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Zwischen Piste und Prominenz hat sich in Kitzbühel eine kulinarische Szene etabliert, die Tradition ernst nimmt – und zugleich zeigt, wie modern regionale Küche sein kann.

Zwischen Piste und Prominenz hat sich in Kitzbühel eine kulinarische Szene etabliert, die Tradition ernst nimmt – und zugleich zeigt, wie modern regionale Küche sein kann.
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Das hat Kitzbühel neben dem Hahnenkamm zu bieten

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Kitzbühel

Kitzbühel ist weit mehr als eine Postkartenidylle für Wintersportfans. Zwischen legendären Pisten, urigen Hütten und exklusiven Boutiquen hat sich die Gamsstadt zu einem kulinarischen Epizentrum in den Alpen entwickelt.

Vor gut 130 Jahren fuhr der spätere Kitzbüheler Bürgermeister Franz Reisch noch allein durch den Schnee. Inspiriert vom Buch des Polarforschers Fridtjof Nansen – »Auf Schneeschuhen durch Grönland« – ließ er sich ein Paar hölzerne Latten aus Nor­wegen schicken. Die Ski kamen, Reisch bestieg damit das Kitzbüheler Horn – und fuhr hinunter. So begann das erste Kapitel einer Skigeschichte, die heute weltberühmt ist.

Die Hahnenkammrennen auf der »Streif«, einer der anspruchsvollsten Abfahrtsstrecken der Welt, sind längst Legende. Im Januar 2025 pilgerten rund 81.000 Besucher zum wohl bekanntesten Skirennen der Welt, um die waghalsige Abfahrt der Profis live zu erleben. Dann verwandelt sich die 8300-Einwohner-Gemeinde in eine einzige, vibrierende Partymeile. Skifans blicken ehrfürchtig zur VIP-Tribüne – Zlatan Ibrahimović ist da, Arnold Schwarzenegger, Bernie Eccle­stone, Thomas Müller. Kitzbühel und Prominenz – das gehört seit Jahrzehnten zusammen. Viele besitzen längst einen Zweitwohnsitz in der Gamsstadt, darunter auch der 2024 verstorbene Franz Beckenbauer. Immer mehr Ausländer kaufen Immobilien, die Preise zählen inzwischen zu den höchsten in ganz Österreich. Für viele Einheimische ist das eigene Zuhause unbezahlbar geworden.

Und doch ist Kitzbühel mehr als ein exklusiver Rückzugsort für Wohlhabende. Es ist ein Ort, an dem das Genießen zum Lebensprinzip erhoben wurde. Zwischen 233 perfekt präparierten Pistenkilometern und 41 Kilometern unberührter Skirouten verteilen sich rund 60 Einkehrmöglichkeiten – von stilvollen Bergrestaurants bis zu urigen Almhütten. Wer hier einkehrt, sucht nicht bloß eine Pause vom Skifahren, sondern oft das eigentliche Ziel des Tages: eine Kaspressknödelsuppe auf der Terrasse der »Hornköpflhütte«, zart gegrillte Ripperl in der »Bärenbadalm« in Jochberg oder feine Gerichte im modernisierten »Berggasthof Sonnbühel«, dessen Geschichte über ein Jahrhundert zurückreicht.

Auch im Tal geht der Genuss weiter – auf einem Niveau, das sich hinter keiner internationalen Metropole verstecken muss. Ob im eleganten »Lois Stern«, im französisch inspirierten »Les Deux«, im Szenelokal »Zuma« im Hotel »Weisses Rössl« oder im »Berggericht« mit urban-alpinem Signature-Stil: Kitzbühel spielt kulinarisch in der Oberliga.

Die Streif gilt als eine der härtesten Abfahrten im Weltcup-Zirkus. Jedes Jahr messen sich hier die weltbesten Skirennläufer beim Hahnenkammrennen.
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Die Streif gilt als eine der härtesten Abfahrten im Weltcup-Zirkus. Jedes Jahr messen sich hier die weltbesten Skirennläufer beim Hahnenkammrennen.

Echte Wirtshausküche

Wer glaubt, Wirtshausküche sei bloß eine gemütliche Rückschau auf das Gestern, der sollte im »Mocking« einkehren. In Sichtweite der Hahnenkammbahn gelegen führt Matthias Huber das Haus gemeinsam mit seiner Schwester Andrea Posch. Beide stammen aus einer alteingesessenen Kitzbüheler Metzgerfamilie. Ihr Vater hatte den einstigen Schlachtviehstall in den 1970er-Jahren in ein einfaches Wirtshaus verwandelt – Würstel mit Pommes für Skischüler, so lautete die Formel. Später verpachtete er das Haus, um sich wieder auf die Metzgerei zu konzentrieren. Vor sieben Jahren übernahmen Huber und Posch wieder selbst das Kommando – und verwandelten das »Mocking« in ein Kleinod kulinarischer Herkunft.

Die hauseigene Metzgerei wird inzwischen vom Bruder geführt, der das Wirtshaus selbstverständlich mit besten Produkten beliefert. Auch sonst stammt das meiste aus der unmittelbaren Umgebung. Rund 50 Prozent des Gemüses bauen die Geschwister selbst an – auf einem 750 Quadratmeter großen Feld. Um auch im Winter auf Eigenes zurückgreifen zu können, setzen sie auf bewährte Konservierungstechniken wie Fermentieren und Einkochen. »Genauso hat es schon unsere Großmutter gemacht«, sagt Huber.

Von ihr – der Großmutter – stammen auch viele der Rezepte. Etwa die Daumennudeln, oder »Daumnidei«, wie sie im Kitzbüheler Dialekt heißen. Man könnte sie als Tiroler Gnocchi bezeichnen. Der Teig besteht aus Kartoffeln und Mehl, ohne Ei, das früher zu kostbar war. Goldbraun in Butter gebraten und mit Sauerkraut serviert, erzählen sie viel über Herkunft, Einfachheit – und über den Stolz, sie bewahrt zu haben. Und manche Tiroler trinken dazu ganz eigenwillig ein Glas kalte Milch.

Lisi auf dem Berg 

Um ein waschechtes Kitzbüheler Original persönlich zu treffen, muss man hinauf auf 1710 Meter Höhe. Dort oben, wo die Luft dünner und die Aussichten weiter werden, regiert Lisi Schipflinger, die Wirtin des legendären »Hahnenkammstüberls«. Mit scharfem Blick, schneller Zunge und einem Herz, das so groß ist wie ihr Schnapsangebot, ist sie weit mehr als eine Gastgeberin. Sie ist ein Urgestein.

Ihre Speisekarte ist ein Liebesbrief an die Tiroler Küche: Gröstl, Käsespätzle, Spinat-Omelett mit Schafskäse, Schnitzel mit Thymiankartoffeln, Lisi’s legendäre Strudel und Torten. Die unangefochtene Spezialität aber ist ihr Kaiserschmarren – zubereitet mit frischen Beeren der Saison, von der Gastgeberin persönlich gesammelt. So schmeckt es, wenn gelebte Gastfreundschaft und kulinarische Bodenständigkeit sich die Hand reichen.

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Ein Haus wie aus der Zeit gefallen

Ein paar Kilometer südlich von Kitzbühel, im idyllischen Ortsteil Aurach, steht ein Haus, das wirkt, als sei es einem Heimatfilm entsprungen: der »Hallerwirt«. Eines der ältesten und größten Holzblockhäuser Tirols, eingebettet in eine Postkartenlandschaft aus saftigem Grün, dunklen Wäldern und den mächtigen Gipfeln der Kitzbüheler Alpen.

Seit 1680 befindet sich das Haus ununterbrochen im Besitz der Familie Stelzhammer. Seit 1810 wird es – mit Ausnahme einer zehnjährigen Phase der Fremdverpachtung– von Generation zu Generation mit Herz und Hingabe als Gastwirtschaft geführt. In der zum Wirtshaus gehörenden Landwirtschaft wird neben reinrassigen Rindern eine gefährdete Haustierrasse gezüchtet: die »Jochberger Hummeln« – eine seltene, genetisch hornlose Rinderrasse aus dem Pinzgau, deren Ursprung auf genau diesen Hof zurückgeht. »1834 kam das erste Tier hier zur Welt«, erzählt Wirtin Monika Stelzhammer stolz. Heute umfasst der Betrieb 38 Rinder und insgesamt 32 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Eine beachtliche Größenordnung – zumal die Stelzhammers mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit Landwirtschaft und Gastwirtschaft gleichermaßen betreiben. »Auf die Landwirtschaft zu verzichten, wäre für uns undenkbar«, sagt die Wirtin. »Sie gehört zur DNA des Hallerwirt.«

Auch architektonisch hat der »Hallerwirt« viel zu erzählen. Gleich drei urige Stuben laden zum genussvollen Verweilen ein, jede einzelne ein eigenes kleines Schmuckstück. Und wer einmal im großen Festsaal gefeiert hat, vergisst dieses Erlebnis so schnell nicht. Hin und wieder wird das Haus selbst zum Star – dann nämlich, wenn der »Hallerwirt« zur Filmkulisse wird, etwa für beliebte TV-Produktionen wie »SOKO Kitzbühel«.

Ort zum Durchatmen

Doch Kitzbühel ist nicht nur Bühne für Prominenz, Pisten­gaudi und kulinarische Höhenflüge – auch wer die Natur sucht, kommt auf seine Kosten. Etwa am Schwarzsee, einem der romantischsten Orte der Region.

Der kleine Naturmoorsee liegt wie ein Geheimnis am Rand der Stadt, eingebettet in ein geschütztes Naturparadies. Frühmorgens, wenn sich der Nebel über die Wasseroberfläche legt und das Licht in sanftem Gold schimmert, wirkt er beinahe mystisch – ein Ort der Einkehr und der Entschleunigung. Ein schmaler Pfad schlängelt sich poetisch am Ufer entlang, führt durch das Naturschutzgebiet mit freiem Blick auf die umliegende Bergkulisse. Zu jeder Jahreszeit ist der Rundweg eine Einladung, innezuhalten.

Hier atmet Kitzbühel durch – und man selbst gleich mit.   

Der Schwarzsee am Rand von Kitzbühel gilt als einer der idyllischsten Naturseen Tirols und ist ein beliebter Ort zum Wandern, Schwimmen und Abschalten – und im Winter auch zum Eislaufen.
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Der Schwarzsee am Rand von Kitzbühel gilt als einer der idyllischsten Naturseen Tirols und ist ein beliebter Ort zum Wandern, Schwimmen und Abschalten – und im Winter auch zum Eislaufen.

Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 9/2025

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Sebastian Späth
Sebastian Späth
Chefredakteur
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