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»Cotti Coffee«: Deshalb enttäuscht die Kaffeekette aus China

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99-Cent-Espresso und rotes Logo: Die chinesische Kaffeekette »Cotti Coffee« eröffnet erste Filialen mit preislicher Kampfansage. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Revolutionär ist hier nur das Marketing.

Während viele kleine Cafés unter steigenden Mieten, Energiepreisen und Personalkosten ächzen, eröffnet eine chinesische Kette im Wochentakt neue Filialen. Der Name: »Cotti Coffee«. In China bereits Nummer zwei im Coffee-to-go-Geschäft, verzeichnet die Kette weltweit 18.000 Filialen – und das in nur vier Jahren. In Deutschland sind seit Anfang des Jahres die kleinen Kaffeeläden mit rot-weißen Logos in Berlin, Köln, Hamburg und Düsseldorf zu finden. Das Tempo erinnert weniger an traditionelle Kaffeekultur und mehr an extrem günstige Online-Händler wie »Shein« oder »Temu« – nur eben mit Koffein und eigenem Laden.

Maximale Effizienz, minimale Leidenschaft

Geworben wird mit sehr günstigen Kaffeepreisen. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Wer die App nutzt und vorbestellt, bekommt tatsächlich den Espresso für 99 Cent. Der Americano startet digital bei 1,99 Euro. Wer hingegen an die Theke tritt, erlebt eine weniger revolutionäre Realität. Zwei Spezial-Americanos kosten zusammen beispielsweise 8,09 Euro, der Matcha schlägt mit 4,70 Euro zu Buche.

Das Interieur der Filialen präsentiert sich nüchtern: dunkle Materialien, wenige Sitzplätze, kein ausgeprägtes Aufenthaltskonzept. Das Konzept setzt klar auf Durchlauf, nicht auf Verweilen. Außerdem gibt es statt Geschirr nur Papp- und Plastikbecher und statt aufwändiger Siebträger- nur vollautomatisierte Kaffeemaschinen. Folgt man den Bewertungen im Internet, soll auch die Qualität zu wünschen übrig lassen. Auch, dass es laut Medienberichten in der Berliner Filiale keine Hafermilch gäbe, dürfte für nachhaltig geprägte Berliner:innen ein Schock sein.

Expansion dank Erfahrung

Hinter Cotti stehen keine Unbekannten: Lu Zhengyao und Qian Zhiya haben zuvor »Luckin Coffee« groß gemacht. Nach einem Bilanzskandal im Jahr 2020 verließen beide das Unternehmen und starteten mit »Cotti Coffee« neu. Das schnelle Wachstum basiert auf standardisierten Prozessen und einem stark skalierbaren Geschäftsmodell. Ob die Kette auch hierzulande gut ankommt, wird sich zeigen müssen.

Deutschland gilt als anspruchsvoller Kaffeemarkt mit hoher Kaufkraft und ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein. Gleichzeitig reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher sensibel auf Preisunterschiede. »Cotti Coffee« bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld: günstige Basispreise kommen den sparfreudigen Deutschen entgegen. Offen bleibt nur, wie stark Faktoren wie Nachhaltigkeit, Transparenz in der Lieferkette und Produktqualität langfristig in die Bewertung der Marke einfließen werden. Cotti nennt zwar Herkunftsländer seiner Bohnen, bleibt aber bei Details vage.

Fest steht: Kaffee bekommt man hier günstig. Zumindest, wenn man sich dem App-System unterwirft. Für alles, was darüber hinausgeht – Atmosphäre, Handwerk, Geschmackstiefe –, sollte man vielleicht woanders einkehren.


Redaktion
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