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Désirée Schröder vom Weingut Dr. Loosen

Désirée Schröder vom Weingut Dr. Loosen
Foto beigestellt

Am Puls der Zeit: Insider-Interview zum Start der ProWein 2026

ProWein
Weingut
Deutschland

Wie geht es der Weinbranche im Frühjahr 2026, und in welcher Stimmung reisen die Akteure zur ProWein? Das Ergebnis zeigt: Trotz aller Herausforderungen bleibt der Optimismus groß!

Désirée Schröder, National Director of Sales & Marketing, Weingut Dr. Loosen

Falstaff: In welcher Stimmung gehen Sie zur Prowein 2026? 

Désirée Schröder: Gelassen und gespannt.

Der Deutsche Weinbauverband prognostiziert, dass mittelfristig 30 Prozent der Rebflächen in Deutschland verschwinden werden, in Bordeaux ist die Anbaufläche bereits beträchtlich geschrumpft, in den letzten drei Jahren um rund 20.000 Hektar. Sehen Sie im Rückgang der Weinproduktion eher ein fatales Zeichen oder eine Chance?

Ich sehe darin tatsächlich eher eine Chance – auch wenn es im ersten Moment weh tut. Natürlich schmerzt es, wenn Weinbergsflächen verschwinden. Das ist Kulturlandschaft, Tradition, Geschichte. Und wir merken ja alle, wie angespannt die Lage ist: Gerade an der Mosel mit unseren Steillagen ist das extrem spürbar. Trotzdem glaube ich fest daran, dass dieser Rückgang auch etwas Positives auslösen kann. Er zwingt uns dazu, fokussierter zu arbeiten, uns auf die besten Lagen zu konzentrieren und Qualität stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Aber: Ein Weinbaugebiet darf nicht unter eine kritische Größe schrumpfen. Nur wenn wir eine gewisse Fläche halten, bleiben wir international sichtbar. Sonst verschwindet eine Region irgendwann aus dem globalen Bewusstsein – und das wäre wirklich fatal.

Was ist Ihre Idee bei der Ansprache der jüngeren, weniger als 35 Jahre alten Zielgruppen?

Ich glaube, wir sollten die jüngeren Generationen nicht »überzeugen wollen«, sondern sie ernst nehmen und ihnen einfach zeigen, wer wir wirklich sind. Es gibt immer nur einen bestimmten Prozentsatz an Menschen, die sich überhaupt für Wein begeistern lassen – und mit sinkenden Jahrgängen werden es natürlich auch weniger junge ­Menschen. Entscheidend ist daher nicht, speziell »für die Jugend« zu produzieren, sondern authentisch zu bleiben. Nicht anbiedern, nicht künstlich verjüngen – sondern nahbar, ehrlich und leidenschaftlich bleiben. Das begeistert am Ende alle Generationen.

Welche Zukunft sehen Sie für Betriebe, die sich Bioweinbau, Biodynamik und/oder regenerativem Weinbau verschrieben haben?

Betriebe, die biologisch, biodynamisch oder regenerativ arbeiten, ­stehen aktuell vor einer doppelten Herausforderung: Auf der einen Seite steigen Kosten und Unsicherheiten, während viele Verbraucher aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung eher zurückhaltend ­einkaufen. Entscheidend wird sein, wie flexibel die Betriebe bleiben, wie gut sie Innovationen integrieren können und ob es gelingt, ­ökologische Prinzipien mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu ­verbinden.

Wo haben Sie in der Gastronomie im vergangenen Jahr eine wirklich außergewöhnliche Weinkarte vorgefunden (im In- oder auch Ausland)?

Eine besonders beeindruckende Entdeckung im vergangenen Jahr ist die Weinbar »L’Arche des Vins« in Beaune.


 

Chris Yorke, Geschäftsführer ÖWM, Wien (Österreich)

Falstaff: In welcher Stimmung gehen Sie zur ProWein 2026?

Chris Yorke: Optimistisch. Mit dem 2025er-Jahrgang können wir wieder sehr trinkfreudige, fruchtige Weine bieten – also genau das, was der Markt aktuell verlangt. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir eine erfolgreiche ProWein vor uns haben.

Der Deutsche Weinbauverband prognostiziert, dass mittelfristig 30 Prozent der Rebflächen in Deutschland verschwinden werden, in Bordeaux ist die Anbaufläche bereits beträchtlich geschrumpft, in den letzten drei Jahren um rund 20.000 Hektar. Sehen Sie im Rückgang der Weinproduktion eher ein fatales Zeichen oder eine Chance?

In Österreich sehen wir seit geraumer Zeit eine kontinuierliche, organische Anpassung der Weinbaufläche an die Konsumsituation. Das wird auch weiterhin geschehen. Ich denke aber, dass wir mit unseren Weinstilen – hochwertig, frisch, umweltbewusst produziert – die aktuellen Konsumpräferenzen gut bedienen können und für die großen Herausforderungen, die es im Weinbau fraglos gibt, gut gewappnet sind.

Was ist Ihre Idee bei der Ansprache der jüngeren, weniger als 35 Jahre alten ­Zielgruppen?

Wir haben im Herbst 2024 eine große Umfrage unter 20- bis 35-jährigen Österreicher:innen durchgeführt. Dabei haben wir gelernt, dass sie zwar etwas seltener trinken als frühere Generationen, aber Wein für sie immer noch das beliebteste alkoholische Getränk ist. Was jedoch fehlt, ist eine zeitgemäße, lockere Ansprache und mehr Möglichkeiten, um Wein unkompliziert probieren zu können. Daher haben wir letztes Jahr die neue Marke »rot weiss rosé« ins Leben gerufen, mit der wir 20- bis 35-jährige Konsument:innen zum österreichischen Wein bringen wollen – auf eine nahbare, niederschwellige und erlebnisorientierte Art.

Welche Zukunft sehen Sie für Betriebe, die sich Bioweinbau, Biodynamik­ und/oder regenerativem Weinbau ­verschrieben haben?

Umweltbewusst produzierte Weine liegen in bestimmten Märkten und bei bestimmten Käuferschichten stark im Trend. Das merken wir zum Beispiel in den nordischen europäischen Ländern, in Kanada, aber auch in urbanen Räumen der »traditionelleren« Exportländer. Und ich sehe auch kein Abebben dieser Entwicklung.

Wo haben Sie in der Gastronomie im vergangenen Jahr eine wirklich außergewöhnliche Weinkarte vorgefunden (im In- oder auch Ausland)?

Wenn Sie mal in Japan sind, besuchen Sie das Chi-Fu in Osaka!

Chris Yorke, Geschäftsführer ÖWM, Wien
© Anna Stöcher | ÖWM
Chris Yorke, Geschäftsführer ÖWM, Wien

Christina Hilker, Sommelier Consult, Stuttgart

Falstaff: In welcher Stimmung gehen Sie zur ProWein 2026?

Christina Hilker: Neugierig, wissensdurstig, gespannt und gut vorbereitet.

Der Deutsche Weinbauverband ­prognostiziert, dass mittelfristig ­30 Prozent der Rebflächen in Deutschland verschwinden werden, in Bordeaux ist die Anbaufläche bereits beträchtlich geschrumpft, in den letzten drei Jahren um rund 20.000 Hektar. Sehen Sie im Rückgang der Weinproduktion eher ein fatales Zeichen oder eine Chance?

Wir müssen diese Krise als Chance sehen. Wie in anderen Wirtschaftsbereichen werden sich die mutigen, kreativen und anpassungsfähigen Unternehmen und Konzepte durchsetzen. Unseren Winzern traue ich da einiges an Innovationskraft zu.

Was ist Ihre Idee bei der Ansprache der jüngeren, weniger als 35 Jahre alten Zielgruppen?

Moderationen müssen neu gedacht ­werden. Wir gehen bei Sommelier ­Consult mit frischen Eventkonzepten wie »Speedtasting« oder »Wein-Bingo« seit Jahren sehr erfolgreich in diese Richtung. Auch unser Format der »Blindprobe« (Degustationen in der absoluten Dunkelheit) begeistert junge Weineinsteiger. Dabei erleben wir in unserer Blackbox immer wieder, wie sich junge Menschen ohne die üblichen Berührungsängste für präzise sensorische Weinbeschreibungen begeistern. Aber es braucht noch viel mehr Winzerinnen und Winzer, die sich wagen, als Influencer in den Social-Media-Ring zu steigen.

Welche Zukunft sehen Sie für Betriebe, die sich Bioweinbau, Biodynamik und/oder regenerativem Weinbau ­verschrieben haben?

Meines Erachtens funktioniert Weinbau nur im Einklang mit der Natur. Die Bedeutung dieser Bewegung wird weiter zunehmen. Auf welchem Level sich Betriebe zertifizieren lassen, interessiert mich wenig. Auf eine grundsätzliche Geisteshaltung zur Arbeit in und mit der Natur kommt es an.

Wo haben Sie in der Gastronomie im ­vergangenen Jahr eine wirklich außergewöhnliche Weinkarte vorgefunden (im In- oder auch Ausland)?

Das »Valtrivin« im Elsass, ein echter Geheimtipp in Ammerschwihr.

Christina Hilker, Sommelier Consult, Stuttgart
© Bettina Meister
Christina Hilker, Sommelier Consult, Stuttgart

Theresa Olkus, Geschäftsführerin Verband Deutscher Prädikatsweingüter, Mainz

Falstaff: In welcher Stimmung gehen Sie zur ProWein 2026?
Theresa Olkus: Hoffnungsfroh, neugierig, gespannt, gut vorbereitet und hellwach.

Der Deutsche Weinbauverband prognostiziert, dass mittelfristig 30 Prozent der Reb­flächen in Deutschland verschwinden werden, in Bordeaux ist die Anbaufläche bereits beträchtlich geschrumpft, in den letzten drei Jahren um rund 20.000 Hektar. Sehen Sie im Rückgang der Weinproduktion eher ein fatales Zeichen oder eine Chance?

Der Rückgang ist für die betroffenen Betriebe schmerzhaft und belastend, zugleich eröffnet die aktuelle Situation aber auch Raum für eine Weiterentwicklung der Branche. Insgesamt sehe ich neue Chancen. Deutschland ist kein Land für billige Massenerzeugung – unsere Chancen liegen in besonderen Qualitäten und dem Fokus auf Herkunft. Wichtig ist, dass beim Rückgang nicht vor allem Kulturlandschaften betroffen sind, sondern Flächen, die bis dato Masse geliefert haben.

Was ist Ihre Idee bei der Ansprache der ­jüngeren, weniger als 35 Jahre alten ­Zielgruppen?
Hier gibt es keine »one fits all«-Formel. Wir glauben, dass es zu einfach gedacht ist, junge Menschen »nur« mit unkompliziertem, einfachem Wein und einfachster Ansprache abholen zu wollen. Die VDP-­Winzerinnen und Winzer haben ein Sortiment, das die Möglichkeit bietet, »mit uns zu wachsen«. Natürlich müssen wir die Zielgruppe an den Orten treffen, an denen sie sich aufhält, ihre Sprache sprechen und sie in den Medien erreichen, die für sie relevant sind.

Welche Zukunft sehen Sie für Betriebe, die sich Bioweinbau, Biodynamik und/oder regenerativem Weinbau verschrieben haben?

Die Zahl der Güter, die so arbeiten und sich auch größtenteils zertifizieren lassen, steigt permanent im VDP. Das verschafft ihnen einen Wissensvorteil in ihren Weinbergen und verändert, wie diese auf Klimaveränderung und Extremwetter reagieren, und stärkt sukzessive die Resistenz der Weinberge. Wer unter dem Motto »Guter Wein wird im Weinberg gemacht« arbeitet, für den ist es eine Stellschraube, um die letzten Prozent der Exzellenz herauszukitzeln. Es ist nicht die einzige und auch bestimmt nicht die leichteste Art zu arbeiten, aber diese Betriebe stellen sich sehr bewusst für die Zukunft auf.

Wo haben Sie in der Gastronomie im vergangenen Jahr eine wirklich außergewöhnliche Weinkarte vorgefunden (im In- oder auch Ausland)?

Bei Sven Uzat im »Park Hotel Vitznau«, bei Maximilian Steinfeld im »Hotel Alpenstern«, bei Andreas Held im »Meisenheimer Hof«, bei Katharina Iglesias in der »Winebank Hamburg«, bei Andreas Lelke im »Bungertshof«, bei »Concept Riesling« in Düsseldorf und im »Ikigai« auf Schloss Elmau.

Theresa Olkus, Geschäftsführerin Verband Deutscher Prädikatsweingüter, Mainz
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Theresa Olkus, Geschäftsführerin Verband Deutscher Prädikatsweingüter, Mainz

Herbert Oschep, Geschäftsführer Weintourismus, Burgenland, Donnerskirchen

Falstaff: In welcher Stimmung gehen Sie zur ProWein 2026?

Herbert Oschep: Gelassen, gespannt, genüsslich.

Der Deutsche Weinbauverband prognostiziert, dass mittelfristig 30 Prozent der Rebflächen in Deutschland verschwinden werden, in Bordeaux ist die Anbaufläche bereits beträchtlich geschrumpft, in den letzten drei Jahren um rund 20.000 Hektar. Sehen Sie im Rückgang der Weinproduktion eher ein fatales Zeichen oder eine Chance?

Wir befinden uns international und global gesehen in einer wirtschaftlich sehr angespannten Lage. Jeder Umbruch birgt Gefahren und Chancen. Unternehmertum und Resilienz sind daher gefragter denn je. Wir als Interessenvertreter müssen uns auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen und aktive Lösungen für die Winzerinnen und Winzer anbieten. Jammern hilft nix. Tun, tun und tun.

Was ist Ihre Idee bei der Ansprache der jüngeren, weniger als 35 Jahre alten Zielgruppen?

Meine Antwort bedient sich eines Ausschlussverfahrens. Was dürfen wir NICHT sein: elitär, überheblich, altbacken, unbezahlbar.

Welche Zukunft sehen Sie für Betriebe, die sich Bioweinbau, Biodynamik und/oder regenerativem Weinbau verschrieben haben?

Noch stärker auf die Rahmenbedingungen eingehen, die von der Natur vorgegeben werden, ist das Gebot der Stunde. Das Ziel sollte ja sein, das lokale Terroir herauszuarbeiten und damit die Regionen und die Unterschiede klar und erkennbar zu machen. Das wird die vinophile Zukunft sein. Herkunft!

Wo haben Sie in der Gastronomie im vergangenen Jahr eine wirklich außergewöhnliche Weinkarte vorgefunden (im In- oder auch Ausland)?

Wenn ich nur eine Angabe machen darf, dann … »Gasthaus Stern« in Wien ­Simmering.

Herbert Oschep, Geschäftsführer Weintourismus Burgenland, Donnerskirchen
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Herbert Oschep, Geschäftsführer Weintourismus Burgenland, Donnerskirchen

Erschienen in
Falstaff ProWein Special 2026

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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