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© Stoebich Siegfried, Loxone

Smart Home: Wie Automatisierung unser Wohnen verändert

Bauwesen
Wohnen
Technologie

Bei Luxuswohnungen und Einfamilienhäusern boomt die Gebäudeautomatisierung. Für Energie-Monitoring und Sicherheit ist smarte Technologie sinnvoll, doch manche Expert:innen sehen in zu viel High-Tech-Spielerei im Wohnbereich auch Nachteile.

Sie betreten in der Früh das Badezimmer. Ihr momentaner Lieblingssong wird eingespielt. Im Wohnzimmer hat sich dank des warmen Wetters die Heizung ausgeschaltet. Die Jalousien reagieren auf die Sonne. Vor dem Verlassen der Wohnung ein leichtes Tippen auf die Leave-Home-Taste, und alle Lichter schalten sich aus, Herdplatte und Bügeleisen ebenso. Das Alarmsystem schaltet auf aktiv. Während Sie im Büro sind, kümmert sich der Mähroboter um den Garten.

So schön kann das Leben sein, wenn man von der Gebäudeautomatisierung umsorgt wird. Viele Developer:innen auf dem freifinanzierten Wohnungsmarkt bieten ihre Immobilien heute als »Smart Homes« an, mehrere Technologie-Anbieter sind auf dem Markt aktiv. Laut einer repräsentativen Befragung des Systemanbieters KNX sind es vor allem die Bereiche Sicherheit und Energieersparnis, die für Kund:innen attraktiv sind.

Touch me!
Intuitive Verständlichkeit zählt bei der Entwicklung der smarten Bedienoberflächen im Wohnbau. Mit dem Loxone Touch Pure Flex lassen sich Licht, Temperatur, Feuchtigkeit und mehr überwachen und regulieren.
loxone.com

© Stoebich Siegfried, Loxone

Sesam, öffne dich!
Beim Hotel »Nils am See« im Burgenland wurde die Smart-Technologie von Loxone zur Optimierung der »digitalen Guest Journey« eingesetzt.
nilsamsee.at

© Alex Lang

ENERGIEFLUSS IN ECHTZEIT

Anbieter wie Loxone haben ihre Smart-Home-Anwendungen auf diese Bedürfnisse abgestimmt. Deren Energiemonitoring steuert Verbrauch, Autarkiegrad und Speicherstände und zeigt den Energiefluss in Echtzeit an. So lassen sich Kosten und CO2-Emissionen minimieren.

Eine Reaktion auf den flexibilisierten Energiemarkt von heute. Mit dem Loxone Campus hat man die eigene Firmenzentrale zum gebauten Selbstversuch der Gebäude-automatisierung gemacht. Andere Anbieter wie KNX werben damit, dass sie weltweit von mehr als 400 Herstellern unterstützt werden. Ein wichtiger Vorteil. Denn wenn ein Anbieter insolvent wird und seine App nicht mehr aktualisiert, bleibt man mit teurem Sensorik-Schrott alleine in der Wohnung zurück.

Eine Gefahr, vor der manche Expert:innen schon seit Beginn des Smart-Hypes warnen, der sich vor allem auf den Einfamilienhaus- und Luxusmarkt konzentriert. Das bestätigt Bernhard Lipp, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für Baubiologie und -ökologie (IBO) und seit 30 Jahren im Monitoring von Gebäudesystemen aktiv. »In diesen Segmenten hat sich die Smart-Technologie massiv durchgesetzt. Beim Geschosswohnbau nicht, weil es einen irrsinnigen Aufwand bedeutet. Man hat hohe Wartungsintervalle, dann geht vielleicht noch der Hersteller bankrott, oder ein Bauteil wird nicht mehr produziert.«

Das Haus denkt mit
Der Wohnbau in der Wiener Zieglergasse wurde von evon Smart Home mit intelligenter Technologie ausgestattet. Die Heizung kann aus der Ferne gesteuert werden, die Beschattung reagiert auf das Wetter.
evon-smarthome.com

© Walter Real Estate

SENSORIK-SPIELEREI

Auch Peter Holzer, Gründer von Larix Engineering und leitender Mitarbeiter des IBR&I Institute of Building Research & Innovation in Wien, warnt vor ungebrochenem High-Tech-Enthusiasmus. »Übertriebene Sensorik-Spielereien haben im Wohnungs-bereich meiner Ansicht nach nichts verloren, denn sie sprechen immer nur ein Mitglied der Bewohnerkonstellation an, der dann die Einstellung bestimmt. Das hat auch etwas Undemokratisches.« Zudem bedeute die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern eine  Einengung der persönlichen Freiheit in der Reparaturfähigkeit, so Holzer. Fraglos ist, dass auch die gefinkeltste Technologie wirkungslos bleibt, wenn sie von den Nutzer:innen nicht verstanden wird. Die Bauteilaktivierung mit ihren trägen Temperaturänderungen verleitet oft zu ungeduldigen Reaktionen. Wenn dann noch ein Thermostat mit unzähligen Bedienoptionen hinzukommt, gibt man schnell auf.

Aber was ist nun eigentlich High-Tech und was ist Low-Tech? Eine mögliche Definition liefert der Low Tech Readiness Indicator (LowTRI), der 2022 vom IBO gemeinsam mit Wohnbund Consult und der FH Technikum Wien für das bundesdeutsche Bauministerium (BBSR) erarbeitet wurde. Sieben Bauten in Deutschland und Österreich wurden dafür untersucht und insbesondere der Nutzer:innenkomfort berücksichtigt. Eines davon ist das Haus 2226 in Lustenau von Baumschlager Eberle Architekten, das mit seinem radikalen Verzicht auf Technologie (und Wärmedämmung) für viel Aufsehen sorgte und schon einige Nachahmer:innen fand.

Low-Tech geht’s auch
Bewusst aufs Wesentliche reduziert und dabei höchst energieeffizient und komfortabel: Das Wohnhaus 2226 Graf in Dornbirn von Baumschlager Eberle Architekten.
2226.eu

© René Dürr

Randvoll mit Haustechnik
Hochhäuser lassen sich ohne High-Tech nicht betreiben. Beim Marina Tower in Wien gelang es BUWOG und Zechner & Zechner Architekten, die teure Haustechnik auf einen sinnvollen Rahmen zu begrenzen.

© www.pierer.net

Bei manchen Wohnbauten kommt man um High-Tech jedoch nicht herum. Im 138 Meter hohen Marina Tower der BUWOG mussten Einfachheit, Komplexität und Nachhaltigkeit auf kleiner Fläche kombiniert werden. »Die Errichtungskosten eines solchen Bauwerks machen höchstens ein Fünftel der Lebenszykluskosten aus«, sagt Marina-Tower-Architekt Christian Zechner. Nach 20 Jahren muss ein wesentlicher Anteil der Haustechnik erneuert werden, nach 30 bis 40 Jahren hat man die gesamten Haustechnik-Errichtungskosten nochmals investiert.« Hier sei es daher besonders wichtig, einfache und langlebige Systeme zu wählen. Dann halten sich Vernunft und Spielerei die Waage.

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 1/2026

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Maik Novotny
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