Jamie Oliver © RTL/Jamie Oliver Enterprises Ltd./Samy Frikha

Jamie Oliver © RTL/Jamie Oliver Enterprises Ltd./Samy Frikha

Die Wiederauferstehung des Jamie Oliver

Nach der Pleite seiner »Jamie’s Italian«-Restaurantkette war es in den vergangenen Jahren still um den »Naked Chef« geworden. Doch jetzt ist der wohl berühmteste TV-Koch der Welt offenbar wieder zurück auf der Erfolgsspur.

von Alexander Schöpf
06. Juni 2024

Als der britische TV-Sender »BBC Two« Jamie Olivers »The Naked Chef« vor 25 Jahren erstmals über den Äther schickte, glich es einer Revolution: Waren Kochsendungen bis dahin langsam, behäbig und richteten sich primär an die – zugegebenermaßen damals noch weiter verbreiteten – »klassischen« Hausfrauen, stellte dieser hibbelige, gerade einmal 24-jährige Brite dieses Konzept komplett auf den Kopf. Mit seiner unkonventionellen Art begeisterte er plötzlich Menschen fürs Kochen, die bis dahin schon an der Zubereitung eines Rühreis scheiterten. Und er gab die Initialzündung dafür, dass das Genre der Koch- und Kulinariksendungen zu einer dominierenden Kraft im TV wurde, die bis heute anhält – und das weltweit. Dass gerade ein Brite der Welt das Kochen neu erklärte, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

Im deutschen Sprachraum feierte »The Naked Chef« zwar erst vier Jahre nach der britischen Erstausstrahlung seine Premiere – auf »RTL II« um genau zu sein – doch die kulturelle Revolution, die die Sendung auslöste, ließ auch hier nicht lange auf sich warten. Ein wahrscheinlich nicht ganz unbedeutender Faktor für Jamie Olivers Erfolg in Deutschland, Österreich und der Schweiz war die lispelnde, vor Begeisterung übersprudelnde Synchronstimme von Kim Hasper, die der Sendung einen noch anarchischeren Touch verlieh, als sie sowieso schon hatte. Der »Naked Chef« ebnete den Weg für eine Reihe an Epigonen – hier muss vor allem Olivers Freund Tim Mälzer hervorgehoben werden – deren TV-Karriere ohne Jamie Oliver womöglich nicht nur anders ausgesehen, sondern vielleicht gar nicht stattgefunden hätte.

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund

Was folgte war ein beispielloser, scheinbar nicht enden wollender Höhenflug. Sendungen wie »Jamie’s Kitchen«, »Oliver’s Twist«, »Jamie at Home« oder »Jamies 15 Minuten Gerichte« zelebrierten Jamie Olivers Status als TV-Koch schlechthin. Mit über 15 Millionen, allein auf der Insel verkauften Büchern schwang er sich zum zweiterfolgreichsten britischen Autor hinter »Harry Potter«-Erfinderin J.K. Rowling auf. Und als wäre das nicht genug, fand er dazwischen auch noch Zeit, die Welt zu verbessern: So eröffnete er 2002 im Rahmen von »Jamie’s Kitchen« das Restaurant »Fifteen« in London, das arbeitslosen und sozial benachteiligten Jugendlichen die Möglichkeit bot, das Kochen zu erlernen und eine Karriere in der Gastronomie einzuschlagen. 2005 startete er die Kampagne »Feed me better« – die in der Sendung »Jamie’s School Dinners« dokumentarisch begleitet wurde – die das Ziel hatte, die Qualität des Essens in britischen Schulkantinen zu verbessern. Der damals 30-Jährige sammelte dafür 241.000 Unterschriften und entlockte der britischen Labour-Regierung die Zusage, zusätzliche 280 Millionen Pfund für die Schulküchen zu Verfügung zu stellen.

Erste Risse im Imperium des »Naked Chef« – das neben den diversen Kochsendungen und -büchern natürlich auch zahlreiche Restaurants umfasste – wurden 2011 sichtbar, als nach diversen Fällen von Lebensmittelvergiftungen Kontrolleure in mehreren Filialen von Olivers Restaurantkette »Jamie’s Italian« verdorbene Lebensmittel, erhöhte E.-coli-Werte und weitere Hygienemängel feststellten. 2014 fanden Lebensmittelinspektoren Mäusekot und verwesende Tierkadaver in einer Londoner Metzgerei, die vom TV-Koch betrieben wurde. Die Fleischerei musste daraufhin vorübergehend geschlossen werden. Der absolute Tiefpunkt folgte dann 2019: »Jamie’s Italian«, mit seinen 25 Standorten und rund 1.300 Mitarbeiter:innen in Großbritannien, hatte einen Schuldenberg von über 80 Millionen Pfund angehäuft und musste Insolvenz anmelden. Die gleichnamigen, im Ausland unter Lizenz betriebenen, Restaurants waren von der Pleite und den damit verbundenen Schließungen nicht betroffen.

Letzte Chance

Heute blickt Jamie Oliver auf diese Zeit als die »härteste seines Lebens« zurück, wie er vor einigen Monaten gegenüber »Forbes« verriet. Und er hat einige Zeit gebraucht, um sich davon zu erholen. Doch jetzt mit 49 Jahren (vor zehn Tagen hat er Geburtstag gefeiert) scheint der »Naked Chef« wieder zurück auf der Erfolgsspur zu sein. 13 neue Lokale hat er im vergangenen Jahr weltweit neu eröffnet: darunter auch im November das »Jamie Oliver Catherine Street « in London, im Herzen von Covent Garden. Kulinarisch stehen britische Pub-Klassiker im Vordergrund. Es ist seine erste Neueröffnung in der britischen Metropole seit der Pleite mit »Jamie’s Italian«.

Seit Mai ist Oliver auch endlich in Deutschland vertreten. Seine neue Kette »Jamie Oliver Kitchen« hat seit Mai auch einen Standort in Berlin. Das Restaurant in der Friedrichstraße in Berlin Mitte wird von der »BMB Gruppe« betrieben und bietet 100 Sitzplätze im Innenbereich sowie 100 Außenplätze. Als Küchenchef fungiert laut »Berliner Morgenpost« Alessandro Antonelli. »Das Menü von ›Jamie Oliver’s Kitchen‹ ist vollgepackt mit den größten Hits seiner weltweiten kulinarischen Reisen, auf denen er Bestseller-Kochbücher schrieb und preisgekrönte TV-Shows produzierte«, so »BMB«-Chef Alexander Nikolitsch. So stehen unter anderem ein »Ultimate Umami Risotto«, Wodka-Tomaten-Rigatoni, ein »Beetroot & Grape Salad« und – man höre und staune – eine »Currywurst-Pizza« auf der Karte. Zur offiziellen Einweihung des Restaurants am Mittwoch weilte der Starkoch in Berlin. 

»Es ist meine zweite und vielleicht auch meine letzte Chance im Restaurantgeschäft«, vertraute Jamie Oliver »Forbes« an. Ob er sie nutzt, wird sich zeigen. Die Kritiken für das Restaurant in Berlin sind zumindest durchwachsen. So schreibt etwa der Gourmet-Journalist Nico Rechenberg über die vorhin erwähnte »Currywurst-Pizza«: »Wow, wie verzweifelt muss eine Gastronomie sein, die so etwas auf die Karte setzt.« Auch die Bewertungen auf »Tripadvisor« lassen noch Luft nach oben.

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