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Villa Beer Wien: Ikone der Wiener Moderne kehrt zurück

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Mit der Rückkehr der Villa Beer wird in Hietzing eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Wiener Moderne wieder als architektonischer, kultureller und historischer Ort erfahrbar.

© Julius Scherb (1930)
© Julius Scherb (1930)

Die Villa Beer zählt zu jenen Häusern, deren Wirkung weit über ihre Adresse hinausreicht. 1929/30 von Josef Frank und Oskar Wlach für Julius und Margarethe Beer entworfen, gilt sie als Schlüsselwerk der österreichischen Moderne. Mittlerweile ist das Haus nach sorgfältiger Restaurierung für das Publikum zugänglich und macht eine Wohnidee wieder erlebbar, die Offenheit, Präzision und Alltag auf bemerkenswerte Weise zusammenführt.

Josef Frank und Oskar Wlach dachten die Villa als Ganzes

© Stephan Huger

Für die Villa Beer entwickelten Josef Frank und Oskar Wlach nicht nur das Gebäude selbst, sondern ein Gesamtkonzept samt Einrichtung und Gartengestaltung. Darin zeigt sich exemplarisch, wie stark man Architektur, Interieur und Lebenspraxis zusammendachte. Die Villa ist deshalb nicht bloß ein schönes Haus, sondern ein gebautes Bild ihrer Wohnvorstellungen.

Wie die Villa Beer Raum in Bewegung übersetzt

© Hertha Hurnaus
© Stephan Huger

Ihre besondere Qualität entfaltet die Villa Beer im Inneren. Der Entwurf knüpft an Adolf Loos’ Raumplan an, führt ihn aber freier und wohnlicher weiter. Unterschiedlich hohe Räume, Blickachsen, die zentrale Treppe und die fließenden Übergänge zwischen Innen und Außen schaffen eine Raumfolge, die nicht starr wirkt, sondern den Alltag in eine Abfolge von Wegen und Aufenthaltsorten übersetzt. Auch die Fassade folgt dieser inneren Logik und spiegelt die komplexe Raumstruktur des Hauses nach außen.

Behutsam restauriert statt museal überformt

© Stephan Huger

Besonders überzeugend ist der Umgang mit der Substanz. Erhaltene Einbauten und Böden wurden sorgfältig restauriert, verlorene Elemente teilweise ergänzt. Auf zusätzliche Möblierung wurde bewusst weitgehend verzichtet, damit die architektonische Qualität des Hauses klar erfahrbar bleibt. Nachdem die Villa Beer Foundation das Haus 2021 übernommen hatte, begannen im Frühjahr 2024 nach mehrjährigen Vorarbeiten die Sanierungsarbeiten, die bis Dezember 2025 andauerten.

Ein Haus, das auch vom jüdischen Wien erzählt

© Hertha Hurnaus

Die Villa Beer ist nicht nur architekturhistorisch bedeutend, sondern auch ein Ort, an dem sich ein Stück Wiener Geschichte verdichtet. Julius Beer, Mitinhaber der Berson Kautschukfabrik, und seine Frau Margarethe ließen ein Haus errichten, das auch dem Empfang von Gästen und musikalischen Soireen dienen sollte. Ein Bösendorfer-Flügel stand im Zentrum dieses Lebens. Doch bereits 1932 zwangen finanzielle Schwierigkeiten die Familie zur Abgabe des Hauses. Spätere Bewohner waren unter anderem Richard Tauber, Jan Kiepura, Martha Eggerth und Marcel Prawy. Zugleich erinnert die Geschichte der Villa an die Verfolgung der jüdischen Bauherrschaft.

Ein Ort für Kultur, Forschung und Begegnung

© Stephan Huger

Heute versteht sich die Villa Beer nicht als stilles Denkmal, sondern als offener Ort für Dialog, Forschung und kulturelle Begegnungen. Das Haus ist von Mittwoch bis Sonntag im Rahmen von Führungen zugänglich, am Wochenende auch mit Zeitfensterkarten. Dazu kommen Veranstaltungen und die Möglichkeit, länger vor Ort zu bleiben: Wer das Haus nicht nur besuchen, sondern intensiver erleben möchte, kann dort auch in einem von drei Gästezimmern übernachten.

Ein Ort findet zurück in die Gegenwart

© Hertha Hurnaus
© Stephan Huger

Mit der Villa Beer erhält Wien nicht nur ein außergewöhnliches Haus zurück. Zugänglich wird damit auch ein Bau, der zeigt, wie modernistisches Wohnen hier einst gedacht war: offen, differenziert und nah am Alltag der Menschen. Die Villa Beer erscheint heute nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als Ort, der wieder in einen Dialog mit der Gegenwart tritt.

Info

Adresse
Wenzgasse 12, 1130 Wien

Öffnungszeiten
Mi–Fr Führungen um 14 und 16 Uhr, Sa–So um 10 und 16 Uhr, am Wochenende zusätzlich Zeitfenstertickets

Anreise
Keine Parkplätze vor Ort. Erreichbar über die Stationen Wenzgasse, Gloriettegasse und U4 Braunschweiggasse

Wichtige Hinweise

Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, ist keine vollständige Barrierefreiheit möglich. Außerdem wird darum gebeten, auf hohe Absätze und Profilsohlen zu verzichten, um die historischen Böden zu schonen.

www.villabeer.wien

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
Autor
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