French Chic: Homestory mit Designerin und Dior-Maison-Kreativchefin Cordelia de Castellane
Die Kunst, à la française zu leben und zu unterhalten, ist für Cordelia de Castellane eine Selbstverständlichkeit. Für LIVING öffnete sie die Türen ihres Pariser Apartments und überraschte mit originellen Flohmarktfunden, Erbstücken und verrückten Affentapeten. Let's talk about style!
Dass das Engagement für die Schönheit und Ästhetik in all ihren Facetten eine tragende Rolle in Cordelia de Castellanes Leben spielen, ist beim Betreten ihrer Pariser Altbauwohnung in der Rue de Lille 30 offensichtlich. Stilsicher richtet die attraktive Französin das Dekor auf der für den Österreich-exklusiven LIVING-Termin inszenierten Tafel zurecht.
Charmantes »Lily of the Valley«-Geschirr trifft hier auf pinkes Florales, cremefarbenes Dior-Besteck strahlt auf einem schwarz bemusterten Tischtuch, optimiert mit bemalten Karaffen und langen Kerzen. Ihre Blicke schweifen zufrieden über den mutig kreierten Tisch. Wir befinden uns im Entree. »Aber wo ist hier die Garderobe?«, fragen wir uns. Die gibt es nicht. Und als hätte die Designerin unsere Gedanken gelesen, wirft sie voller Überzeugung in den Raum: »Es ist sehr wichtig, den Ort zu verstehen, an dem man lebt. Es ist wichtig, eine gute Balance in einem Raum zu finden.« Stimmungsvolle und harmonisch kreierte Ecken gibt es im Appartement des Palais aus dem 18. Jahrhundert am linken Seine-Ufer in der Tat jede Menge. Denn Cordelia de Castellane gehört zu jenen Talenten im Interior-Business, die es verstehen, zeitlose Eleganz mit einem kühnen zeitgenössischen Touch zu verbinden. Verrücktheit nicht ausgeschlossen. So ist es nicht verwunderlich, dass bei der 42-Jährigen, die als künstlerische Leiterin von Dior Maison und Baby Dior fungiert, Besucher:innen auf Extravaganz stoßen.
De Castellanes Wohnungen, in denen sie eigene Designs mit Erbstücken, Flohmarkt-Raritäten, Büchern und den unterschiedlichsten Accessoires schmückt, sind bekannt für einen farbenfrohen, eklektischen Stil. So wird man im Eingang auch von einer Horde auf Musikinstrumenten spielenden Affen empfangen, die frech die Wände bis in den Salon säumen. Ein dekoratives Motiv, das auf dem im 18. Jahrhundert verbreiteten Entzücken für Singerie basiert. Castellane spürt unsere Begeisterung: »Ich habe diesen Stoff für ein Dior-Event selbst kreiert. Die Leute liebten ihn, aber ich habe davon nicht viel produziert. Und deshalb hat es nur für meine Wohnung gereicht. Affen bringen bekanntlich Glück.«
Keine Methode
Der vierfachen Mutter ist es wichtig, die lebendige Auswahl an Möbeln und Accessoires in ihrem Zuhause durchzuziehen. »Hinter dieser Mischung steckt keine Methode«, bestätigt sie uns. »Denn ich plane nie, weder beruflich, privat noch beim Einrichten«, sagt die sympathische Kreative mit griechischen Wurzeln und krempelt dabei die Manschetten ihrer weißen Bluse hoch. Ihre Inspirationsquelle scheint schier endlos, ein großer Rattantisch, auf dem ein mit Hortensien geschmückter alter Laborständer in die Höhe ragt, dient ihr als Support, abendelang neue Entwürfe für Drucke zu zeichnen und ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Die gute Laune ist ihr auch heute ins Gesicht geschrieben: »Gerade heute Morgen wurde meine neue Kreation für die jährliche Weihnachtsdekor-Serie von Dior bestätigt. Es wird wunderbar, voller Sterne in verschiedenen Farben, und man kann es auch personalisieren lassen.« Ob sie gerne Gastgeberin sei, wollen wir wissen. Und wie: »Das Wichtigste dabei ist, den Gästen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Und wie vieles andere auch sind Details von Bedeutung. Achten Sie auf das Licht, stellen Sie sicher, dass die Servietten gut gefaltet, dass die Namen auf etwas Besonderem geschrieben sind, dass es Objekte wie Bücher, Statuen und Blumen auf dem Tisch gibt.«
Unterhaltungsuniversum
Nach dem Motto »Mein Zuhause bin ich. Es ist der Ort, an dem ich am kreativsten bin«, hat die erfolgreiche Unternehmerin die Kunst, à la française zu leben und zu unterhalten, fraglos inhaliert. Nicht unwesentlich ist die Tatsache dabei, dass ihr Erbe aristokratischer Glamour umweht. Zu ihren Verwandten gehören etwa Architekt Emilio Terry und Victoire de Castellane, die Kreativdirektorin der High-Jewelry-Linien bei Dior. Seit ihrem 13. Lebensjahr beobachtete sie ihren Onkel Gilles Dufour, ehemals Assistent von Karl Lagerfeld, bei der Arbeit im Chanel-Atelier. Mit 16 Jahren folgte ein Praktikum bei Emanuel Ungaro und die Lehre über Haute Couture inklusive der schier unendlichen Möglichkeiten von Farbkompositionen. »Bereits als junges Mädchen habe ich viel gearbeitet und alles im mich aufgesogen«, erzählt die Managerin heute. 24-jährig gründete sie schließlich ihre eigene Couture-Linie für Kinder, bevor Dior 2012 durchklingelte und sie erst als Kreativchefin für Baby Dior, dann für die Maison engagierte.
Wien, Zisterzienserabtei und »Cordelia Coffee Flower Shop«
De Castellanes Talent, die Codes der Belle Époque neu zu interpretieren und jeden Raum in ein einzigartiges Universum zu verwandeln, zeigt sich in den vielen Aufträgen als Interior-Designerin mit ihrem eigenen Studio. Als Ladurée das Stammhaus in der Rue Royale erneuern wollte, um das historische Erbe besser widerzuspiegeln, lag es nahe, die Expertin zu engagieren. Dafür holte sie sich sogar Ideen aus einer Wiener Bäckerei. (Alle Infos zu diesem Projekt finden Sie hier)
Aber auch an anderen prestigeträchtigen Orten in der französischen Kapitale hat die Kreative ihre Spuren hinterlassen: Erst kürzlich profitierte die Dachterrasse des »Hôtel Barrière Le Fouquet’s Paris«, das in »Le Marta« umbenannt wurde, von ihrem Talent. Wie auch die ehemalige Zisterzienserabtei Abbaye des Vaux-de-Cernay nahe Paris, die dank de Castellane perfekt gestylt alle Register zieht. Selbst in eigener Sache wurde die Dekorateurin tätig: In der Rue de Bac, gleich ums Eck ihrer Wohnung, eröffnete sie letzten Herbst den »Cordelia Coffee Flower Shop«, wo Dekor, Kaffee und Floristik eine charmante Liaison eingehen. Die Liebe zu Blumen kommt nicht von ungefähr. Geschickt wird die Zeit zwischen Paris und einem selbst umgebauten Landhaus in der malerischen Provinz L’Oise im Norden Frankreichs eingeteilt, wo besessen zeitintensive Gartenarbeit betrieben wird. Das Resultat: der bildgewaltige Schmöker »Flower Couture – From My Garden to My House«, der 2025 erscheint. Florale Happiness all over. »Sie werden meine Wohnung nie ohne Blumen sehen«, lacht die Designerin und fährt sich durch ihre lange brünette Mähne, »Blumen inspirieren mich sehr. Denn es geht darum, wie viel Schönheit und Freude einem mit Blumen in kurzer Zeit begegnen können.«