Inbox für Essen: Die gebündelte Erfahrung von Fabian Duschel, Kaspar Kunz und Lukas Graf steht hinter den Office-Bistros.
© Roland Graf
Die Bistro-Boutique: Wenn Kreative und Programmierer Hunger kriegen
Mahl statt Mail: Mit INBOX haben Fabian Duschel, Kaspar Kunz und Lukas Graf die Betriebskantine modernisiert. Das auch hinter »Adventure Catering« stehende Trio spricht bewusst die Kreativwirtschaft an.
von Roland Graf
20. November 2025
Neue Arbeitsformen benötigen auch neue Arten der Betriebsverpflegung. »Unsere Gerichte kann man ohne Qualitätsverlust auch abends nach Hause mitnehmen«, kennt Kaspar Kunz die Dynamik in Kreativberufen oder bei projektorientierten Dienstleistern. Da kann es schon einmal später werden und der Abschluss eines Auftrages vorgehen – fixe Kantinenzeiten scheiden dabei aus. Doch seine persönliche Expertise bringt der Wiener, der mittlerweile zehn Filialen seiner Tiki-Bowl-Restaurants »Honu« führt, beim Speiseplan für Wiens Bürowelt ein. Denn dass eine neue Generation in ihren schicken Offices nicht unbedingt Schweinsbraten und Hühnerschnitzel wünscht, war Kunz und seinen Mitgesellschaftern Fabian Duschel und Lukas Graf klar.

Wie tägliches Catering
Dazu dient dem INBOX-Trio auch der Erfahrungsschatz ihrer zweiten in Floridsdorf beheimateten Firma »Adventure Catering«. Während der Pandemie haben sie den namhaften Liefer-Anbieter übernommen, der seit 1997 für Caterings in Österreichs Hauptstadt sorgte. Neben der perfekt ausgestatteten Produktionsküche mit 30 Mitarbeitern hat aber vor allem die Digitalisierung aller Prozesse das Geschäft verändert. »Flexibilität und Transparenz«, wie es der aus der Technik kommende Duschel formuliert, wurden zu Vorteilen für Kunden wie Mitarbeiter. Wer etwa Hochzeitscatering bucht, bekommt so einen Countdown zum großen Tag aufs Handy. Auch sämtliche Service-Mitarbeiter melden sich online zum Dienst an. Vor allem aber hat man perfekte und tagesaktuelle Auswertungen, welche Gerichte »trenden«.
Der Schritt zur Essenszustellung in der Mittagspause war also nur naheliegend. »INBOX Meal – you’ve got meal!« geht dabei aber über die portionierten und personalisierten (digitale Bestellung am Tag davor macht’s möglich!) Mittagessen hinaus. Als »hybride Kantine« (© Fabian Duschel) schätzt vor allem die Welt erfolgreicher Start-ups mit internationalen Mitarbeitern das Angebot.

Saisonal am Schreibtisch
Die Versorgung von Bitpanda, Europas führender Handelsplattform für Kryptowährungen, ist dafür ein gutes Beispiel. Die bestellten Speisen werden vor Ort angerichtet, wann immer Programmierer und Kreative Hunger haben. Vegetarisch oder glutenfrei lässt sich problemlos im Menü umsetzen, Sonderwünsche speichert das System für die nächste Bestellung. »Sogar einen Barista haben wir vor Ort«, schildert Lukas Graf die neue Essenswelt im Büro. Er ist als Jüngster im Führungsteam gleichsam das persönliche Bindeglied zur Job-Realität der Generation Z. »Wenn im Jänner Detox angesagt ist, dann bilden wir das gerne ein Monat lang in unseren Menüs ab«, geht man auf Wünsche abseits der Lieferverpflegung der Marke »Hier ankreuzen!« hinaus.
Saisonale Schwerpunkte sind im modernen Bistro ohnehin fix verankert. Oktoberfest-Offerte, sommerlich leichte Kost oder österliche Gerichte erweitern das Angebot über das Jahr. Abwechslung ist entscheidend für die Arbeitszufriedenheit; »kein Gericht wiederholt sich mehr als vier Mal im Jahr«, lautet Grafs Versprechen dazu. Die Ausstattung mit sieben Kühlhäusern in Floridsdorf und die klassisch nach Posten – von kalter Küche bis Pâtisserie – organisierte Küche macht zudem die Individualisierung leicht.
Essen als Pull-Faktor
Dieses Prinzip gilt bis hin zur Abrechnung, die von den Firmen als lohnwerter Bestandteil für ihre Mitarbeiter finanziell gestützt wird. »Manche nehmen das nur für Hauptgerichte in Anspruch, andere Partner stützen aus Prinzip keine Süßspeisen«, berichtet Graf aus der Praxis. Denn heute ist das Essen am Arbeitsplatz zu einem echten Faktor in Sachen Mitarbeiter-Bindung geworden. »Programmierer aus 70 Nationen sind die Arbeitsrealität«, so Kaspar Kunz, »und die besten können sich aussuchen, wo sie sitzen«. Insofern wird das Gesamtpaket entscheidend im Kampf um die Talente, der Anwaltskanzleien ebenso trifft wie EDV-Dienstleister. Geht es um die Speisepläne, die Küchenchef Gregor Müller (u.a. im »Le Ciel«, »Zürserhof« und »Schloss Seefels« tätig) ausarbeitet, redet oft auch die HR-Abteilung der INBOX-Kunden mit. Denn die Stimmung an den »Office Days«, an denen alle Mitarbeiter in einem Betrieb anwesend sind, muss gut sein. Perfektes Essen, das die Leistung nicht beeinträchtigt, ist da ein wichtiger Faktor. Dazu kommt auch ein weiterer Vorteil des kurzfristig bestellten individuellen Mahls: Es werden kaum Lebensmittel verschwendet – weder bei den Bestellungen, noch in der ebenfalls digitalisierten Lagerhaltung in Wien-Floridsdorf.

Getränke nach Maß
In der Hotellerie würde man den Ansatz des Trios wohl als »Boutique« bezeichnen: Statt hoher Stückzahlen und kleineren Margen hat man sich für die ideale Passung mit einer individuellen neuen Klientel entschieden. »Schwerarbeiter in der Autoindustrie haben sicher andere Anforderungen«, analysiert Fabian Duschel, der diese Branche auch bestens kennt. Doch wie bei den Aufträgen von »Adventure Catering« kommt man Kunden wie EY, Juwelier Wagner, Moncler, Longchamp, Stone Island oder Woom Bike maximal entgegen. So werden eigene Limonaden und Eistees kreiert, was eine Domäne von Lukas Graf darstellt, der damit im Bistro wie auch im Catering auf Individuelles setzt:
Spätestens, wenn ein Highlight aus dem Portfolio des Caterers zum Einsatz kommt, ist Personalisierung pur angesagt. Mittels Drucker lassen sich Namen und Logos auf jede Schaum-Oberfläche aufbringen! Wachstum ist daher nicht nur beim INBOX-Sortiment angesagt. Schon diesen Herbst wird ein eigener Showroom die Leistungen von »Adventure Catering« vor Ort erlebbar machen. Die Eröffnung ist für November geplant »und mit Events für bis zu 50 Personen wird die Marke noch erlebbarer«, freut sich das Trio auf die Weiterentwicklung des Caterers.
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