Das Jubiläumsbier, ausgeschenkt im traditionellen »Bunkerl« von Michael Kolarik-Leingartner (Mitte) und Karl Jan Kolarik (rechts).
© Christina Schön
von Roland Graf
08. April 2026
Stelzen, Grillhendl und Erdäpfelpuffer stehen für die kulinarischen Aushängeschilder im »Garten der Wiener«. Doch für viele machte erst ein Krügerl Bier den Schweizerhaus-Besuch komplett. Zwei Dinge wissen aber die wenigsten Besucher: Das Glas dafür, fachlich »Wiener Bunkerl« genannt, ist eigens für die Prater-Institution angefertigt und in dieser Form geschütztes Design. Und vor allem steht dahinter ein der beständigsten Kooperationen zwischen Gastronomen und Lieferanten. Denn heuer jährt sich der Ausschank von »Budweiser Budvar« im »Schweizerhaus« zum 100. Mal!
Gefeiert wird das ohne Preiserhöhung (5,90 Euro kostet der halbe Liter Fassbier), »das ist unser Dankeschön an die Wienerinnen und Wiener für 100 Jahre Treue«, so Geschäftsführer Karl Hans Kolarik.

Am Anfang stand eine Flunkerei
Doch damit beginnen die Feierlichkeiten in der mittlerweile 107. Saison der Kolariks im Prater erst. Zum Auftakt der Jubiläumswoche im April schilderte Vater Karl Jan Kolarik die Kontinuität dieser internationalen Gastroehe, so wie er sie wiederum von seinem Vater, Begründer des »Schweizerhaus«-Erfolgs, kennt. Der übernahm 1920 mit nur 19 Jahren das damals keineswegs so rosige Geschäft im Prater. »Gerechnet hat sich der Sommerbetrieb nur mit einer Gaststätte in der Innenstadt«, so der Schweizerhaus-Doyen. Eine einzige verregnete Saison konnte das Aus bedeuten. Zudem hatte sich der Publikumsgeschmack beim Bier geändert: »Pilsener Bier war den Wienern zu bitter«. Spätestens als die Brauerei in Pilsen dem Kolariks einen Kredit verweigerte, war daher eine Alternative gefragt.
Der Stopp am Weg zu einer Landwirtschaftsmesse führte dann 1926 nach Budweis. Am Abend zechten Vater und Sohn ordentlich, wie Karl J. Kolarik schmunzelnd erzählt. Beide zahlten heimlich beim Kellner einige Biere, während der jeweils andere auf der Toilette war. Dem Geständnis am nächsten Tag folgte der Ausruf: »Ich habe überhaupt kein Kopfweh!« Die Bekömmlichkeit des Bieres war bewiesen, womit es schon bald auch im Prater aus den Zapfhähnen floss.

180 Mitarbeiter, ein böhmisches Lager
Dass daraus später eine Gaststätte mit knapp 750 Sitzplätzen drinnen und zusätzlich 1.400 Plätzen im Garten werden sollte, war noch nicht absehbar. Doch als Budweisers »Fenster zur Welt« etablierte sich das »Schweizerhaus« schon nach dem Krieg. Heute gibt es das – im Besitz des tschechischen Staates befindliche – Lager in 70 Ländern zu kaufen. »Die Zusammenarbeit über so lange Zeit ist eine echte Ausnahme in einer Welt voller Veränderung« freute sich daher auch Jaroslav Brom von »Budweiser Budvar«. Und er leitete mit einem »Na Zdravi!“ das Abzapfen eines besonderen Bieres ein.

Eigenes Jubiläums-Budweiser
Zum Jubiläum gibt es nämlich vom 13. bis 19. April eine eigens eingebraute Jubiläumsedition zu trinken. Sie wurde im September mit frischem, also ungetrockneten, Saazer Hopfen eingebraut. Die lange Lagerzeit und vor allem die ätherischen Öle des Junghopfens machen ein ganz neues Trinkerlebnis aus, das der zweimalige Bier-Staatsmeister Michael Kolarik-Leingartner kundig beschrieb. Vor allem der herbe Nachtrunk macht das Jubiläumsbier aus. »Nach dem Motto ›Schweizerhaus außer Haus‹ wird es das in der 0,75 Liter-Flasche auch für Fans zu kaufen geben«.
Zudem wird es ein Gewinnspiel zum »100er« geben und auch eine Edition von sechs Flaschen Budweiser im Handel (bei »Spar“ erhältlich). Natürlich mit dem originalen »Bunkerl« – für das »Schweizerhaus«-Feeling daheim!

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