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© ÖWM / Susanne Kurz

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: »Qualität ist unser stärkstes Argument«

Weinbau
Österreich
Landwirtschaft

Zwischen Klimadruck, neuen Konsumgewohnheiten und wachsendem Qualitätsbewusstsein behauptet sich Österreichs Weinbau mit einer klaren Strategie. Im Gespräch mit Norbert Totschnig wird deutlich: Genuss ist kein Luxus – sondern der Kern einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.

Österreich präsentierte sich an der diesjährigen ProWein in Düsseldorf mit mehr als 130 Winzer:innen und über 1.400 Weinen. Die geballte Vielfalt an unterschiedlichen Weingütern an einem Ort zog Fachbesucher:innen aus nah und fern in die Messehallen. Auch Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, ließ es sich nicht nehmen, aus Wien anzureisen. Im Gespräch am Falstaff-Stand spricht er über die Rolle von Genuss in der Landwirtschaft, die Zukunft des Weinbaus – und welche Weine man in seinem Weinschrank vorfindet.

Herr Totschnig, welche Rolle spielt die Genussfreude der Konsument:innen für eine gesunde Landwirtschaft?

Norbert Totschnig: Alles, was mit Lebensmitteln zu tun hat, hat zwangsläufig mit Genuss zu tun – denn wer isst schon etwas, das ihm nicht schmeckt? Genuss ist für mich persönlich untrennbar mit Qualität verbunden. Österreich setzt deshalb bewusst auf Qualitäts- und nicht auf Kostenführerschaft, um sich am Markt zu behaupten.

Gab es zuletzt einen Wein oder einen Moment, der Sie besonders überrascht hat?

Ich bin erst seit wenigen Stunden auf der Messe und wurde bereits mehrfach positiv überrascht. Die Qualität und Vielfalt des österreichischen Weins beeindrucken mich immer wieder aufs Neue.

Was zeichnet für Sie persönlich die genannte Qualität und Identität österreichischer Weine aus?

Ich bin in einem Landesteil aufgewachsen, wo der Wein nicht so gängig ist. In Tirol trinkt man mehr Milch. Meine ersten intensiven Erfahrungen habe ich während meiner Zeit beim Bundesheer an der Burgenländischen Grenze gemacht – mit einem Blaufränkisch. Das war der Moment, in dem ich begann, zwischen günstigem und hochwertigem Wein zu unterscheiden. Hat man diesen Unterschied einmal verstanden, gibt es kein Zurück mehr.

Die Kunst liegt darin, traditionelle Herstellung mit neuen Anforderungen des Markts zu verbinden. Wer stehen bleibt, fällt zurück.

Sehen Sie Parallelen zwischen den Herausforderungen, mit denen Winzer derzeit konfrontiert sind, und jenen in anderen Bereichen der Landwirtschaft?

Absolut. Der Klimawandel stellt beide Bereiche vor ähnliche Aufgaben: Bewässerung, Erosion, neue Krankheiten oder invasive Arten. Gleichzeitig entstehen Lösungen, etwa durch widerstandsfähigere Rebsorten. Entscheidend ist, dynamisch und innovativ zu bleiben. Es wird sich sehr viel ändern. Die beste Voraussetzung für mich ist die Bildung. Eine gute Ausbildung ist die Basis, um dynamische Zeiten entsprechend bewältigen zu können.

Viele Winzer sprechen von der Balance zwischen Tradition und Innovation. Wo sehen Sie aktuell spannende Entwicklungen?

Die Identität eines Weines entsteht durch Herkunft, Strategie und die individuelle Handschrift der Winzer:innen. Gleichzeitig zwingt der Markt zur Innovation – sei es durch den Klimawandel oder veränderte Konsumgewohnheiten. Wir sehen beispielsweise eine steigende Nachfrage nach leichteren oder alkoholfreien Varianten. Die Kunst liegt darin, traditionelle Herstellung mit neuen Anforderungen des Markts zu verbinden. Wer stehen bleibt, fällt zurück.

© ÖWM / Susanne Kurz

Sie haben es bereits erwähnt: Alkoholfreie und alkoholärmere Weine gewinnen an Bedeutung. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Wir verfolgen das mit großem Interesse. Alkoholfreie Weine werden vermutlich ein kleiner, aber dennoch relevanter Markt bleiben. Besonders bei jüngeren Konsument:innen wächst die Nachfrage nach leichteren Optionen. Letztlich gilt: Produziert wird, was gefragt ist. Die Winzer:innen reagieren darauf sehr aufmerksam, um die Nachfrage bedienen zu können.

Gibt es eine Weinregion in Österreich, zu der Sie eine besondere Beziehung haben?

Als Tiroler hat für mich Südtirol immer eine gewisse Bedeutung. Seitdem ich bereits viele Jahre in Wien wohne, habe ich mich schon durch einige Regionen durchgekostet: vom Weinviertel über das Burgenland bis in die Südsteiermark. Jede Region hat ihren eigenen Charakter – und genau diese Vielfalt macht den Reiz aus. Ich möchte auf keine verzichten.

Deutschland ist ein zentraler Markt für österreichischen Wein. Wie kann Österreich dort noch sichtbarer werden?

Deutschland ist unser wichtigster Exportmarkt. Unser Zugang bleibt klar die Qualität, denn die ist unser stärkstes Argument. Dazu kommt der nachhaltige Weg, den wir seit Jahren verfolgen. Bio gewinnt wieder an Bedeutung – auch in Deutschland. Diese Kombination aus Qualität, Nachhaltigkeit und Herkunft wird entscheidend sein.

Welcher Wein steht bei Ihnen typischerweise im Weinschrank?

Grüner Veltliner gehört zur Grundausstattung, ebenso Sauvignon Blanc. Aber auch ein Welschriesling oder ein Blaufränkisch findet regelmäßig seinen Platz. Für mich spiegelt sich die Stärke Österreichs genau darin wider – in der Vielfalt.


Redaktion
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