Johannes Kattus, Karl Wurm und Maximilian Nimmervoll, Foto beigestellt
Aus »Kattus-Borco« wird »Johann«
Zurück zu den Wurzeln: »Kattus« stellt sein Getränke-Vermarktungsunternehmen neu auf und benennt es nach dem Gründer Johann Kattus. Karl Wurm übernimmt als Managing Director.
von Alexander Schöpf
25. Juli 2024
Das Wiener Familienunternehmen »Kattus« hat heute, Donnerstag, den nächsten Schritt in seiner Neuausrichtung verkündet: Die Vertriebsfirma »Kattus-Borco« heißt ab sofort »Johann« und soll als Vermarktungs- und Vertriebsgesellschaft neu positioniert werden. Das Ziel: die erste Adresse für nationale und internationale Premium-Getränkemarken zu werden. Dem vorausgegangen ist nach Unternehmensangaben ein »ausführlicher Strategieprozess unter Einbindung wesentlicher Markeneigner«. Der neue Name verweist auf den Firmengründer Johann Kattus.
»Die Evolution zu ›Johann‹ ist die logische Weiterentwicklung in der über 165-jährigen Unternehmensgeschichte. Als Distributor richten wir ›Johann‹ als erstklassigen Partner für nachhaltiges Markenwachstum in einem immer herausfordernden Umfeld aus. Mit einem Portfolio an Top-Marken und einer komplett neuen Organisationsstruktur gehen wir auf die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse von Marken, Handel, Hotellerie, Gastronomie sowie Konsumentinnen und Konsumenten ein«, erklärt Johannes Kattus, Ururenkel des Firmengründers Johann Kattus. »Mein Ururgroßvater Johann Kattus war seit 1857 als Importeur von Premium-Produkten ein Pionier und Visionär seiner Zeit. Leidenschaft, Innovationskraft, Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen und Integrität: Die Kernwerte, die er als Firmengründer vorlebte, sind das Wertgerüst, mit dem ›Johann‹ in Zukunft wachsen und sich laufend weiterentwickeln wird.«
Wurm folgt auf Ruhland
Die Leitung von »Johann« übernimmt Karl Wurm, der auf internationale Managementerfahrung, zuletzt bei »Beam Suntory«, zurückblickt. Nach unterschiedlichen Managementpositionen mit lokaler und regionaler Gesamtverantwortung agierte er zuletzt als Managing Director für E-Commerce in den EMEA-Märkten (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) und Südamerika. Wurm ist bereits seit Anfang des Jahres im Unternehmen und entwickelte die neue Strategie gemeinsam mit Johannes Kattus und Maximilian Nimmervoll, den Eigentümervertretern der Familie Kattus. Der bisherige Geschäftsführer Andreas Ruhland verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch nach 15 Jahren.

Der Organisation soll künftig in vier »Channel Competence Center« für »Off-Trade«, »Premium On-Trade«, »Mainstream On-Trade« sowie »E-Commerce« organisiert werden. Ebenfalls neu aufgestellt wird das Managementteam. Aus dem bestehenden Team ist Marlies Nitschmann weiterhin als Head of Marketing vertreten. Nitschmann bringt acht Jahre Kommunikationserfahrung in der Spirituosenbranche mit und war zuvor unter anderem für die »Brau Union Österreich« tätig. Carmen Hosa übernimmt als Head of Sales künftig die Verantwortung für den Vertrieb. Sie bringt in ihre neue Position zehn Jahre FMCG-Erfahrung mit. Bis 2023 fungierte sie als Commercial Manager Austria & Switzerland bei »Beam Suntory«. Thomas Hochhaltinger wird hingegen Head of Finance & Operations. Er sammelte elf Jahre lang Erfahrung in produzierenden Unternehmen und war unter anderem als Geschäftsführer für »Mayr-Melnhof« tätig.
Fokus auf E-Commerce
Die größten Wachstumspotenziale sieht Wurm in der Premium- und Super-Premium-Kategorie. Hier hat »Johann« Marken wie »Laurent-Perrier«, »Dalmore Single Malt Whisky« und »Reisetbauer Blue Gin« im Portofolio. Ein weiterer Wachstumstreiber seien innovative Produkte im No- und Low-Alcohol-Segment sowie im Ready-to-Drink- und Ready-to-Serve-Bereich. Innerhalb der Weinkategorie wird dem gehobene Schaumwein-Segment in den nächsten Jahren das größte Wachstum zugetraut. »Johann« kann hier auf die Marken »Laurent-Perrier«, »Kattus«, »Scavi & Ray« sowie die neu lancierte, selbst entwickelte Prosecco-Brand »Saluto« zählen. Die Partnerschaft mit der »Stock Spirits Group« – mit den Marken »Sierra Tequila«, »Zoladkowa Vodka« oder »Clan Campbell Scotch Whisky« – als Distributionspartner wird fortgeführt.
In den Vermarktungsaktivitäten legt das Unternehmen einen verstärkten Fokus auf den E-Commerce-Kanal und Digitalmarketing. »›Johann‹ ist der einzigartige Partner für einzigartige Markeneigner. Wir wollen unvergessliche Erlebnisse für deren Marken, Konsumentinnen und Konsumenten sowie Kundinnen und Kunden schaffen«, kommentiert Managing Director Karl Wurm.
Mehr Transparenz
Digitalisierung und Automatisierung sollen auch in der Zusammenarbeit mit den Markeneignern und in der externen Kommunikation eine prominente Rolle spielen. Dies soll beispielsweise für mehr Transparenz im Dialog mit den Markeneignern sorgen. »›Johann‹ baut auf der Tradition langjähriger Partnerschaften auf und verkörpert Unternehmertum. Wir fördern den transparenten und datenbasierten Dialog mit unseren Markeneignern, um den gemeinsamen Erfolg in Österreich zu beschleunigen«, erklärt Wurm dazu.
In der externen Kommunikation will man auf eigene Kompetenzzentren für Digitalmarketing, Social Media, Trade Marketing und Eventmanagement setzen, um »vollständig integrierte Kommunikationslösungen« zu ermöglichen. »Markenaufbau und -führung werden künftig noch effizienter und umfassender. Im Hinblick auf die zu 100 Prozent integrierte Kommunikation werden Marken über alle Touchpoints hinweg gedacht, wobei die digitale Komponente im Vordergrund steht«, betont Marketingchefin Marlies Nitschmann.
Von unternehmerischem Pioniergeist inspiriert
»Johann«-Namenspatron Johann Kattus wurde 1823 im niederösterreichischen Eggenburg geboren und startete seine berufliche Laufbahn als Reisender für zwei erfolgreiche Weinhändler. 1857 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete seine Spezereiwarenhandlung in jenem Haus, das heute den Private Members Club »Am Hof 8« beheimatet. Er spezialisierte sich auf den Vertrieb von Wein, Kaffee, Tee, Südfrüchten, Spirituosen und Champagner.
Auf einer seiner vielen Reisen ins Ausland gründete Johann Kattus im Jahr 1870 eine Kaviarfaktorei in Astrachan am Kaspischen Meer. Mit einer Jahresproduktion von 200 Tonnen belieferte er den Kaiserhof in Wien, den Zarenpalast in Sankt Petersburg, deutsche Fürstenhöfe und sogar amerikanische Hotels. Auf diese Zeit lassen sich auch noch bis heute anhaltende Geschäftsbeziehungen, beispielsweise zur Familie Luxardo, die für ihre Liköre weltbekannt ist, zurückführen. 1898 wurde er zum k.u.k.-Hoflieferanten ernannt.
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