Carlo Petrini verstarb im Mai 2026. Er war Publizist, Soziologe und gründete die internationale Slow-Food-Bewegung.
© MikeDotta/shutterstock.com
Das Vermächtnis des Carlo Petrini: Erstes Slow-Food-Festival in Wien
Mit dem Tod des Slow-Food-Gründers verliert die Gastro-Welt eine ihrer prägendsten Stimmen. Nur wenige Wochen später zeigt ein neues Event-Format, wie stark Petrinis Ideen gerade heute prägen.
von Brigitte Radl
26. Mai 2026
Regionale Herkunft, transparente Lieferketten und echte Produzentenpartnerschaften sind längst mehr als nur Schlagworte in der Spitzengastronomie. Mit dem neuen Event »Ein Teller, viele Hände – Fest des guten Geschmacks« zeigt »Slow Food Österreich« in Wien, wie eng gute Küche und verantwortungsvoller Einkauf zusammenhängen.
Verantwortung trifft Zeitgeist
Am 26. und 27. Juni bringt der Verein erstmals Köche der »Slow Food Cooks’ Alliance«, Produzenten und Lebensmittelhandwerker aus ganz Österreich in der »Markterei Wien« zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger das klassische Genussfestival als vielmehr die Frage, wie Gastronomie heute mit Landwirtschaft, Handwerk und regionalen Kreisläufen zusammenarbeitet.
Gerade für Gastronomen gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung: Gäste interessieren sich stärker für Herkunft, Produzenten und transparente Wertschöpfung. Gleichzeitig suchen viele Betriebe nach Möglichkeiten, sich über Qualität und Authentizität vom austauschbaren Angebot abzuheben.

Köche und Produzenten Hand in Hand
15 Köche aus ganz Österreich entwickeln gemeinsam mit rund 30 Produzenten Gerichte rund um regionale Zutaten und traditionelle Lebensmittel – und kochen vor Ort. Die Besucher können bei freiem Eintritt nicht nur die Gerichte genießen, sondern auch mit den Beteiligten ins Gespräch kommen und im direkten Austausch Fragen stellen.
»Wir sprechen heute viel über Herkunft und Transparenz. Gleichzeitig bleiben die Produzenten hinter unseren Lebensmitteln in der Gastronomie immer noch oft unsichtbar. Mit ›Ein Teller, viele Hände‹ möchten wir zeigen, dass gutes Essen immer das Ergebnis vieler Menschen, vieler Entscheidungen und vieler Beziehungen ist.«
Gastronom Josef Floh (»Der Floh«, Langenlebarn).

Neben Josef Floh außerdem mit dabei: Clara Aue (»Marktbistro Heu & Gabel«, Wien), Florian Bucar (»Biohotel Der Daberer«, Kärnten), Martin Nuart und Philipp Medved (»Bär & Schaf«, Kärnten), René Zimmermann (»Waldjungfrau«, Niederösterreich), Anneliese Steinmayr (»Gastwirtschaft Hansberg«, Oberösterreich), Lisa und Johann Rainer (»Trautentalwirt«, Steiermark), Bernadette Wörndl (Salzburg/Wien), Paul Peters (»Wirtshaus Gretzl«, Oberösterreich), Lukas Lacina (»Weinbistro MAST«, Wien), Lisa Saahs (»Nikolaihof«, Niederösterreich) sowie Erhard Schober (Burgenland) und Kräuterwirtin Gerda Stocker (Niederösterreich).
Plattform, auch für die Gastronomie
Ergänzt wird das Programm durch eine Verkostungswerkstatt mit Sensorik- und Verkostungsformaten rund um Wein, Brot und Öl, einem kuratierten Pop-up-Markt von Produzenten aus ganz Österreich sowie Diskussionen über Herkunftskennzeichnung und die Zukunft handwerklicher Lebensmittelproduktion.
»Wir möchten mit diesem Veranstaltungsformat zeigen, dass Genuss und Verantwortung untrennbar zusammengehören«, so Christina Kottnig und Monika Liehl, Vorsitzende von »Slow Food Österreich.« »Wir verstehen ›Ein Teller, viele Hände‹ nicht nur als Genussfestival, sondern auch als Plattform für den Austausch zwischen Produzenten, Gastronomie und Konsumenten – und als sichtbares Zeichen für eine Esskultur, die auf Qualität, Biodiversität, Regionalität und fairen Beziehungen aufbaut.«

Carlo Petrinis Idee lebt weiter
Der Anlass erhält zusätzliche Symbolkraft durch den Tod von Carlo Petrini, der am 21. Mai 2026 im Alter von 76 Jahren verstorben ist. Der Italiener gründete 1986 die internationale Slow-Food-Bewegung als Gegenmodell zur Vereinheitlichung des Geschmacks und zur zunehmenden Industrialisierung von Lebensmitteln.
Viele Themen, die heute die Gastronomie beschäftigen – Regionalität, Biodiversität, nachhaltige Lieferketten oder die Wertschätzung handwerklicher Produzenten – wurden von Petrini bereits vor Jahrzehnten angestoßen. Das Wiener Event zeigt nun, wie stark diese Ideen mittlerweile auch in Österreichs Gastro-Szene angekommen sind.
Lesenswert
Der »Young Talents Day« bietet eine Rallye durch zehn Wiener Top-Hotels, fünf Challenges pro Route und ein Abend mit Sternekoch Silvio Nickol.
© Daniel Taladrid
60 Lehrlinge beim »Young Talents Day«: Die Wiener Top-Hotels investieren in Nachwuchs
Der »Young Talents Day« von »tophotels.wien« bringt 60 Lehrlinge zusammen und zeigt, wie die Wiener Spitzenhotellerie aktiv in ihren Nachwuchs investiert.
Vegetarische Gäste freuen sich: Die Ravioli bieten eine hochwertige Alternative zur aufwendigen Eigenproduktion.
© Hilcona
Schweizer Manufakturpasta gibt es jetzt auch für die Österreichische Profiküche
Die Gran Ravioli der Schweizer Manufaktur »LA PASTERIA« kommen mit einem Füllungsanteil von 60 Prozent und sind tiefgekühlt lieferbar. Die Premium-Pastalinie von Hilcona Foodservice ist jetzt erstmals auch in Österreich erhältlich.
Einer von fünf neuen Mitgliedsbetrieben: Die »Weinstube im Nikolaihof Wachau« ist jetzt Teil der »Wirtshauskultur Niederösterreich«.
© Nicolaihof
Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter: 5 neue Mitgliedsbetriebe stellen sich vor
Rund 200 Betriebe aus ganz Niederösterreich verbindet ein gemeinsames Bekenntnis zu regionalen Produkten, handwerklicher Qualität und gelebter Gastlichkeit. Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter und begrüßt kürzlich fünf neue Häuser.
Genuss funktioniert: 16.593 Euro Reinerlös für Krebspatienten in finanzieller Not.
© Rene Strasser
Beim »Fest der Sinne« wird klar: Genuss und der gute Zweck passen zusammen
Auf Schloss Kornberg versammelten sich rund 200 Gäste, 18 Spitzenköche und 18 Winzer, um gemeinsam eine kulinarische Bühne für die Österreichische Krebshilfe zu schaffen – mit Erfolg.
Ein geprüfter Brot-Sommelier im Team stärkt den Betrieb als Experte für Brotkarte, Gästeberatung und Qualitätskommunikation.
© LMAk
Brot-Expertise als Wettbewerbsvorteil: Jetzt zum »Brot-Sommelier« ausbilden lassen
Bereits zum dritten Mal bietet die Lebensmittelakademie des österreichischen Gewerbes in Kooperation mit der Bundesakademie Weinheim die Ausbildung zum »Geprüften Brot-Sommelier« an – Anmeldeschluss ist der 10. August 2026.
Sechs Finalisten, eine Blackbox-Challenge und eine fünfköpfige Jury: So läuft das Finale von »Next Generation« bei der Messe »Alles für den GAST« ab.
© Falstaff PROFI
Der große PROFI-Wettbewerb ist zurück: Bühne frei für die »Next Generation«!
Bereits in der Vergangenheit sorgte der Wettbewerb für Gastro-Karrieren. Komplett überarbeitet sucht nun die »Next Generation« gemeinsam mit »Lohberger« die Besten unter den jungen Talenten!
Meist gelesen
Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.
© Sonja Priller
Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen
Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.
In der »Freundschaft« Berlin hält man die besten Plätze für Stammgäste frei.
© Ingo Pertramer
Katzentisch oder »the perfect table«: Welche Gäste bekommen im Lokal welchen Platz?
Wer sitzt in der »Auslage«? Wer bekommt den Platz bei der Klotür? Das Gastro-Credo »Alle Gäste sind gleich« scheitert schlicht an begrenzten Plätzen: PROFI fragte nach, wie gefragte Lokale es mit der Tischvergabe halten.
Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Sternerestaurants von 201 im Jahr 2000 auf 328 im Jahr 2025 erhöht – doch bringen mehr Auszeichnungen zwingend mehr Erfolg?
© Malte Mueller/Getty Images
Sternchen oder Superstar? PROFI macht den Check: Das nutzen Auszeichnungen wirklich
Bewertungen gehören zur Gastronomie wie die Hitze zur Küche. Entsprechend viel Arbeits- und Lebenskraft verschlingen der Kampf um Auszeichnungen. Doch zahlt er sich auch in barer Münze aus? Sind am Ende die Bewertungen selbst überbewertet?
Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.
© shutterstock.com/groviapoto
Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?
Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.
Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).
© shutterstock.com/Jihun Sim
Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel
»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.
90 Prozent der Österreicher wollen, dass Bargeld auch in Zukunft Teil der Gastronomie bleibt.
© unsplash.com/Omid Armin
»Cash ist fesch«: Neue Initiative für Bargeld in der Gastronomie – jetzt abstimmen!
Die »Geldservice Austria« (GSA) und der Fachverband Gastronomie der WKO starten die Initiative »Bargeldfreundlicher Betrieb«. Damit möchte man Bargeld in der Gastronomie sichtbarer machen.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

