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Bordeaux 2024 En Primeur : Eine schwere Geburt, das Kind wohlauf!

Bordeaux
Verkostung

Falstaff verkostete mehr als 500 Weine in Bordeaux mit dem Fazit, dass es in allen Appellationen einige sehr gute Rotweine gibt – mit Charme, Frische, Leichtigkeit und durchaus Lagerfähigkeit.

Nicht leicht hatten es die Winzer im Verlauf des Jahres, in 2024 war so ziemlich von allem etwas dabei, was man im Weinbau nicht braucht. Am Anfang viel Feuchtigkeit, große Probleme mit Mehltau, kleinere Fruchtansätze wegen einer ausgedehnten Blüte, Hagel, Regen knapp vor dem Erntezeitpunkt. Aber: der Sommer fiel warm und durchwegs trocken aus, die Reifezeit war ausreichend lange und wer am Ende nochmals penibel selektionierte, hatte zwar in der Regel weniger Wein als üblich im Keller, dafür aber ein Ergebnis, das durchwegs besser ist als von vielen erwartet wurde.

Nach über 500 Weinen, die von Falstaff in den letzten Tagen direkt in Bordeaux beurteilt werden konnten, lautet das Fazit: Es gibt in allen Appellationen einige sehr gute Rotweine (weder links noch rechts des Ufers sind die Weine »besser«), aber das Ergebnis ist insgesamt sehr heterogen. Wichtig wie immer: die Güte des Terroirs, das Alter der Reben – diesmal besonders bei den Merlots essenziell, und die strikte Selektion des Lesegutes – leider auch eine Frage der finanziellen Mittel.

Der Charakter der Weine entspricht exakt dem, was sich die junge Generation sowie die Claret-Fraktion unter den Connaisseurs gewünscht haben: Tiefe Farbe, expressive-einladende Frucht ohne Spur von Überreife, reife, seidige Tannine, sehr gute, animierende Frische und Leichtigkeit im Sinne des Alkohols, der am linken Ufer durchgängig unter 13 Prozent und am rechten Ufer manchmal knapp darüber liegt. Die trockenen Weißweine sind durchwegs ausgezeichnet, die Süßwein präzise und vielversprechend.

Guter Jahrgang mit einigen Spitzenweinen

Es sind 2024 Rotweine entstanden, die mit Charme und Frische glänzen, die man sehr früh antrinken können wird, viele sofort, von zehn Jahren Wartezeit wird hier keine Rede sein. Man fühlt sich stilistisch in die Achtzigerjahre zurückgebeamt, nur dass damals die meisten Weine weit nicht so präzise gemacht werden konnten wie heute.

Der Jahrgang eignet sich nicht für langfristige Spekulationen, Leute, die Bordeaux als Investition betrachten, werden sich in 2024 nicht wiederfinden, solchen, die einen Einstieg in die Welt von Bordeaux wagen wollen oder ganz schlicht und ergreifend gerne Bordeaux trinken, könnte das recht gut gefallen. Sicher ist, dieser Jahrgang darf als gut bis sehr gut eingestuft werden, einige Spitzenprodukte sind auch dabei, die sind aber auch preislich in der Topliga. Aber die paar Flaschen von Le Pin oder jene von Petrus verkaufen sich sowieso.

Nun zur Preisfrage: das ökonomische Umfeld für die kommende Subskriptionskampagne ist denkbar schwierig. Weder aus den USA noch aus China sind Impulse zu erwarten, die einen können nicht kaufen (wegen der unklaren Zollsituation), die anderen wollen nicht (Chinesen kaufen nur angesagte Topjahrgänge). Für die Winzer heißt es nun abwägen: die Mengen sind geringer, die Gestehungskosten waren hoch, der Markt ist extrem defensiv.

Verkaufsstart nach Ostern

Die ersten Weingüter werden sofort nach Ostern mit ihren Preisen auf den Markt kommen, am Mittwoch, den 23. April eröffnen Pontet-Canet und de Fieuzal, für den 29. April hat bereits mit Lafite-Rothschild der erste Premier angekündigt, auf den Markt zugehen. Am 30. April kommt Angélus. Cheval Blanc wird am 6. Mai, Montrose am 7. Mai, Mouton-Rothschild am 13. Mai in den Handel gehen. Haut-Brion hat es nicht so eilig, dort hat man den Verkaufsstart mit 20. Mai angesagt. Innerhalb dieser vier Wochen werden die Interessenten Klarheit haben, ob dieser Jahrgang nach 2019 einer sein könnte, wo sich am Ende ein Subskriptionskauf lohnen könnte.

Die Falstaff-Prognose lautet: die Preise werden gegenüber 2023 nochmals um 20 bis 25 Prozent gesenkt werden, was in etwa dem Niveau von 2008 zuzüglich der Inflation entsprechen würde. Wenn das so kommt, dann sollte man sich seine Lieblingsgüter nicht entgehen lassen, wenn sie entsprechend gut bewertet sind. Schaut man sich die Preise in Burgund an, dann werden einem manche sehr bekannte Namen in Bordeaux diesmal als Schnäppchen erscheinen. Wenn die Premiers Grands Crus zwischen 200 und 250 Euro an den Négoce gehen (das sind die Preise für den Großhandel), dann kann 2024 sehr spannend werden.

Zusammenfassung: Trinkfreude, Charme, Frische, Leichtigkeit und durchaus Lagerfähigkeit, und das Ganze sicher zu Preisen wie schon lange nicht mehr.

ZUM BORDEAUX 2024 EN PRIMEUR TASTING

Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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