Wellness für Körper und Geist: Das richtige Bücherangebot ergänzt das Wohlfühlangebot eines Hotels. © Silena / stefanschuetz.com

Wellness für Körper und Geist: Das richtige Bücherangebot ergänzt das Wohlfühlangebot eines Hotels.

© Silena / stefanschuetz.com

Hotel-Bibliotheken: Bücher zu buchen

Hotel-Bibliotheken sind Erholungsverstärker und Türöffner in neue Erlebnisräume – wenn sie gut zusammengestellt und ansprechend inszeniert sind. Dafür gibt es Profis und verschiedene Konzepte.

von Klaus Höfler
20. November 2022

Die Bibel in der Lade des Nachtkästchens, ein küchen-philosophischer Lebensratgeber am Kopfpolster und regionale Tourismusprospekte am Tisch. Dazu in einer Sitzecke, in Durchgängen oder neben der Rezeption eine richtungslose Sammlung von Romanen, Bildbände, die mitten in den Alpen von den schönsten Stränden in der Südsee erzählen, Kinderbücher, die für schnelle Ablenkung sorgen sollen: ein ankerloses Repertoire an Zufälligkeiten. Im Schatten von Betten und Bar, Spa und Restaurant fristen Bücher in der Hotellerie und Gastronomie häufig ein Dasein als Dekorationsobjekt. Mehr nicht. Sie bleiben im Normalfall eine Randnotiz.

Doris Lind will das ändern. »Bücher sind keine Staffage, sondern eine Verheißung«, ist die Germanistin von der inspirierenden Kraft von Büchern überzeugt und folgt diesem Credo auch beruflich: Sie richtet Hotel-Bibliotheken ein. Das Angebot der Literaturexpertin ist ein ganzheitliches: Sie stimmt sich mit den Innenarchitekt:innen bezüglich der Regalgestaltung ab, empfiehlt oder trifft die Auswahl der Bücher, kümmert sich um deren Bestellung und Lieferung, inszeniert deren Präsentation in den Räumen und Zim­mern. Denn zu einem umfassenden Wellness­angebot eines Hotels gehört, so Lind, auch die anregende »Massage für den Geist« in Form eines durchdachten Bibliothek­Konzepts.

Handverlesene Werke

Das »Silena – the soulful Hotel« im Süd­tiroler Valsertal hat eines. Lind hat für die selbst bibliophilen Betreiber Magdalena und Simon Mayr ein Repertoire aus 1500 hand­verlesenen Werken zusammengestellt. Roma­ne, Krimis, Erzählbände, großformatige Coffee­Table­Books zu Design­ und Lifestyle­ Themen und Werke zu Südtirol: Jeder Titel hat seinen thematischen Bezugsrahmen, seine Begründung. Die Auswahl hat über sechs Monate gedauert, das Abgleichen der gelie­ferten mit den bestellten Büchern vier Stun­den. »Bücher schaffen sinnanregende Erleb­nisräume, sind Teil des halböffentlichen Auf­tritts des Hotels und damit eine erweiterte Visitenkarte«, sagt Lind: »Werte, Haltungen und Interessen eines Hauses werden durch das Bücherangebot sichtbar und spiegeln den Ort und die Gastgeber wider.«

»Bücher sind eine erweiterte Visitenkarte eines Hotels. Werte, Haltungen und Interes­sen des Hauses werden durch das Angebot sichtbar.«
Doris Lind, Kuratorin für Hotelbibliotheken

Auf die Inszenierung kommt es an

Dieser Anspruch wird auch beim »Apfel­hotel Torgglerhof« in St. Leonhard bei Me­ran erfüllt. 700 Bücher sind hier über die ver­schiedenen Häuser des Betriebs verteilt. Da im Zentrum der eigenen Apfelbaumplanta­gen gelegen, gibt es viele Bücher, in denen Äpfel eine Rolle spielen. In den im Brunnen­haus präsentierten Romanen bis zu den Bild­bänden steht dagegen Wasser im Mittel­punkt. Im »Sensora Dolomites« in Seis am Schlern dreht sich indes alles um die Sinne. Fünf Tage vor der Hoteleröffnung begann Lind im Juni heurigen Jahres mit dem Ein­stellen der bei der regionalen Buchhandlung in Brixen bestellten Bücher. Monate davor hatte sie mit dem Architekten die Größe der Regalfächer im luftigen Fichtenholzwandver­bau abgestimmt. Teile der Bücher finden ihren Platz in den alten Bauernmöbeln, die Gastgeberin Lea Oberhofer in das neue Interior Design integrieren hat lassen. Immer aber kommt es auch auf die Inszenierung an. »Die schönsten, interessantesten und exklusivsten Titel werden mit dem Cover nach vorne ge­dreht. So können sie in den Raum wirken, mit den Gästen ‚sprechen‘ und sie anlocken«, erklärt Lind, warum Bücher »mehr können, als nur gelesen werden«. Am Tisch, wo gerne getratscht wird, sind inspirierende Coffee­Ta­ble­Books aufgelegt. Und viele geografische und chronikale Atlanten – eine weitere Besonderheit dieser Hotel-Bibliothek. Am Ende bekommt jedes Buch noch einen Aufkleber: »I live at Sensoria Dolomites«.

Auf Rädern: Im Hotel »Silena« finden sich eigene Bücherwagen. © Silena / stefanschuetz.com
Auf Rädern: Im Hotel »Silena« finden sich eigene Bücherwagen.
© Silena / stefanschuetz.com

Kostenloser Rückversand

Dennoch braucht es bei Hoteliers in Sachen Bibliotheken eine gewisse Großzügigkeit. Denn teilweise reisen am Ende eines Urlaubs nicht nur die Gäste ab. Dass Bücher später selbstständig den Weg »nachhause« finden, bleibt die Ausnahme. Im »Hotel Stäfeli« in Zug am Arlberg bietet man daher vorfrankierte Umschläge an, mit denen ein im Hotel angelesenes und zu Hause zu Ende gelesenes Buch kostenlos retourniert werden kann. Im »Budersand Hotel« auf Sylt, wo Schriftstellerin Elke Heidenreich die 1400 Bände umfassende Bibliothek zusammengestellt hat, können Gäste die Bücher wiederum direkt im Hotel bestellen und bekommen sie dann nach Hause geliefert.

Wie in den Südtiroler Hotels setzt man sowohl im »Budersand« zwischen Dünen und Meer wie auch im »Stäfeli« inmitten der Arlberger Gipfelkulisse auf eine entsprechende Inszenierung der angebotenen Bücher. Im »Stäfeli« findet man an acht Stationen jeweils auf das unmittelbare Umfeld abgestimmte Bücher, Zeitschriften oder Magazine. Im Flur ist es ein kleinformatiges Buch fürs schnelle Reinschmökern. Im »Zeit-Raum« sind die Bücher nach Stimmungen sortiert. Durch die Bücher und die Geschichten, die sie erzählen, sieht der Gast das Hotel mit anderen Augen. »Wer in den Büchern der Stoffdesignerin Tricia Guild geblättert hat, wird am Morgen den Gardinenstoff ganz anders zur Seite schieben. Ihm werden die Muster auffallen, die Formen. Es wird wertvoll«, ist man im »Stäfeli« überzeugt. Bei aller Wertschätzung für das Kulturgut, bleiben die Bücher selbst jedoch »ein Gebrauchsgegenstand, der mit der Zeit gewechselt werden muss«, erinnert Lind. »Indem sie achtsam präsentiert werden, bekommen sie aber den Raum und Wert, den sie verdienen.«

Bücher, über die man spricht

Auch im »Literaturhotel Juffing« am Tiroler Thiersee setzt man auf die Erholung bringende Wirkkraft von Geschriebenem. So stehen den Gästen rund 2600 Bücher zur Verfügung. Im Eingangsbereich des Hotels befindet sich ein gut bestücktes Regal mit aktuellen Neuerscheinungen, im etwas ruhigeren Bereich der Lobby mehrere Regale mit Lyrik. In jedem der 45 Zimmer ist eine kleine Bücherwand, die sich einem bestimmten Thema oder einer/einem bestimmten Autor:in widmet. In den Regalen: Ausgesuchte Neuerscheinungen aus dem deutschsprachigen Raum, englische Originalausgaben, Übersetzungen aus dem Spanischen und Französischen, aber auch ausgewählte Klassiker und informative Bücher zu Leben, Wirtschaft und Politik. Kurz gesagt: Bücher, über die man spricht und Bücher, die man gelesen haben sollte.

»Eine Hotelbibliothek ein­zurichten, ist ein Traumjob. Wenn alles fertig ist, wechseln sich Glück, Freude und Begeisterung in Sekundenschnelle ab.«
Doris Lind, Kuratorin für Hotelbibliotheken

Ähnliche Idee, andere Umsetzung heißt es für das »Hallstatt Hideaway Mountain – Lesehotel« von Silke Seemann. Die 20 Zimmer des Hauses werden von 20 Verlagen mit Neuerscheinungen bespielt. »Bei den kleineren Verlagen umfasst es das gesamte Programm, bei den großen Verlagen suchen die Kooperationspartner:innen die Werke aus, die bei uns auf interessierte Leser:innen treffen«, erklärt Seemann. Aktuell sind damit rund 12.000 Bücher im Haus. Die Bücher gehören allerdings nicht dem Hotel, sondern weiterhin den Verlagen und kommen nach einer gewissen Zeit in ein weiteres Kulturhotel, das gerade geplant wird.

Silena Literatur: Jeder Raum braucht sein eigenes Konzept: Das gilt auch wie, wo und welche Literatur angeboten wird. © Silena / stefanschuetz.com
Jeder Raum braucht sein eigenes Konzept: Das gilt auch wie, wo und welche Literatur angeboten wird.
© Silena / stefanschuetz.com

»Lesekarte« für das richtige Buch

Die Spielarten der Inszenierung von Literatur in der Hotellerie sind also vielfältig. Neben dem haptischen Erlebnis bietet das »Juffing« Literatur auch als Rauminstallation. Der Teppich in den Gängen des Haupthauses ist mit literarischen Texten von Raoul Schrott bedruckt, das Stiegenhaus und die Wände in den Gängen des Haupthauses werden von Lyrik geziert. Im »Silena« kann man einen mit 50 Büchern bestückten Bücherwagen aufs Zimmer kommen lassen, in der Bar passende Bücher zu den jeweiligen Drinks bestellen, auf der »Lesekarte« das richtige Buch zum Kaffee ordern und im Hörkino im Spa-Bereich eigens eingesprochene Hörbuch-Auszüge als »Wortaufgüsse« genießen. Im Hallstätter »Lesehotel« muss man gar nicht erst aufstehen. Die »Plug&Play Lese- und Vorlesebetten« sind extra für das Haus konzipierte Bücherregale, die sich im Raum auf Rädern frei bewegen lassen. Sie sind außer Schlafstätten für manchen Autor Arbeitsort, für Gäste Lese- und Vorleseraum. Dank spezieller Leselichter kann auch in der Nacht stundenlang gelesen werden, ohne die Augen zu ermüden. Ein Carbonnetz sorgt für Abschirmung gegen Elektrosmog und damit für entspanntes Lesen und erholsames Schlafen. Und im »The Alcove«-Library Hotel in Ho-Chi-Minh-Stadt wird Gästen eine Gute Nacht-Geschichte vorgelesen.

Erschienen in

Falstaff Profi Magazin

Sept./Okt. 2022

Zum Magazin

Lesenswert

Itshe Petz und Io Tondolo © Thomas Galli-Magerl

Itshe Petz und Io Tondolo © Thomas Galli-Magerl

Interview

»Die ganze ›Absteige zur bärtigen Therese‹ ist ein queerer Raum«

Im steirischen Trahütten hat mit der »Absteige zur bärtigen Therese« vergangene Woche Österreichs erstes dezidiert queeres Hotel aufgesperrt. PROFI hat sich mit den Betreibern Itshe Petz und Io Tondolo zum Interview getroffen.

© Pexels/Pixabay

© Pexels/Pixabay

Hotel

»Achat Hotels« schließen Partnerschaft mit der deutschen Football-Liga

Die Zusammenarbeit ermöglicht sowohl die Unterbringung von Teams als auch die Durchführung von Veranstaltungen wie Ligatagungen und Seminaren.

Christian Bär © Alpenhof Murnau

Christian Bär © Alpenhof Murnau

Interview

Christian Bär: »Wir werden wohl wieder kleinere Brote backen müssen«

Der Hotelier und Bezirksvorsitzende für Oberbayern des DeHoGa Bayern über Greenwashing, regionale Verwurzelung sowie die Herausforderungen, die das Jahr 2024 mit sich bringt.

Das »InterContinental Chantilly – Chateaux Mont Royal« liegt in der Nähe von Paris. © IHG Hotels & Resorts

Das »InterContinental Chantilly – Chateaux Mont Royal« liegt in der Nähe von Paris.

© IHG Hotels & Resorts

Neueröffnung 2024

Diese 8 Hotels eröffnet die »IHG Hotels & Resorts« in 2024

Die Hotelgruppe, zu der unter anderem die Marken »Intercontinental«, »Crowne Plaza« und »Holiday Inn« gehören, setzt ihren Expansionskurs auch im neuen Jahr fort.

Uschi Liebl © Simon Wickstead

Uschi Liebl

© Simon Wickstead

Marketing

»Uschi Liebl PR« sichert sich PR-Etat der »Sunlife Resorts«

Die Münchner Touristik- und Lifestyle-PR-Agentur wird sämtliche PR-Aktivitäten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz für die mauritische Hotelgruppe verantworten.

Das erste Hotel der österreichischen Tourismusgruppe entsteht im Ostseebad Grömitz. © NOA

Das erste Hotel der österreichischen Tourismusgruppe entsteht im Ostseebad Grömitz.

© NOA

Hotellerie

»Falkensteiner« wird sein erstes Hotel in Deutschland eröffnen

Der Baubeginn für das Premium-Familienresort, das in einem der ältesten Seebäder der Ostsee beheimatet sein wird, ist für Sommer 2025 angesetzt. Weitere Standorte sind bereits in Planung.

Meist gelesen

Das Hotel »Downtown Sissi« in Wien wird renoviert. © Meininger Hotels

Das Hotel »Downtown Sissi« in Wien wird renoviert.

© Meininger Hotels

Hotellerie

Neuer Look für zehn »Meininger Hotels«

Die Hotelgruppe renoviert diverse Objekte – darunter auch mehrere Häuser in Wien, München und Berlin.

Das »The Cloud One« in New York © Motel One Group

Das »The Cloud One« in New York

© Motel One Group

Hotel

»Motel One« eröffnet elf neue »The Cloud One Hotels«

Auch in Österreich und Deutschland sind neue Häuser der zweiten Lifestyle-Marke der deutschen Budget-Design-Hotelgruppe geplant.

Das »Pure Resorts Warth« © Mountain Residences

Das »Pure Resorts Warth«

© Mountain Residences

Hotel

Millionenpleite in den Niederlanden sorgt für Beben am Arlberg

Zwei Luxusresorts in Warth und Schruns sind von der Insolvenz der Oasis Europe betroffen. Es könnten sogar strafrechtliche Konsequenzen folgen.

© Alma Resort

© Alma Resort

Energie

Von Österreicher geführtes Hotel wird zum größten Solarprojekt Vietnams

Knapp 4.500 Solarzellen sollen auf den Dächern des »Alma Resort« installiert werden.

© ©Hotel Goldener Hirsch

Hotel

Unser Rezept zum Erfolg: Leidenschaft.

Advertorial

Arbeiten mit den Besten. Das ist einer der vielen Gründe, warum wir seit ganz vielen Jahren, einer der beliebtesten Arbeitgeber in Salzburg und Salzburger Land sind. Weil wir als Hotel ständig das Lernen im Fokus haben, wir bleiben nicht stehen, erweitern unser Wissen.

Tobias Baumann und Stephan Seubert © Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

Tobias Baumann und Stephan Seubert

© Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

Karriere

»Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg«: Mit neuer Spitze ins neue Jahr

Stephan Seubert ist seit Anfang Dezember neuer General Manager des Vier-Sterne-Superior-Hauses – Tobias Baumann steigt zum Vice General Manager auf.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!