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© Peter Moser

Bordeaux En Primeurs 2025: Der Meilenstein für das »Neue Bordeaux«

Bordeaux en Primeur
Bordeaux
Frankreich
Verkostung

Zwölf Weine mit der Traumnote von 100-Punkten, das gab es schon lange nicht mehr. 2025 bietet Spitzenqualitäten aus allen Appellationen, mit faszinierenden Qualitäten von den besten Betrieben und überdurchschnittlichen Ergebnissen bis hin zu den Alltagsweinen.

Dieser Jahrgang könnte sich unter die Allergrößten einreihen. Lediglich die Mengen sind diesmal sehr schwach ausgefallen. Die Preise für diesen tollen Jahrgang werden leicht über dem günstigen Vorjahr liegen und damit sollten sie einen tauglichen Kaufanreiz stellen. Anders als so oft im letzten Jahrzehnt, ist eine Preissteigerung zum Zeitpunkt der Marktankunft des Jahrgangs im Jahr 2028 vorhersehbar und daher kann man wieder einmal mit ruhigem Gewissen zum Subskriptionskauf raten.

Am Montag, den 20. April 2026 begann die offizielle Verkostungswoche der »En Primeurs 2025«, bei der rund 4000 Weinexperten aus 85 Ländern die Fassproben des jüngsten Jahrgangs in Bordeaux persönlich in Augenschein nehmen konnten, bevor diese rund eineinhalb Jahre später offiziell in Flaschen abgefüllt und auf den Markt gebracht werden.

Die Besucher setzen sich zu 98 Prozent aus Profis der Branche zusammen, darunter Weinhändler (Négociants), Importeure, Sommeliers, spezialisierte Journalisten und Weinkritiker. Falstaff Chefredakteur Peter Moser war bereits zu Beginn der Vorwoche angereist und hat bei 53 Château-Besuchen und sieben größeren Sammelverkostungen von Winzergruppen so gut wie alle wichtigen Produkte – insgesamt mehr als 500 Weine – bewertet und viele Gespräche mit den Weinmachern geführt.

Seine Resümée: Bordeaux ist stilistisch an einem Wendepunkt angelangt. Nie waren die Weine der Regionen besser als heute. 2025 verkörpert das »neue Bordeaux« in idealer Weise. Die Weine zeigen moderaten Alkohol, sind komplex, sowohl vertikal wie horizontal, besitzen eine tolle Tanninreife und eine überraschende Frische, sie werden früh antrinkbar und lange lagerfähig sein.

Die Weine sind gezielt in Richtung Trinkfreudigkeit gemacht, auf die übermäßige Verwendung von neuen Fässern wird verzichtet, dafür mehr großes Holzfass, Edelstahl, Betontank oder Tava-Amphoren verwendet. Die Ära der Parker-Weine, die nach dem Jahrgang 2010 stilistisch endete, ist nun nach Jahren, in denen man einen Weg suchte mit der Klimakrise zu leben, endgültig Geschichte, Eleganz und Balance haben in Bordeaux wieder das Sagen. Viele Betriebe haben sich längst der biologischen sowie biodynamischen Produktion verschrieben und sind zertifiziert, noch mehr auf dem Weg dazu. 2025 reiht sich ein in die tolle Serie der Jahre mit einer Fünf am Ende und bildet einen Markstein für das neue Zeitalter in Bordeaux.

Warum ist 2025 ein herausragender Jahrgang? Es waren viele kleine und größere Faktoren, die zu diesem Ergebnis beitrugen: Die Blütephase und die Befruchtung waren nicht besonders effektiv, hier liegt das Fundament für die geringe Erntemenge. Hitze und Trockenheit setzten bereits Mitte Mai ein, die Beeren der Trauben waren entsprechend klein. Die erste Hitzespitze gab es bereits imt Juni, andauernd hohe Temperaturen im Juli, eine weitere Hitzewelle bis 20. August. Trotz der Trockenheit und Hitze des Sommers waren die nächtlichen Werte relativ niedrig, der Tag-Nachtunterschied beträchtlich. Das bewahrte den Weinen die Aromatik und Frische. Ab dem 20. August kühlte es leicht ab, der Trockenstress, der für die hohe Qualität der Trauben verantwortlich ist, wurde durch etwas Regen aufgehoben. Es war exakt die Menge an Niederschlägen, die man benötigte, dass nun auch die Kerne völlig ausreifen konnten und damit der Alkohol nicht über die Stränge schlagen konnte.

Angesichts der kleinen Ernte wollten jetzt manche Winzer kein Risiko eingehen und begannen mit der Ernte, der größere Teil wartete etwas zu. Die Erntebedingungen im September waren optimal, unterbrochen nur von einer späteren Regenepisode, die der Gesundheit der Trauben nichts mehr anhaben konnte. Die Niederschläge sorgten lediglich dafür, dass das Beerenvolumen ein klein wenig zunahm, damit pendelten sich die Alkoholwerte der Cabernets zwischen 12,5 und 13,5 Volumenprozent ein einem trinkfreundlichen Bereich ein. Das die Weine enorme Polyphenolwerte haben zeigt bereits ihr tiefdunkle Farbe ab, sie verfügen über eine ausgeprägte Fruchtaromatik, kraftvolle, vollreife Tannine und eine bezaubernde Frische. Sie werden schon früh trinkbar sein und zudem über eine große Lagerfähigkeit verfügen. Das heißt, 2025 kommt dem jüngeren Publikum entgegen, aber auch reifere Bordeauxliebhaber können diesen Jahrgang einkaufen, ohne Angst zu haben, ihn nicht mehr zu erleben, weil er fünfzehn Jahre reifen muss.

Warum soll man diesen Jahrgang in Subskription kaufen? Nach der Verkostung von 500 Jungweinen, zahllosen Besuchen auf den Weingütern und vielen Diskussionen mit den Weinmachern scheint die Aussage berechtigt, dass es sich bei 2025 um einen der besten Jahrgänge seit langen handelt, er ist in vielerlei Hinsicht Jahren wie 2022, 2016 aber auch 2009 und 2010 überlegen. Wie Peter Sisseck, Ausnahmewinzer und Pingus-Macher, den wir auf seinem kleinen Saint-Emilion-Weingut Château Rocheyron zum Falstaff-Interview trafen, sagte: »Nie zuvor wurden in Bordeaux so gute und präzise Weine erzeugt wie heute, es ist ein Wunder, dass das den Konsumenten noch nicht aufgefallen ist.« Warum also sollte man jetzt kaufen: Extrem gute Qualität, sehr gute Preise, und vor allem sehr limitiertes Angebot.

Zu den Preisen: diese werden sich im Vergleich zum sehr preiswerten, aber qualitativ nicht annährend so gutem Jahr 2024 etwas erhöhen (müssen). Hier muss auch auf die im Markt befindlichen älteren Jahrgänge Rücksicht genommen werden, also sind dezente Preissteigerungen erwartbar. Damit sind die Weine aus 2025 aber in jedem Fall als besonders günstig anzusehen und angesichts der Topqualität und der teilweise extrem kleinen Ernte ist eine deutliche Preissteigerung zu erwarten, wenn 2025 gefüllt ist und auf dem Markt kommt.

Ein weiterer Punkt: der Jahrgang bietet Topweine in allen Regionen, sowohl bei weiß wie rot und süß, und diese Qualität reicht von Premier Crus bis zu den Cru Bourgeois hinab, die besonders tolles Preis-Leistungsverhältnis aufweisen, wie die Weine aus den Satelliten des rechten Ufers von Castillon bis Fronsac. Die homogenste Appellation am linken Ufer ist Margaux, hier waren die Bedingungen maßgeschneidert, in Saint-Emilion beeindruckt die Frische der Weine von den Kalkböden, in Pomerol speziell die Weine der Kernzone.

Fazit: 2025 einer der raren Jahrgänge, in denen man als Käufer nichts falsch machen kann, außer nicht zu kaufen. Das nicht zu tun, wird man bereuen, dazu braucht man diesmal keine Kristallkugel.

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ZUM BORDEAUX EN PRIMEUR 2025 TASTING


Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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