»Delivery Hero« ist weltweit in über 70 Ländern aktiv. © Max Threlfall

»Delivery Hero« ist weltweit in über 70 Ländern aktiv. © Max Threlfall

EU-Kommission leitet Kartellverfahren gegen »Delivery Hero« und »Glovo« ein

Die Brüsseler Behörde verdächtigt den Lieferdienst und seine Tochterfirma illegaler Absprachen zur Marktaufteilung und Austausch wirtschaftlich sensibler Informationen.

von Alexander Schöpf
24. Juli 2024

Die Europäische Kommission hat zwei der größten Lebensmittel-Lieferdienste Europas ins Visier genommen: »Delivery Hero« und »Glovo« werden verdächtigt, durch die Beteiligung an einem Kartell im Bereich der Online-Bestellung und -Lieferung von Mahlzeiten, Lebensmitteln und sonstigen Verbrauchergütern im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gegen die EU-Wettbewerbsvorschriften verstoßen haben. Die Brüsseler Behörde hat deshalb am Dienstag bekanntgegeben ein ,förmliches Kartellverfahren eingeleitet zu haben.

Empfindliche Geldstrafen möglich

»Delivery Hero«, 2011 in Berlin gegründet und heute weltweit in mehr als 70 Ländern tätig, hat im Juli 2018 eine Minderheitsbeteiligung an »Glovo«, 2014 in Spanien gegründet, erworben und im Juli 2022 mehrheitlich übernommen. Die EU-Kommission hat Bedenken, dass »Delivery Hero« und »Glovo« vor der Übernahme räumliche Märkte untereinander aufgeteilt und sensible Geschäftsinformationen – wie zum Beispiel Geschäftsstrategien, Preise, Kapazitäten, Kosten und Produkteigenschaften – ausgetauscht haben könnten. Ferner hegt die Kommission den Verdacht, dass die Unternehmen möglicherweise vereinbart haben, keine Arbeitnehmer:innen voneinander abzuwerben. »Diese Verhaltensweisen könnten durch die Minderheitsbeteiligung von ›Delivery Hero‹ an ›Glovo‹ ermöglicht worden sein«, teilt die Behörde in einer Aussendung mit. Sollten sich die Vermutungen bestätigen, könnte dies zu empfindlichen Geldstrafen für die beiden Unternehmen führen.

Die Kommission will nach eigenen Angaben mit den jetzt eingeleiteten Untersuchungen verhindern, dass es durch wettbewerbswidrige Vereinbarungen und wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen wie Marktaufteilungen im Rahmen von Kartellen zu einer versteckten Marktkonsolidierung im Bereich der Online-Lieferung von Mahlzeiten und Lebensmitteln kommt, da dies negative Auswirkungen auf den Wettbewerb habe und zu überhöhten Preisen für die Konsument:innen führen könnte. Darüber hinaus soll dadurch auch ein fairer Arbeitsmarkt gewährleistet werden.

Schutz des Wettbewerbs

»Online-Lieferdienste für Lebensmittel bilden einen schnell wachsenden Wirtschaftszweig, in dem der Wettbewerb geschützt werden muss. Darum prüfen wir, ob ›Delivery Hero‹ und ›Glovo‹ Absprachen getroffen haben, um Märkte untereinander aufzuteilen und keine Arbeitnehmer voneinander abzuwerben. Falls sich die Vermutungen bestätigen, könnten diese Verhaltensweisen einen Verstoß gegen die EU-Wettbewerbsvorschriften darstellen und möglicherweise negative Auswirkungen auf die Preise, die Auswahl für die Verbraucher und die Chancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer haben«, so Margrethe Vestager, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und zuständig für Wettbewerbspolitik. Von »Delivery Hero« und »Glovo« gibt es bis dato kein Statement zu dem von der Kommission eingeleiteten Kartellverfahren.

Lesenswert

Dragan Milovanovic - Falstaff PROFI

Als neuer Managing Director soll Dragan Milovanovic die strategische Weiterentwicklung bei »foodora« Österreich vorantreiben.

© foodora

Interne Lösung bei »Foodora« Österreich: Dragan Milovanovic neuer Managing Director

Mit Dragan Milovanovic an der Spitze will »foodora« Österreich seine Plattform weiterentwickeln und den Ausbau von Quick Commerce und zusätzlichen Geschäftsbereichen vorantreiben.

Mini-Kosmetik Hotel - Falstaff PROFI

Schlechte Nachricht für »Sammler«: Bald gibt's kein Mini-Shampoo & Co. mehr im Hotel

© canva.com

EU-Verbot fix: Aus für Mini-Kosmetik in Hotels ab 2030

Weniger Müll im Beherbergungssektor, das ist ein Ziel der neuen EU-Verpackungsverordnung. Ab 1. Januar 2030 dürfen Hotels keine Kosmetik- und Hygieneprodukte mehr in Einwegverpackungen für den einmaligen Gebrauch bereitstellen.

»Orient Express«, neu aufgegleist: »Wir wollen nicht nostalgisch sein«

»Orient-Express« ist mehr als ein Zug, unter dem Label betreiben Accor und Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) auch Hotels und exklusive Yachten. Wie die historische Marke wieder erweckt wird, schildert Vice President Pierre-Antoine Coutand.

Adventure-Catering-Fabian-Duschel-Kaspar-Kunz-Lukas-Graf

Inbox für Essen: Die gebündelte Erfahrung von Fabian Duschel, Kaspar Kunz und Lukas Graf steht hinter den Office-Bistros.

© Roland Graf

Die Bistro-Boutique: Wenn Kreative und Programmierer Hunger kriegen

Mahl statt Mail: Mit INBOX haben Fabian Duschel, Kaspar Kunz und Lukas Graf die Betriebskantine modernisiert. Das auch hinter »Adventure Catering« stehende Trio spricht bewusst die Kreativwirtschaft an.

Grüne Insel – Die satten Wiesen Irlands sind wie geschaffen für die Freiland-Haltung.

© Roland Graf

Lamm des Lächelns

Advertorial

Dass sich Lammfleisch auf Schulter und Racks reduziert, ist eine »kontinentale« Sicht. In Irland gilt sie keineswegs. Was die ­Freiland-Schafe auszeichnet, zeigt eine ­Insel-Runde zwischen Klee und Tandoori-Bällchen.

Mike P. Pansi © VKO

Mike P. Pansi © VKO

Der Österreicher Mike P. Pansi ist neuer europäischer Kochverbandschef

Der Präsident des »Österreichischen Kochverbands« wurde in Singapur zum um »Continental Director Zentraleuropa« gewählt.

Meist gelesen

Das neue HOTREC-Executive-Committee © HOTREC

Das neue HOTREC-Executive-Committee © HOTREC

HOTREC: Europas Gastgewerbe hat eine neue Führungsspitze gewählt

Der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants, Bars und Cafés und ähnlicher Einrichtungen hat Alexandros Vassilikos als Präsident bestätigt. Neu ist hingegen der Vizepräsident und auch im Executive Comittee gibt es einige neue Gesichter.

© Shutterstock

© Shutterstock

»Booking.com«: Branchenverbände feiern EuGH-Urteil zu Bestpreisklauseln

Der »Hotelverband Deutschland« hofft jetzt, dass betroffene Hotels Schadensersatz bekommen.

© Shutterstock

© Shutterstock

Kahlschlag: »Foodora« streicht 128 Jobs und schließt sieben Standorte

Bei Lebensmittellieferungen will das Unternehmen zukünftig mit externen Partnern zusammenarbeiten, während der Kundenservice ausgelagert wird. Die Essenszustellung bleibt von den Einschnitten verschont.

© Shutterstock

© Shutterstock

EU darf und muss »Booking« genauer auf die Finger schauen

Die Europäische Kommission stuft den Konzern – so wie bereits »Alphabet«, »Amazon«, »Meta« und Co. – als Gatekeeper-Plattform im Sinne des »Digital Markets Act« ein.

© Shutterstock

© Shutterstock

»Foodora« und Co.: Wiener Wirte proben Aufstand gegen »pinke Heuschrecke«

In einem offenen Brief an Bundeskanzler Karl Nehammer sowie die Parteispitzen der Grünen, Neos und SPÖ macht sich eine Gruppe anonymer Gastronomen Luft und prangert hohe Provisionsgebühren und versteckte Kosten bei Lieferdiensten an.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!