerweile hat sich die daraus hervorgegangene Galerie »Am Fluss« überregional als Plattform für Kreative und publikumsseitig als Ort des Kunstdialogs etabliert, denn die Menschen vor Ort schätzen das engagierte Programm als Fenster ins kreative Außen. Wechselausstellungen aus den Sparten Design, Kunsthandwerk und Kunst bringen abwechslungsreiche Inspirationsquellen in das Städtchen im Salzkammergut.
LIVING: Wie kam es zu der Idee aus einer persönlichen Leidenschaft einen konkreten Galerieraum zu konzipieren?
Daniela Auerbach: Kunst und Kultur beschäftigen mich mein ganzes Leben. Ich bin in einem offenen Haus aufgewachsen, in dem ein Mix aus Menschen eine salonartige Atmosphäre schuf. Treibende Kraft dahinter war vor allem meine Mutter, ein wacher, kunstsinniger Geist. Von daher war mir Kunst und Kreativität seit jeher vertraut; ebenso ein kultivierter Haushalt und ein schöngeistiger Lebensstil. Dennoch nehme ich diese Dinge nicht als selbstverständlich war.
Sie selbst haben mit dem Studium der Rechtswissenschaften bzw. der Betriebswirtschaft eine Ausbildung zur Ökonomin absolviert.
Genau, allerdings hat mich die Kunst immer begleitet. In meiner Berufstätigkeit als Unternehmensberaterin habe ich stets Künstler:innen in den Wirtschaftsalltag miteinbezogen und beispielsweise Kunst in Vorstandszimmer gebracht. Ich fungierte oftmals als eine Art Brückenbauerin zwischen Kreativen und der Wirtschaft. Dieser Aspekt ist ein integraler Bestandteil der Sommerfrische und seiner Salons, in der Geldgeber:innen und Kreative ihre Ideen austauschten und gemeinsam an der Umsetzung feilten. Der Dialog ist auch in meiner Galerie ein Kernpunkt. Sie ist eine Plattform des Austauschs, denn im Gespräch über Kunst öffnen sich die Menschen - vom Kind zum Junggebliebenen. Es geht um Wahrnehmung und Empfinden, Themen die ansonsten im Alltag für gewöhnlich nicht miteinander geteilt werden.
2020 haben Sie den bestehenden Galerieraum entdeckt. Wie war der Start?
Eine verrückte Sache, denn es war während Corona, alles zu hatte. Nur ich habe quasi aufgesperrt. Ich wollte schon länger dieses Potenzial in mir leben. Die Idee einer Pop-up Galerie gemeinsam mit einer Freundin, hat sich nicht realisiert, doch der Gedanke daran ist mir erhalten geblieben und in mir gewachsen. Als ich den Raum entdeckte, war für mich klar, dass ich ihn anmiete. Erst danach hat sich das Konzept mit wechselnden, genreübergreifenden Ausstellungen, von mir kuratiert, konkretisiert.
Wie sind Sie an die Programmplanung herangegangen?
Ich konnte auf ein großes Netzwerk an Kreativen und Künstler:innen zurückgreifen, denen ich während meiner Beratertätigkeit oder als interessierte Kulturkonsumentin begegnet war. Künstler und Designer wie Helldenmut, Roger Gressl oder Theodora Gyöngyi kannte ich bereits. Heute können sich Kreative bewerben, wenn die Lust vorhanden ist, gemeinsam etwas zu machen, werden die Ideen für eine Ausstellung konkretisiert. Wenn man keine gemeinsame Linie findet, geht es nicht. Denn ich mache die PR und trage die Veranstaltungen weiter, begleite sie. Ich muss dahinter stehen können. Grundsätzlich gibt es bei mir einen Mix aus Kunst, Design und Lebensstil zu sehen. Jedenfalls sind es handgefertigte Unikate. Die Galerie ist dafür eine Plattform an einem herrlichen Ort, die ich auf Zeit zur Verfügung stelle.
In diesem Jahr tragen Bad Ischl und 22 weitere Gemeinden des Salzkammerguts den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2024. Inwiefern hat dieses Ereignis die Planung beeinflusst?
Die Galerie ist eine permanente Einrichtung, die unabhängig davon stetig wächst. In diesem Jahr sind bis auf einen Künstler - Roger Gressl - ausschließlich weibliche Positionen im Programm. Ich zeige beispielsweise Malereien von Sonja Dieplinger, Naomi Kalwil oder Petra Forman, das Atelier Núela von Manuela Peressutti bringt Mode mit, Theodora Gyöngyi und Hannelore Houdek sind mit Schmuck dabei, Christine Mittermayr fertigt Porzellan und so weiter.
Neben den Ausstellungen veranstalten Sie auch Salongespräche. Wie kam es dazu?
Der Impuls kommt, wie gesagt, sicherlich aus meinem Elternhaus. Gerade hatte ich mit Marie-Theres Arnbom in Kooperation mit der Spängler Bank einen diskursiven Abend mit dem Titel »Salonieren damals - Networking heute«. Ich möchte diese Salons zeitgemäßer, sprich offener arrangieren. Jeder, der interessiert ist, ist willkommen.
Am Fluss
Hasnerallee 2, 4820 Bad Ischl
instagram.com/am_fluss/
Die kommenden Veranstaltungen der Galerie:
Naomi Kalwil, Malerei
»Jeder ist irgendwie«
11. bis 21. Juli 2024
Atelier núela I Mode & Roger Gressl I Malerei
25. Juli bis 4. August 2024
Theodora Gyöngyi, Glasperlenschmuck
»Chryalis«
7. bis 11. August 2024
J.b. Filz - Duftkultur seit 1809
12. bis 18. August 2024
Christine Mittermayr I Porzellan, Verena Schatz I Glas und Gudrun Stolz I Schmuck
»Flussglitzer«
29. August bis 15. September 2024
Andrea Bleckenwenger I Malerei, Doris Schmölzer I Tonfiguren
»Weib(s)BILDER«
3. bis 13. Oktober 2024
Salon Auerbach I Salongespräch
»Frauen in der Kunst«, Alte Kurdirektion
17. Oktober, 19 Uhr
Ina Loitzl I Textilobjekte, Cutouts & Petra Forman I Malerei
»Farbenprächtiger Kunstsalon«
17. bis 20. Oktober