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© Lisa-Marie Hochsteger

Karim Rashid: »Wenn ich designe, denke ich viel über uns als Menschen nach«

LIVING Interview
Designer
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Wir trafen Star-Designer Karim Rashid zum LIVING-Interview und sprachen mit ihm über seine Design-Philosophie, Visionen und wie sich die Materiallandschaft in der Branche entwickelt hat.

Er ist ein absoluter Vollprofi – nicht nur, was Interviews angeht, sondern auch in seinem Handwerk, das Karim Rashid in mehr als 4.000 Designs unter Beweis gestellt hat. Der gebürtige Ägypter hat sein Büro in New York, wo er alles von Mikro- bis Makroprodukten entwirft: von Schmuck über Mobiltelefone und Fernseher bis hin zu Einrichtungsgegenständen, Innenausstattungen, Gebäuden und sogar Mode. Seine Designs sind bunt, futuristisch und stellen dabei stets menschliche Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Obwohl er als Meister der Kunststoffe gilt, hat er in seiner bisherigen Karriere mit unzähligen verschiedenen Materialien gearbeitet. Wir haben ihn in der Breitwieser Stone World in Tulln getroffen, wo er als Stargast beim Designtalk »Happy Together« unter anderem über Stein als nachhaltiges Material gesprochen hat.

Falstaff LIVING: Wie würden Sie Ihre Designphilosophie beschreiben und wie hat sie sich im Laufe der Jahre verändert?

Karim Rashid: Es dauert eine Weile, bis man im Laufe einer Karriere eine Philosophie oder eine Richtung findet und herausfindet, wo man in der Welt steht. Ich habe lange gebraucht, um das herauszufinden. Meine Position oder Philosophie bezeichne ich als sinnlichen Minimalismus. Dabei geht es darum, reduzierte Arbeit zu leisten, bei der man nicht viele Muster hat oder, um es so zu sagen, nicht zu viel Dekoration zu verwenden. Man konzentriert sich wirklich auf die menschliche Erfahrung. Der sinnliche Teil des Minimalismus besteht darin, dass ich mich sehr dafür interessiere, die physische Landschaft zu vermenschlichen. Wenn ich also Dinge entwerfe, denke ich viel über uns als Menschen und darüber nach, wie wir eine bessere Welt für unsere alltäglichen Erfahrungen schaffen können.

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Sie haben sich mit ganz unterschiedlichen Materialien beschäftigt, mit Kunststoff, Glas, Metallen. Heute sprechen wir über Stein. Was macht für Sie die Seele eines Materials aus?

Das Wichtigste bei jedem Material ist, dessen integralen Eigenschaften für das Projekt zu nutzen. Oftmals geben die Kunden das Material vor. Es besteht oft das Missverständnis, dass Designer die Materialien frei auswählen können. In dieser Hinsicht sind wir keine Künstler. Wir sind Designer. Wenn ich die Freiheit habe, das Material auszuwählen – was nicht oft vorkommt –, dann denke ich oft an ein Material, das sich sehr gut bearbeiten lässt und sehr formbar ist. Marmor zum Beispiel. Dank der heutigen Technologien können wir Marmor nahezu beliebig formen.

Wir sind heute hier bei Breitwieser um über Stein zu sprechen. Können Sie uns etwas mehr darüber erzählen, wie es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist?

Breitwieser hat mich vor vier oder fünf Monaten einfach per E-Mail kontaktiert und gefragt, ob ich als Sprecher zu ihrem jährlichen Event kommen möchte. Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, dachte ich zunächst, dass ich nicht sehr viel mit Stein gearbeitet habe. Doch dann wurde mir klar, dass ich nach der Gestaltung zahlreicher Hotels, Restaurants, Clubs und Möbel aus Stein und Marmor tatsächlich sehr viel davon verwendet habe. Bei den Vorbereitungen zu meinem Vortrag heute Abend ist mir also aufgefallen, dass ich etwa 500 Bilder von Stein in meinem Portfolio habe. Mir wurde bewusst, dass Stein ein wunderschönes Material ist, das ich eigentlich oft verwendet habe.

Gibt es noch andere Materialien, die Sie derzeit begeistern und mit denen Sie gerne arbeiten würden, weil Sie sie als aktuellen Trend ansehen?

Die Materiallandschaft hat sich stark verändert. Wir Designer und Architekten müssen daher sehr verantwortungsbewusst handeln, denn alles, was wir heute tun, muss zu 100 % nachhaltig sein. Ich habe zum Beispiel viel mit Kunststoff gearbeitet, was mir immer großen Spaß gemacht hat, insbesondere im industriellen Bereich. Aber wir wissen heute, dass sich die Kunststoffindustrie ändern muss. Mittlerweile gibt es viele neue Polymere, mit denen ich arbeite. Sie sind größtenteils biologisch abbaubar und nicht nur recycelbar. Gleichzeitig sind Materialien wie beispielsweise Stein unendlich recycelbar. Bei den Materialien, mit denen ich arbeite, beispielsweise bei der Gestaltung der Innenausstattung eines Hotels, bin ich sehr leistungsorientiert. Das heißt, ich wähle Materialien aus, von denen ich weiß, dass sie langlebig sind. Hier kommt Stein sehr stark ins Spiel.

Welchen Rat würden Sie jungen Designern geben, die neu in dieser Branche sind?

Der Rat, den ich zahlreichen jungen Designern gebe, lautet, dass sie aufhören müssen, den aktuellen Trends zu folgen. Der aktuelle Trend geht dahin, die Welt zu rationalisieren. Die Welt ist voller einzigartiger Trends, sodass sich alle gegenseitig kopieren. Zweitens muss man wirklich hart und konsequent arbeiten. Ich habe während meiner gesamten Karriere sehr hart gearbeitet. Man muss sich wirklich für das engagieren, was man tut. Noch etwas: Wenn Sie jung sind, hören Sie zu und lernen Sie. Genau das habe ich in meinen ersten zehn Jahren gemacht. Ich habe in anderen Büros gearbeitet und so viel gelernt, dass ich, als ich mich selbstständig gemacht habe, ziemlich schnell vorankam, weil ich über viel Erfahrung verfügte. Viele junge Designer wollen sofort berühmt werden, aber in diesem Beruf gibt es so viel zu lernen, dass man nicht sofort alleine loslegen kann.

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