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Trinkgeld-Debatte: »Anerkennung darf nicht besteuert werden«
»Trinkgeld motiviert. Und wer das nicht versteht, hat nie selbst in der Gastronomie gearbeitet.« Gastronom Thomas Peschta sieht in der aktuellen Steuerdebatte eine Chance – aber auch die Gefahr, dass ein wichtiger Motivationsmotor der Branche ins Stottern gerät.
von Kristina Mitrovic
24. April 2025
In Österreich hat sich um die steuerliche Behandlung von Trinkgeldern eine hitzige Debatte entzündet. Zwischen politischem Schlagabtausch, wirtschaftlichen Forderungen und der Realität in den Gaststuben des Landes steht eines fest: Trinkgeld ist mehr als nur ein paar Euro extra. Für viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie ist es ein symbolischer wie realer Ausdruck von Wertschätzung. Und für Gastronom Thomas Peschta ist es ein »zartes Pflänzchen«, das in der aktuellen politischen Debatte nicht zertreten werden darf.
»Trinkgeld ist eine Schenkung, kein Einkommen«
Thomas Peschta, Wirt in Wien und Obmann des Gastroclubs Wien, bringt es im Falstaff-Gespräch auf den Punkt: »Trinkgeld ist Teil der gastronomischen Kultur und eine direkte Anerkennung des Gastes – kein Einkommen im klassischen Sinne.« Für ihn und viele Kolleg:innen ist klar: Die Diskussion um Steuerpflicht, Pauschalregelungen und digitale Zahlungsnachweise sei nicht nur praxisfern, sondern auch gefährlich für die ohnehin angespannte Personalsituation in der Branche.
Peschta beobachtet mit Sorge, wie durch die zunehmende Digitalisierung von Zahlungen das Trinkgeld transparenter – und damit steuerlich verwertbarer – wird: »Manche Gäste vergessen durch Kartenzahlung einfach, Trinkgeld zu geben. Wir sehen schon jetzt einen Rückgang um 3 bis 4 Prozent – und dann soll auch noch ein Steueranteil abgezogen werden?« Die Motivation der Mitarbeiter:innen hänge stark vom unmittelbaren Feedback ab. »Es ist ein schönes Gefühl für das Personal, wenn der Gast zufrieden war – das ist psychologisch enorm wertvoll.«
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) fordert eine komplette Steuer- und Abgabenbefreiung von Trinkgeld und sieht darin ein »Zeichen der Anerkennung und kein Einkommen«. Der Wirtschaftsbund stellt sich hinter diese Forderung und spricht von einem »unbürokratischen und wichtigen Schritt«, um die Attraktivität der Dienstleistungsberufe zu stärken. Kritik kommt von der FPÖ: Tourismussprecher Christoph Steiner verweist darauf, dass im Regierungsprogramm keine Rede von einer solchen Steuerfreiheit sei, laut Aussendung.
»Es braucht Rechtssicherheit, keine Bevormundung«
Während sich die Parteien einen Schlagabtausch liefern, wird in den Betrieben gearbeitet. Für Peschta ist die Debatte »sehr emotionsgeladen« – auch weil sich viele in der Branche nicht ausreichend in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden fühlen. Zwar würden Fachgruppen in der WKÖ auf Bundesebene mit Krankenkassen und Gewerkschaften verhandeln, doch ein einheitlicher Rechtsrahmen sei längst überfällig.
»Wir haben im Betrieb keine fixen Regeln fürs Trinkgeld – das regelt das Team selbst, auch bei Kartenzahlung. Ich mische mich da nicht ein, weil das Trinkgeld den Mitarbeitenden gehört, nicht dem Betrieb«, erklärt Peschta. Eine vollständige Steuerbefreiung sei für ihn gleichbedeutend mit dem Status quo – zumindest gefühlt. Doch die Realität hinkt hinterher: Bei Kartenzahlungen etwa taucht das Trinkgeld in der Registrierkasse auf, wird sichtbar und kann entsprechend besteuert werden. Ähnlich sieht es auch Spitzenkoch Hubert Wallner, der schon seit Langem die Ansicht kritisiert, laut Kleine Zeitung. »Wir brauchen eine rechtssichere Lösung, damit das Personal weiß, wie die Dinge stehen.«
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