Die Lavalampe wird 60
Wer sie hat, der braucht keine Drogen, meinte der Erfinder der Lavalampe, die seit den 1960er-Jahren ein Kultobjekt ist. Zum 60. Geburtstag gab es eine limitierte Edition, die sich blendend verkaufte. Was macht den zeitlosen Reiz dieser hippieartigen Retro-Leuchte aus?
Abgespact ist das richtige Wort für einen Designklassiker, der ein Lebensgefühl zwischen Kunst und Kitsch verkörpert: Die bunten Blasen der Lavalampe scheinen schwerelos zu schweben. Es hat etwas Meditatives, dem bunten Wachs zuzusehen, wie es aufsteigt und wieder absinkt und dabei psychodelische Flowerpower ins Eigenheim zaubert. Wer eine Astro Lamp besitzt, so der ursprüngliche Name der 1963 in Südengland entstandenen Kultleuchte, der braucht keine Drogen, meinte schon Erfinder Edward Craven Walker.
FLUIDES LEBENSGEFÜHL
Walker, selbst ein ziemlich schrulliger Typ, der Unterwasser-FKK-Filme drehte und gern mit einem Feuerwehrauto unterwegs war, hatte den Zeitgeist zum Leuchten gebracht. Seine Astro Lamp verkörperte das fluide, spacige Lebensgefühl der Swinging Sixties, sie passte perfekt in ein Aufbruchsjahrzehnt der freien Liebe, rebellischen Musik und politischen Hippie-Diskussionen. »Es ist wie der Zyklus des Lebens. Es wächst, zerbricht, fällt zusammen und fängt dann wieder von vorne an«, beschreibt der Erfinder die Magie seines Produkts. Kein Wunder, dass sie auch in Fernsehserien wie »Dr. Who« oder »Mit Schirm, Charme und Melone« waberte. Sie wirkte wie eine außerirdische Rakete, die auf unserem Planeten gelandet war. Sie spendete nicht profan Licht, sondern sorgte für Atmosphäre. Und passte perfekt in die futuristischen Wohnlandschaften eines Verner Panton. Entstanden ist sie, wie viele schräge Erfindungen, durch eine zufällige Beobachtung. Walker, ein Exzentriker und Tüftler aus Passion, saß in seinem Lieblingspub. Er beobachtete eine selbst gebastelte Eieruhr, in der geschmolzenes Wachs als Zeitmesser eingesetzt wurde. Danach verbrachte er Jahre damit, die richtige Formel und Form für die Lavalampe zu entwickeln. Seine Beharrlichkeit sollte sich auszahlen. Als sie 1963 auf den Markt kam, wurde sie schlagartig zum Kultobjekt. Ringo Starr oder Paul McCartney zählten zu den zufriedene Kund:innen. David Bowie hatte sogar eine Astro Baby in seinem Tonstudio stehen.
BARBARELLA ALS VORBILD
Anfang der 1990er-Jahre, als der Hype längst abgeflaut war und Verkaufszahlen sanken, übernahm die britische Unternehmerin Cressida Granger die Marke, benannte sie in Mathmos um, in Anspielung auf den blubbernden See des Bösen im Sci-Fi-Trashfilm-Klassiker »Barbarella«. Trotz billiger Kopien aus Asien gelang es dem Unternehmen, dürre Jahre zu überstehen. Aktuell stehen die Zeichen auf Revival: Die kreativen und bunten Seventies liegen wieder verstärkt im Trend. Die Lavalampe ist zudem ein Stück England, so britisch wie die Spice Girls und das Königshaus. Pünktlich zum 60. Geburtstag kam heuer eine limitierte Edition heraus mit Entwürfen unter anderem von der 1980er-Jahre-Band Duran Duran in Silber und eine minimalistische Weiß-Gelb-Variante von der gefragten niederländischen Designerin Sabine Marcelis. Sie waren binnen weniger Tage ausverkauft.
MADE IN BRITAIN
Der Nostalgiefaktor schadet dem Verkauf sicher nicht. Wer damals jung war, denkt heute gern an seine wilden Jahre zurück. Die Lavalampe bringt ein Jahrzehnt des Aufbruchs zurück in die Wohnzimmer. Sie ist wie ein spaciger Kamin, an dem man Erinnerungen aufwärmen kann. Mittlerweile gibt es Lavalampen für Kinder und für Erwachsene, es gibt welche, die man an die Wand hängen kann, andere, die wie ein Raumschiff aussehen, und einige sind überdimensional groß: Die »Saturn«-Lampe etwa ragt 1,5 Meter in die Höhe, kostet aber auch 3000 Euro. Die Firma schreibt sich mittlerweile »Made in Britain« stolz auf die Flagge. Die Lampen werden per Hand in England produziert. Um als Sammlerobjekt das Herz seiner Besitzer:innen höher zu schlagen, setzt man aufs richtige Marketing. Jeder Lampe liegt ein Handbuch bei, auf dessen Rückseite das Datum steht, an dem die Leuchte befüllt wurde. Kein Wunder, dass es mittlerweile auch eine Community gibt, die sich freut, dass die Firma auch noch alte Ersatzteile liefert.
TIKTOK-TREND
Was genau in der Lampe ist, bleibt nach wie vor ein streng gehütetes Firmengeheimnis. Wachs und Wasser seien die Hauptbestandteile. Ein wichtiger Bestandteil ist wohl aber auch Tetrachlorkohlenstoff, der dem schwimmfähigen Wachs Gewicht verleihen soll. Nach einem Revival in den späten 1990er-Jahren, entdeckt gerade die Gen Z die abgespacten Popart-Relikte ihrer Eltern wieder, die längst einen Platz im Designmuseum haben. Auf TikTok werden Lavalamps international gefeiert. Es gibt sogar Anleitungen, wie man selbst eine basteln oder alte Fundstücke aus dem Keller wieder in Schuss bringen kann. Beam me up!
Gigantische Raketen: Die größte Lavalampe ist 1,50 Meter hoch: »Saturn« nennt sich das blubbernde Ungetüm. mathmos.de