© Falstaff / Jan Tiam Dorfer

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»Ich halte nichts von Copy Paste.« Jürgen Ammerstorfer und seine Pläne für das »Anantara Palais Hansen Vienna«

Seine Karriere führte ihn über renommierte Stationen weltweit, doch mit dem Anantara in Wien verfolgt er eine klare Vision: Ein urbanes Resort, das sowohl internationale Gäste als auch die Wiener selbst anspricht.

von Kristina Mitrovic
19. Februar 2025

Jürgen Ammerstorfer ist kein Unbekannter in der internationalen Luxushotellerie. Mit fast 30 Jahren Erfahrung in renommierten Hotelmarken rund um den Globus ist der gebürtige Linzer nun zurück in Österreich und hat mit Anfang 2025 die Position des General Managers im »Anantara Palais Hansen Vienna« übernommen. Der Wechsel in das traditionsreiche Haus am Ring markiert für ihn nicht nur eine berufliche Herausforderung, sondern auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln.

Er betont, dass wahre Exzellenz nicht durch das bloße Kopieren von Konzepten erreicht werden kann, sondern durch authentische, individuell angepasste Erlebnisse. »Es geht nicht darum, erfolgreiche Ideen einfach zu übernehmen, kein Copy Paste, sondern darum, sie zu verstehen, weiterzuentwickeln und auf die eigene Identität abzustimmen«, erklärt Ammerstorfer. Besonders in der Luxushotellerie sei es entscheidend, Trends nicht nur zu folgen, sondern neue Standards zu setzen.

Eine Karriere voller internationaler Stationen

»Ich hatte mehrere berufliche Berührungspunkte mit Wien«, erzählt Ammerstorfer. »Mit 15 durfte ich für meine Reisebüro-Lehre nach Wien und war sofort vom Großstadtflair begeistert.» Nach seiner Ausbildung begann eine beeindruckende Karriere, die ihn von San Diego über London, den Nahen Osten bis hin zu Luxushotels in Asien und Afrika führte.

Seine Erfahrung umfasst führende Positionen bei renommierten Marken wie »Ritz-Carlton«, »Hilton«, »Shangri-La« und »Edition Hotels«. Besonders in London, wo er insgesamt zwölf Jahre verbrachte, lernte er die Dynamik der internationalen Hotelbranche hautnah kennen: »London ist eine superschnelle Stadt, in der man schnell reagieren muss. Konzepte müssen sofort profitabel sein, sonst sind sie in zwei Jahren überholt.«

Seit seiner Rückkehr hat sich Wien für Ammerstorfer stark verändert. »Die Wiener Gemütlichkeit ist geblieben, aber kulinarisch und kulturell hat sich die Stadt enorm weiterentwickelt,« sagt er. In seiner Freizeit genießt er mit seinem Sohn die Natur, insbesondere in Grinzing, am Nussberg oder entlang der Donau. Kulinarisch zieht es ihn in Bezirke wie den sechsten, siebten und dritten Bezirk, wo sich viel Neues entwickelt.

Die Faszination für Wien

Als er die Anfrage erhielt, die Leitung des »Anantara Palais Hansen Vienna« zu übernehmen, war für ihn schnell klar: Diese Herausforderung will er annehmen. Das Palais Hansen, ursprünglich als Hotel für die Weltausstellung 1873 erbaut, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. »Das Besondere an diesem Haus ist, dass es von Anfang an als Hotel konzipiert wurde. Das bedeutet, dass wir optimale Räumlichkeiten hinter den Kulissen haben, was vielen historischen Hotels oft fehlt«, erklärt Ammerstorfer. Mit der Umwandlung in ein Anantara-Hotel ist frischer Wind in das Palais Hansen eingezogen. »Wir haben das Hotel in einen ›Instant Classic‹ verwandelt«, so der General Manager. »Die Renovierung hat dem Haus neue Eleganz verliehen, ohne den historischen Charakter zu verlieren. Die Gäste sollen sich in einem zeitlosen Ambiente wohlfühlen.«

Das geschützte Juwel der Neorenaissance erfordert eine behutsame Balance zwischen Tradition und Modernität. »Wir haben ein zeitloses Design gewählt, das nicht einem kurzfristigen Trend folgt, sondern sich harmonisch in die historische Architektur einfügt,« erklärt Ammerstorfer. Warme Farben, goldene Akzente und hochwertige Materialien sorgen für Eleganz und Beständigkeit. Auch in der Technik wurde auf Innovation gesetzt: Smart-Guestroom-Systeme wurden problemlos integriert.

© Falstaff / Jan Tiam Dorfer

Der Fokus auf Guest Experience

Ammerstorfer verfolgt eine klare Vision: Luxus bedeutet nicht nur opulentes Design oder kostbare Materialien, sondern vor allem eine herausragende Gästeerfahrung. »Jeder Berührungspunkt mit unserem Haus muss einen positiven Eindruck hinterlassen. Unser Ziel ist es, einen Service zu bieten, der sich nicht nur durch Professionalität, sondern durch echte Herzlichkeit auszeichnet.« Eine der ersten Maßnahmen des neuen General Managers war die Umverteilung der Mitarbeiterressourcen in Richtung Guest Experience: »Jede und jeder im Team soll eine aktive Rolle dabei spielen, den Aufenthalt der Gäste unvergesslich zu machen. Die klassische, starre Hierarchie vieler Hotels wollen wir aufbrechen.«

Auch kulinarisch gibt es Neuerungen: Die neu gestaltete Lobby-Bar »Theo’s« ist bereits ein Highlight, das als Hybrid zwischen Tages- und Abendkonzept neu gestaltet wird. Der erste Eindruck beim Betreten des Hotels soll ein Erlebnis sein, das mit stilvollem Ambiente und einem durchdachten Licht- und Pflanzungskonzept beeindruckt. Besonders der wintergartenartige Innenhof wird in eine exklusive Oase verwandelt – mit Palmen, viel Grün und einer einzigartigen Bar-Atmosphäre. »Es gibt kaum eine Bar in Wien, in der man sich wie in einem Palmengarten fühlt,« betont er.

Neben einem innovativen Cocktailkonzept mit rund 30 Prozent alkoholfreien Kreationen setzt das »Theo’s« auf kleine, feine Speisen und eine herausragende Patisserie. Ab Mai soll auch der traditionelle Afternoon Tea in neuem Glanz erstrahlen. Zudem plant Ammerstorfer eine spielerische Erweiterung der Bar, etwa mit einem Billardtisch, um den Gästen zusätzliche Erlebnisse zu bieten.

Gastronomie bleibt ein Aushängeschild

Das Michelin-Stern-Restaurant »Edvard« unter der Leitung von Paul Gamauf betreibt eine Küche mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit und Low-Waste-Konzepte. Ziel ist es, mittelfristig einen zweiten Michelin-Stern zu erkochen. Mit der »Brasserie Sophie« entsteht ein neues, zugängliches Konzept für die Wiener Gäste. Hier wird es neben österreichischen Klassikern wie Wiener Schnitzel auch eine innovative Auswahl an Tatars geben, die direkt am Tisch zubereitet werden. Besonders das Frühstücksangebot wird mit viel Tageslicht, einer Wintergartenatmosphäre und hochwertigen Speisen zum Erlebnis.

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Wiener Charme trifft auf kosmopolitischen Anspruch

In einer Stadt mit starker Hotelkonkurrenz setzt Ammerstorfer auf eine einzigartige Positionierung. »Unser Hotel vereint die Vorteile eines urbanen Resorts mit einem exklusiven historischen Ambiente. Wir bieten Luxuserlebnisse in einer ruhigen Lage abseits des Massentourismus, aber dennoch in direkter Nähe zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten,« erklärt er.

Das Spa, ein Herzstück der Anantara-Marke, wurde ebenfalls neu konzipiert. Mit 800 Quadratmetern, einem Hydropool und sechs Behandlungsräumen, darunter ein exklusiver Couple-Treatment-Raum mit privater Sauna und Dampfbad, soll es eine Ruheoase im Herzen der Stadt sein. »Wir kombinieren Thai-Hospitality mit lokalen Elementen und haben spezialisierte Therapeuten aus Thailand, die unsere Signature-Treatments exzellent umsetzen,« so Ammerstorfer. Auch hier wurde viel Wert auf natürliche Materialien wie Holz und Stein gelegt, um eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen.

Langfristig soll das Anantara Palais Hansen Vienna nicht nur ein Magnet für internationale Reisende sein, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für die Wiener selbst werden. »Das Servitenviertel wird oft als das ›kleine Paris‹ Wiens bezeichnet. Hier gibt es noch viel Potenzial, das wir mit unseren neuen Konzepten ausschöpfen wollen,« betont er.

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