Stilsicher wie immer: Nigel Slater in seinem neuen Buch »Tausend kleine Freuden«.
© DuMont Buchverlag
Kulinarische Miniaturen in Buchform: Nigel Slaters Blick auf Genuss und Leben
Statt klassischer Rezepte versammelt Nigel Slater in diesem Band kurze Beobachtungen, Erinnerungen und kulinarische Impressionen – ein persönlicher Blick auf Essen, Reisen und die kleinen Momente dazwischen.
von Roland Graf
05. April 2026
Slater-Fans werden das Original (aus 2024) kennen. Und die Freunde seiner Rezeptsammlungen »Tender« oder »Greenfeast« sind unter Köchen zahlreich. Doch das ungewöhnliche Buch »Tausend kleine Freuden – Geschichten übers Essen, Gärtnern und Reisen« macht die Lebenssumme seines Blicks aufs Essen auch deutschsprachigen Lesern zugänglich. Rezepte finden sich kaum, darunter aber eine mustergültige »Orange Marmalade«. In gewisser Weise hat der Autor seine Taschen ausgeleert und lässt uns an den Fundstücken teilhaben. Die über 400 Seiten mit kleinen Beobachtungen halten u. a. Kuriosa bereit, über die man lachen kann. Etwa, wenn der ruhige Star der britischen Szene, der heuer 70 wird, Curry im Hotel mit der Kreditkarte isst.
Die Themen sind so entlegen wie Bacon-Sandwichs, Kardamomberge, schreckliche Massagen in Berlin und Rosenwasser-Eiscreme in einem Laden, dessen Wände mit Einschusslöchern übersät sind. Die tröstliche Kraft des Essens wird in vielen Szenen beschworen. Manche sind kurz und poetisch wie ein Haiku. Andere schaffen es, Geschmack aus Worten entstehen zu lassen. Doch immer geht es ums Staunen und Innehalten, vielleicht auch um einen Nachschlag: vom Glück, einer koreanischen Teigtasche oder den Kartoffelchips. Der Leser wird jedenfalls geistig satt; ihm bleiben ja 999 weitere kulinarische Freuden.
Warum kaufen?
Man kann exotische Schauplätze, Lebensklugheit oder Slaters Stil-Sicherheit genießen. Oder alles zusammen.
428 Seiten, DuMont Buchverlag, € 29,50,–
dumont-buchverlag.de

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